Moderne Technik für das tägliche Leben im Alter

von Cornelia Kutter

Was bedeutet die fortschreitende Digitalisierung für Senioren und für ein selbstbestimmtes Leben? Jedes Alter hat andere Bedürfnisse und benötigt differenzierte Hilfe. Wie kann Technik dabei unterstützen und persönliche Sicherheit fördern?

Smartphones, Laptops und Co.:

Die meisten Senioren sind heute schon fit im Umgang mit Computern. Sie surfen im Internet, Shoppen online und verschicken E-Mails. Informationen über Veranstaltungen werden abgerufen und Eintrittskarten reserviert. Manch einer hat sich gar als leidenschaftlicher Computerspieler geoutet. Fast selbstverständlich ist auch die Nutzung von Smartphones samt dazugehöriger Apps zur Kommunikation mit der Familie oder mit Freunden. Daher hat sich bereits eingebürgert, dass auch Informationen zu ehrenamtlicher Tätigkeit oder Mitteilungen von Vereinen über Messenger-Apps an die betroffenen Personen verschickt werden.
In zunehmendem Maße werden von rüstigen Senioren aber auch andere Systeme genutzt, die das täglichen Leben erleichtern können.

Smart-Home Systeme:

In der Werbung wird oft „Alexa“ erwähnt. Das ist doch dieses Sprachassistenz-System mit dem man Musik abspielen oder die Waschmaschine starten kann. Aber hilft mir das, wenn ich alt und „tüddelich“ bin? Tatsächlich können Assistenz-Systeme sehr nützlich sein. So lassen sich Heizungsthermostate und Lichtschalter damit regeln und Rollos steuern. Herd, Waschmaschine oder Saugroboter werden darüber betrieben und Türen lassen sich damit öffnen. Im Bad kann die Wanne mit Wasser gefüllt werden – und die Zufuhr wird automatisch abgeschaltet, bevor das Wasser überläuft. Selbst der Kühlschrank kann aufgebrauchte Lebensmittel erkennen und diese per Lieferservice nachbestellen. All das passiert durch Vernetzung der einzelnen Endgeräte und wird per Programm gesteuert oder durch Sprachsteuerung aktiviert.

Was aber unterstützt mich, wenn ich in einer hilflosen Situation bin?

Wenn der Alltag gefährlich wird:

Wie oft habe ich im Bekanntenkreis gehört, dass die Mutter oder der Vater nun in ein Seniorenheim müssen, weil sie öfter den Herd anlassen, Lebensmittel z.B. im Kleiderschrank lagern, Tabletten nicht regelmäßig einnehmen, die Toilettenspülung nicht benutzen oder schon gestürzt sind. Sie können nicht mehr unbeaufsichtigt in den eigenen vier Wänden bleiben.

Wir alle wissen, dass in bezahlbaren Heimen sehr oft auf Kosten der Bewohner gespart und die Pflege vernachlässigt wird. Diese Option will eigentlich niemand für sich oder vertraute Angehörige wählen. Dabei gibt es vielleicht Alternativen.

AAL – Ambient Assisted Living:

Im Bereich der altersgerechten Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben hinlänglich bekannt und vielfach eingesetzt ist das elektronische Meldesystem, das z.B. als Armband getragen wird und das bei Bedarf einen Notruf an eine Zentrale absetzt. Andere Assistenzsysteme sind ebenfalls auf pflegebedürftige Personen zugeschnitten. Bewegungsmelder in Fußboden oder Wand registrieren, wenn die Person stürzt und nicht wieder aufsteht. Dann wird über einen vernetzten Notrufsender ein Hilferuf abgesetzt. Weitere Sensoren können Fehlverhalten bei Körperpflege und im Umgang mit Gegenständen des täglichen Lebens erkennen. Eine besonders ausgefeilte Technik gibt es auch für Pflegebetten. Hier überwachen Sensoren sogar die Körperfunktionen des Patienten und die Ergebnisse werden im Notfall direkt an den behandelnden Arzt oder Rettungsdienst gesendet.

