Schulanfang – ein wichtiger Schritt im Leben

von Maja Prée

Für mich ist es dieses Jahr soweit, das jüngste meiner Enkelkinder kommt in die Schule. Und dabei kommen auch die Erinnerungen an den eigenen Schulanfang oder den Schulanfang der Kinder zurück.

Deutschlands Rituale

Schuleinführung 1961

Da unsere Mutter damals Hausfrau war, wurde ich zu Hause betreut. Im Jahr vor der Einschulung musste ich zu einem Test in die Vorschule. Scheinbar wusste ich genug und wurde nach diesem einen Besuch und Test wieder entlassen. Mit ca. 6 ½ Jahren wurde ich am ersten Septemberwochenende dann eingeschult. Erinnern kann ich mich fast nur noch an meine große Zuckertüte, die ich damals bekam. Weitere Geschenke gab es von Verwandten, Freunden und Bekannten aber auch den Mitbewohnern des Hauses.
Bei meinen beiden Söhnen gab es auch die große Zuckertüte. Für das jeweilige Geschwisterkind als „Trost“ eine kleinere und eine Familienfeier. Ein buntes Programm in der Schule, aufgeführt von größeren Kindern sollte die Kinder auf die Schule einstimmen. Die Zuckertüte wurde jeweils vom Klassenlehrer übergeben.

Andere Länder – andere Sitten

Die Sitte des Zuckertüte Übergebens ist so gut wie auf Deutschland begrenzt, aber selbst in einigen anderen Bundesländern scheint dieser Brauch nicht so intensiv begangen werden wie bei uns im Osten. Der Termin der Einschulung richtet sich in Deutschland nach dem Ferienende im jeweiligen Bundesand, ist also nicht einheitlich.
In den anderen Ländern gibt es auch nicht den Kult um die Schulranzen. Die Kinder haben nur einen Rucksack oder Stoffbeutel, da sie zum Teil auch nicht so viele Bücher mitnehmen müssen.

Verschiedene Bildungssysteme

In Polen gibt es eine zwölfjährige Schulpflicht. Es beginnt mit 6 Jahren Grundschule, 3 Jahre Gymnasium (nicht vergleichbar mit unserem Gymnasium) und danach 3 Jahre erweiterte Oberschule oder 4 Jahre technische Oberschule oder 2 Jahre Berufsschule. Hier ist die Note 6 die beste, die 1 die schlechteste Note. Das Schuljahr beginnt am 1. September und endet immer am letzten Freitag im Juni. Zuckertüten sind nicht üblich
In Tschechien beginnt das neue Schuljahr am 15. Januar. Eingeschult wird mit 6 Jahren.
In Russland beginnt das neue Schuljahr am dortigen „Tag des Wissens“ Mädchen bekommen bunte oder weiße Bänder in ihre Zöpfe geflochten. Alle Kinder werden chic angezogen. Die Kinder übergeben dem Klassenlehrer als Zeichen des Respektes einen Blumenstrauß. Gefeiert wird zu Hause in der Familie.
In der Ukraine ist es ähnlich wie in Russland. Jeder Schüler bringt dem Lehrer einen Blumenstrauß mit. Jedes der Kinder bekommt aber auch eine kleine Aufmerksamkeit vom Klassenlehrer.

Andere Länder

Auch in Dänemark, Schottland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden oder Spanien gibt es keine Schuleinführungsfeier wie in Deutschland.
In Frankreich gehen die Kinder mit 3-4 Jahren in die Vorschule und danach gehen sie in die Grundschule. Gefeiert wird weder die Schuleinführung noch der Abschluss. In den Niederlanden beginnt die Schulpflicht mit dem vierten Lebensjahr, sie geht mindestens bis zum 16. Lebensjahr. Normal werden die Kinder mit fünf Jahren in die Grundschule eingeschult, auf Wunsch bereits mit vier. Die Basisschool wird bis zum 12. Lebensjahr besucht. Die niederländische Grundschule (Basisschool) umfasst 8 Klassen (hier als groepen bezeichnet).
In Spanien gibt es eine allgemeine Schulpflicht für das Alter von 6 – 16 Jahre. Weiterhin gibt es eine freiwillige Vorschulerziehung von 0 – 3 Jahren und 3-6 Jahren.
In Großbritannien besteht die Schulpflicht ab 5 Jahre, viele Kinder werden schon mit vier Jahren eingeschult. Hier ist es in vielen Gebieten üblich, dass die Klassenlehrer die Familie vor der Einschulung zu Hause besucht.
in Norwegen gibt es ebenfalls eine zehnjährige Schulpflicht von 6 – 16 Jahren. Erst in der 8. Klasse gibt es dort Schulnoten, Dann entscheidet sich, ob die Kinder auf die gymnasiale Stufe gehen. Dort ist auch die sechs die beste Note. Der Besuch einer Vorschule ab drei Jahren ist möglich.

Noch einmal ein Rückblick

Schuleinführung 1984

Meine beiden Söhne hatten, da ich berufstätig war, den Kindergarten besucht und dort ganz normal den Übergang zur Schule vollzogen. Für sie war es ein schönes Erlebnis am Zuckertütenbaum Abschied vom Kindergarten zu nehmen. In den Kindergärten wurden auch die Grundlagen für die ersten Kenntnisse und Fähigkeiten geschaffen. Ich bin dankbar, dass sie mitten unter anderen Kindern aufwachsen und so eine sorglose aber auch interessante Kindheit erleben konnten. Aber das wäre schon wieder eine neue Geschichte

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