Zum Jubiläum unseres LernCafes

von Hildegard Neufeld

In Deutschland gibt es viele interessante Lernprojekte älterer Menschen, die neue Wege gehen und gemeinschaftlich mit anderen, oft auch jüngeren Menschen, an selbstgewählten Themen arbeiten. Die Initiativen dazu kommen von Einrichtungen der Weiterbildung älterer Menschen, oft aber auch von den Älteren selbst.

Die Geschichte unseres LernCafes

Unser LernCafe ist das erste deutsche Online-Journal für weiterbildungsinteressierte ältere (und auch) jüngere Menschen und erscheint seit dem 15.Dezember 2000 unter www.lerncafe.de. Das Lerncafe soll ein virtueller Ort der Information, Kommunikation und der Weiterbildung sein, der interessierte Menschen zu realen Begegnungen führt oder sie überhaupt erst ermöglicht.
Jede Ausgabe hat einen Themenschwerpunkt, zu dem eine Reihe interessanter Hinweise, Informationen, Lernprojekte und Hintergrundtexte zu dem ausgewählten Thema vorgestellt werden. Damit nimmt das LernCafe eine seiner bedeutendsten Aufgaben wahr, die Lerninteresssen der Älteren sowie ihre gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und auch intergenerationelle Brücken zu bauen.
Das LernCafe ist vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zwei Jahre bis zum Mai 2002 als Modellprojekt gefördert und anschließend vom Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm gestaltet und herausgegeben worden. Ab 1.Juli 2005 ist der Verein ViLE – Virtuelles und reales Lern-und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener e.V. -- Herausgeber des LernCafes.

Das Lernnetzwerk ViLE

20 bildungsinteressierte ältere Menschen aus ganz Deutschland gründeten im Dezember 2002 den Verein „Virtuelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk für ältere Erwachsene e.V. (ViLE)“. Auch ich war dabei, eine im Alter bereits weit fortgeschrittene Seniorin mit viel Lern-, Kommunikations- und Gestaltungsinteresse. Heute zählt ViLE um 120 Mitglieder.
Anliegen und Ziel von ViLE ist es, älteren Menschen eine Plattform zu bieten, um das Internet zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch im Rahmen der virtuellen und persönlichen Begegnung nutzen zu können. Neben der Weiterbildung und Kommunikation über das Netz ist ViLE die reale Zusammenarbeit vor Ort in regionalen und lokalen Gruppen besonders wichtig. Bundesweit werden gemeinsam Lernprojekte und Begegnungen durchgeführt, die auch das persönliche Kennenlernen und Miteinander der Teilnehmer fördern und zum Erfahrungsaustausch beitragen.

Das LernCafe und die Senioren-Online-Redaktion

ViLE war gerade erst zwei Jahre alt, als das LernCafe, ein Online-Magazin für weiterbildungsinteressierte ältere Menschen, einen neuen Herausgeber suchte. Das LernCafe war, wie bereits berichtet, vom Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm entwickelt worden. Jetzt sollten ViLE-Mitglieder die inhaltliche Gestaltung und Regie des Online-Journals übernehmen.
Das notwendige Wissen hatten sich die neuen Senioren-Online-Redakteure in speziellen Ausbildungsrunden angeeignet. Die Kommunikation verlief von Anfang an größtenteils virtuell.
Auf diesem Wege konnten Senior-Online-Redakteure aus ganz Deutschland an der Gestaltung des LernCafes, und zwar von der Konzeption bis zur Herausgabe, mitarbeiten. Eine neue Herausforderung und zugleich eine Bestätigung für ein Engagement im Alter. Die Themen des Online-Journals LernCafe sind vielfältig. In ihrer ersten Ausgabe mit dem Titel „Ältere Menschen als wirtschaftlicher und politischer Machtfaktor“ berichteten die engagierten Senior-Online-Redakteure zum Beispiel über die derzeitige Rolle der älteren Generation in der Wirtschaft, und die letzte Ausgabe (74) war dem „Unesco-Welterbe“ , und zwar den Weltkultur- und Weltnaturerbestätten in Deutschland und in der Welt, gewidmet.

Vom Schreiben für das Lerncafe

von Dietrich Bösenberg
Schreiben für das Lerncafe – eine Herausforderung? – Ja, aber kein „Hexenwerk“!
Manch einer meint, es sei schwierig, Texte oder Artikel für das Lerncafe zu verfassen und traut es sich deshalb selbst nicht zu. Aber…

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Schreiben fürs LernCafé

von Roma Szczocarz

„ Man muss von Alten lernen, Neues zu machen“ Bertold Brecht
und
„ Schade, dass die Zeit zwischen < zu jung>und < zu alt> so kurz ist " (Charles de Montesquieu)

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Unser Start als Senior-Online-Redakteure

von Hildegard Neufeld
Wir gehören zur Generation der Älteren und Alten und wollen unser Leben aktiv weiter gestalten, kreativ und handlungsfähig bleiben und die neuen Möglichkeiten des Lebenslangen Lernens nutzen. Als Senior-Online-Redakteure gestalten wir das erste deutsche Online-Magazin für weiter bildungsinteressierte ältere Erwachsene, das LernCafe

 

Das Projekt

Im Juli 2003 startete das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm das Modellprojekt „Senior-Online-Redaktion“. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung   gefördert.
Interessierten Senioren wurde hier eine Weiterbildung ermöglicht, die sie befähigte, Artikel zu gesellschaftlichen, kulturellen oder wissenschaftlichen Themen für Online-Ausgaben zu schreiben und zu veröffentlichen. Kreativität und Ideen, auch zu altersbezogenen Aspekten, sollten hier breiten Zugang haben.