Fiktion oder schon Realität:

Kürzlich habe ich eine Komödie im TV gesehen, bei der Senioren schon morgens von einer Kunstperson auf dem Laptop freundlich geweckt wurden. Anschließend wurden sie über ihre Werte von Puls, Herzfrequenz und Atmung, sowie die Körpertemperatur in der Nacht informiert. Bei schlechtem Ergebnis schlug die Figur aus dem Computer sogleich vor, selbsttätig einen Termin beim Hausarzt zu machen. Danach wurden die Probanden in ihrer Wohnung komplett überwacht. Wenn sie etwas vergessen hatten, wurden sie ermahnt oder erinnert. Die Figur gab erst dann Ruhe, wenn die betroffenen Personen darauf hin selbst z.B. den Herd ausgeschaltet, die Tabletten geschluckt oder die Toilettenspülung betätigt haben. Im Film war dies Fiktion, aber es gibt bereits technische und elektronische Hilfen, die auch bei Vergesslichkeit ein Verbleiben in der häuslichen Umgebung mit einem großen Maß an Sicherheit ermöglichen, ohne dass sich Angehörige ständig Sorgen machen müssen.

Demenz muss nicht gleich Heimbetreuung bedeuten:

Eine „intelligente“ Box stellt z.B. fest, wann und in welcher Dosierung eine Medikamenten-Einnahme erfolgen muss. Optisch und akustisch wird darauf aufmerksam gemacht und die erforderliche Ration ausgegeben. Der Herd ist mit Sensoren ausgestattet, die Kochzeit und Hitzeentwicklung registrieren und im Notfall die Herdplatten selbständig ausstellen. Und weil demenzkranke Menschen oft ziellos das Haus verlassen und sich leicht verirren, kann über kleine Sender an der Kleidung jederzeit der Aufenthaltsort der betroffenen Person ermittelt werden.

Moderne Welt oder Albtraum:

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich wird, sind solche Systeme zumeist nicht vorhanden oder der Einsatz ist nicht sinnvoll. Aber auch hier macht der technische Fortschritt nicht Halt.
Auf Messen wurden sie bereits vorgestellt; lernfähige Roboter, die das Pflegepersonal in Kliniken entlasten sollen. Sie bringen das Essen, können Blutdruck messen, Zuckerwerte ermitteln und intramuskuläre Spritzen geben. Medikamente werden korrekt verteilt und Bettpfannen geleert. Und – sie lernen ständig dazu. Ein paar aufmunternde nette Worte für die Patienten haben sie ebenfalls parat. Ärzte und kompetentes Pflegepersonal werden diese Wesen aber -glücklicherweise- nicht ersetzen können.

Seniorengerechtes Wohnen:

Wer den Alltag noch bewältigen kann und gerne in seinem eigenen Haus bleiben möchte, dem reichen vielleicht ein Treppenlift und ein Saugroboter als Unterstützung. Andere sehen sich nach neuem geeigneten Wohnraum um.
Allerorts werden altersgerechte, barrierefreie Wohnungen gebaut. Aber was heißt das konkret? Die Häuser verfügen über geräumige Fahrstühle, sämtliche Türen sind auf Rollstuhlbreite ausgelegt und es gibt keine Schwellen. Dazu sind im Bad Duschen ebenerdig und die Toiletten höher als üblich mit Haltegriffen in Reichweite.
Wäre es hier nicht schön, wenn bereits die technischen Voraussetzungen für Sensoren in den Wänden und Fußböden geschaffen würden, die bei Notwendigkeit mit entsprechenden Steuerungssystemen verbunden werden können, ohne dass bauliche Maßnahmen erforderlich werden? Gleiches gilt für Heizungsthermostate und Rollläden.

Einheitlichkeit oder eine Vielzahl von Systemen?:

Es gibt diverse Systeme, die teilweise schon im Einsatz sind, sich in Studien in Erprobung befinden oder deren Entwicklung noch nicht vollständig ausgereift ist.
Leider haben alle eines gemeinsam: Komponenten unterschiedlicher Anbieter sind untereinander nicht kompatibel und lassen sich nicht mit nur einer Steuereinheit vernetzen. Hier sollte unbedingt ein Standard angedacht werden, damit nur eine Systemsteuerung zum Einsatz kommt, die je nach Bedarf um einzelne Module erweitert werden kann.

Schöne neue Welt durch Digitalisierung?:

Um auch künftig -vielleicht alt und krank- in Würde zu leben, können und dürfen all die technischen Hilfsmittel nur ergänzend eingesetzt werden.
Denn für ein schönes Leben braucht es in jedem Alter unerlässlich soziale Kontakte und menschliche Nähe!

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