Das Theater in Meiningen

von Annemarie Werning

Schon lange hatte ich den Wunsch, das Hoftheater in Meinungen kennenzulernen. Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, dort die Oper Tosca von Puccini zu erleben.  

 

Die Entstehung

Elisabethenburg Meiningen (Aufn. Autorin)

Aus dem Nachlass von Herzog Ernst von Sachsen-Gotha-Altenburg erhielt sein Sohn Bernhard das Herzogtum Sachsen-Meiningen. Ab 1682 ließ er in Meiningen sein Residenzschloss Elisabethenburg erbauen. In diesem wurde bereits 1776 eine erste ständige Theaterspielstätte eingerichtet.

1831 wurde unter Herzog Bernhard II das Hoftheater mit 600 Sitz- und 160 Stehplätzen eröffnet. Während der Regierungszeit seines 1826 geborenen Sohnes Georg II (1866 – 1914)   gewann das Hoftheater internationalen Ruhm. Dieses Gebäude brannte am 5. März 1908 bis auf die Grundmauern ab. Bereits im Dezember 1909 konnte der Neubau mit 726 Sitzplätzen eröffnet werden.

Die Verdienste Herzog Georgs II

Zuschauerraum Theater Meiningen

Der Erfolg war der Persönlichkeit Georgs II zu verdanken. Er hatte von 1844 bis 1847 Kunstgeschichte, Geschichte und Jura studiert und sich danach in Malerei ausbilden lassen. Während vieler Reisen mit seiner kunstsinnigen ersten Ehefrau Charlotte verfestigte sich sein Kunstverständnis. Diese verstarb allerdings bereits 1855. Nach dem Tod seiner zweiten, musisch desinteressierten Ehefrau Feodora heiratete er 1873 die Schauspielerin Ellen Franz. Sie war es, die mit den Schauspielern deren Rollen so erarbeitete, wie es der Vorstellung ihres Ehemanns entsprach.

Nach der Übernahme seiner Regentschaft 1866 organisierte er das Hoftheater neu. Er führte selbst Regie und entwarf die Bühnenbilder und Kostüme. Er vertiefte sich in die historischen Hintergründe des jeweiligen Theaterstücks. Sein Ziel war es, dem Publikum den philosophischen und historischen Gehalt des Theaterstücks entsprechend der Intention des Dichters als einheitliches Ganzes darzustellen. Pro Jahr entstanden auf diese Weise etwa drei Musterinszenierungen. Sie allein im kleinen Meiningen aufzuführen war wirtschaftlich nicht durchzuhalten.

Gastspielreisen

Zusammen mit dem Schauspieler und späteren Intendanten Ludwig Chronegk entstand die Idee von Gastspielreisen. Zwischen 1874 und 1890 führte das Hofschauspielerensemble unter der Regie von Ludwig Chronegk 81 Gastspielreisen durch Europa von Stockholm bis Triest und London bis Odessa durch. Geschätzte zwei Millionen Zuschauer sahen in dieser Zeit die inzwischen berühmt gewordenen Klassiker-Vorstellungen. Nach der Erkrankung Chronigks fand sich kein Nachfolger und die Gastspielreisen, aber nicht die Aufführungen in Meiningen, wurden eingestellt.

Neue Technik

Die Drehbühne (eig.Foto)

Seit 2005 wird das Meininger Staatstheater, inzwischen um ein Kammerspielhaus erweitert, in den Sparten Schauspiel, Musiktheater und Puppentheater von Ansgar Haag geleitet. Von Juni 2010 bis Oktober 2011 wurde die komplette Technik erneuert. Hier sieht man die neuen Drehbühnen im großen Haus.

Die Gegenwart

Ein Himmel als Kulisse entsteht (eig. Foto)

Das Theater hat 300 Mitarbeiter, darunter auch Schreiner, Schlosser und Maler, denn alle erforderlichen Arbeiten werden von eigenen Mitarbeitern erledigt. Für die Herstellung der Kulissen wurde ein eigenes Haus errichtet. Hier sieht man, wie ein Himmel als Hintergrundkulisse hergestellt wird

Es finden täglich Aufführungen statt, die Auslastung beläuft sich inzwischen auf 83 %. Während zu Zeiten Georgs II das Schauspielensemble reiste, ist es jetzt das Publikum, das einzeln oder in Bussen anreist.

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