Erforderlich war die Bereitschaft der Teilnehmer zu freiwilliger Mitarbeit in der Praxis. Auf diese Weise sollte auch ein neues, nachberufliches Lern- und Tätigkeitsfeld für ältere Menschen entwickelt werden, ein Engagement als freiwillige Online-Redakteure.


Unter dem Dach des ZAWiW

Das ZAWiW gab zu diesem Zeitpunkt bereits das LernCafe, ein Online-Journal zur Weiterbildung für ältere Menschen heraus und verfügte daher bereits über entsprechende praktische Erfahrungen. Mit dem Modellprojekt zur Qualifikation älterer Menschen zu Senior-Online-Redakteuren wurde das Prinzip „von Senioren für Senioren“ aufgegriffen.
Das Modellprojekt „Senior-Online-Redaktion“ der Universität Ulm sah vor, durch fachbezogene Schulung und Qualifizierung interessierten und engagierten älteren Menschen das von ihnen erstrebte neue und nachberufliche Lern- und Tätigkeitsfeld zu eröffnen. Darüber hinaus sollte das Modell der „ehrenamtlichen Online-Redaktion“ in beispielhafter Weise aufzeigen, wie ältere Menschen einen kreativ-gestaltenden Umgang mit den neuen Kommunikationstechniken erlernen und zur aktiven Partizipation an gesellschaftlichen Dialogen nutzen können.

Die Qualifizierung

In speziellen Ausbildungsrunden wurde uns, den künftigen Senior-Online-Redakteuren, das notwendige Wissen für die Online-Redaktionsarbeit – ausschließlich auf virtuellem Wege – vermittelt. Auf diese Weise konnten die künftigen Redaktionsmitglieder, die in verschiedenen Teilen Deutschlands zu Hause waren, an den Ausbildungsseminaren teilnehmen. Sie alle hatten das Ziel, einst als qualifizierte Senior-Online-Redakteure an der Gestaltung des LernCafes - und zwar von der Konzeption bis zur Herausgabe - mitzuarbeiten.

Der Start

Die Halbzeit der Ausbildung war noch nicht verstrichen, als die künftigen Senior-Online- Redakteure an den Start gingen. Im Juni 2004 sollte unser erstes Online-Journal, das „LernCafe“ unter unserer Mitwirkung erscheinen. Themenfindung und -bearbeitung lagen verantwortlich in den Händen der sechs neuen Online-Redakteure, darunter war auch ich.

Da wir an verschiedenen Orten wohnten, erfolgten alle notwendigen Schritte, wie Aufgabenverteilung, Absprachen, Rückfragen und auch die Redaktionskonferenzen über das Netz. Mit Hilfe von Mailingliste, Forum und Chat wurden Recherche-Ergebnisse, Anregungen und Beurteilungen untereinander ausgetauscht, aber auch gegenseitige Hilfe und Unterstützung praktiziert.

Unsere erste Ausgabe – das LernCafe 25

Als unser fertiges Produkt rechtzeitig zum Erscheinungstag, dem 25. Juni 2004, ins Netz gestellt werden konnte, war dies nicht nur das Ergebnis einer gelungenen Teamarbeit engagierter Senior-Online-Redakteure, die sich erst durch ihre gemeinsame Aufgabe kennen gelernt hatten, sondern auch das einer kompetenten Leitung und Unterstützung.
Schließlich war das Leitungsteam in der Schlussredaktion mit der nicht leichten Aufgabe konfrontiert worden, den Inhalt unserer ersten Online-Ausgabe auf den zulässigen Umfang zu reduzieren. Hatte doch unser eifriges Redaktionsteam nahezu das Dreifache des vorgesehenen Inhalts produziert.

Motive der neuen Senior-Online-Redakteure

Was motiviert ältere Menschen, sich noch einmal „auf die Schulbank zu setzen“, um sich die erforderlichen Kenntnisse und Praktiken für einen beruflichen Neubeginn zu erarbeiten? Ist es die Lust auf Neues, auf etwas Anderes, vielleicht auf interessantere oder auch anspruchsvollere Aufgaben?
Senior-Online-Redakteure, die nach erfolgreicher Qualifizierung nun – freiwillig und ehrenamtlich engagiert – das Online-Journal LernCafe mitgestalten, nennen unterschiedliche Motive, zum Beispiel:

Einen Jugendtraum erfüllen: Schriftsteller oder Journalist werden,
Freude am Lernen: „Ich lerne ständig hinzu“,
Lust am Schreiben,
Freude: Wissen und Erfahrung weitergeben,
Freizeit sinnvoll gestalten,
Für neue Aufgaben qualifizieren, eigene Kompetenzen nutzen.

Perspektiven

Meine eigenen Motive knüpfen an meine frühere berufliche Tätigkeit als Fachzeitschriften-Redakteurin an. Die wollte ich im Ruhestand fortsetzen, wenn auch, bedingt durch die technische und gesellschaftliche Entwicklung, unter anderen Voraussetzungen und neuen Aspekten.
Als Senior-Online-Redakteurin kann ich Wissen und Erfahrung weitergeben. Vor allem aber kann ich informieren, anregen und, wenn möglich, auch motivieren. Hängt doch die Position der älteren und alten Menschen in der Gesellschaft auch von ihrer Informations-, Weiterbildungs- und Mitwirkungsbereitschaft ab. Wer gesellschaftlich integriert und handlungsfähig bleiben will, muss „am Ball bleiben“, muss informiert sein.
Als Senior-Online-Redakteurin kann ich daran mitwirken, dass auch die nachfolgenden Generationen erkennen und wissen, dass das Alter aktiv erlebt und auch kreativ gestaltet