Ein Ort an der Lahn erhält die Stadtrechte

Von Erdmute Dietmann-Beckert

Die 350-Jahrfeier

Pfingsten 2014 feierten in Leun Bürger, Freunde und Vereine ein Jubiläum: 350 Jahre Stadtrechte.

Die Ortschaft Leun

Die Stadtrechte waren der Ortschaft Leun vor 350 Jahren vom Fürsten von Braunfels verliehen worden. Zu dem historischen Stadtfest gab es einen Festzug, an dem sich alle vier Stadtteilebeteiligten.Auch eine Vertretung der Partnerstadt Feytiat aus Frankreich war gekommen.Das Programm war umfangreich und bunt.Alle Sinne wurden angesprochen. Zu hören waren Lieder mit Tanzvorführungen und Bänkelsänger,zu sehen Gauklermit ihren Künsten, zu schmecken französische Spezialitäten, zu fühlen die Freunde. Führungen durch die Leuner Kirche und ein ökumenischer Gottesdienst standen ebenfalls auf dem Programm. Nicht zuletztkam auch der Heimatfilm aus dem Jahr 1964 zur Vorführung.

Zur Geschichte

Der Ort Leun an der Lahn wird zum ersten Mal 771 als Landgut erwähnt, das mit dem Namen „Liunum“ dem Kloster Lorsch geschenkt worden war.

Heinrich Graf zu Solms besiegelte am 1. Juni 1664mit dem Bürger- und Freiheitsbrief dem Ort Leun das Recht, sich fortan Stadt zu nennen.

Als Begründung heißt es, dass sich der Ort nach dem Dreißigjährigen Krieg gut entwickelt habe und dass dem Fürsten mit dem erfolgreichen Handel höhere Renten zugeflossen seien.

Der Name „Leun“ wird vom keltischen Wort „loyn“ für den Fluss abgeleitet. Es heißt, dass die Kelten bereits im Jahr einhundertsechzig vor Christus dort gesiedelt haben.

Der Bürger und Freiheitsbrief

In zehn Abschnitten wird ausgeführt, welche Rechte und Pflichten der Stadt zufallen. Hier ein Auszug:Es gingzum Beispielum die Befreiung vom Frondienst, das heißt, die Bauern mussten nicht mehr dem Fürsten bestimmte unentgeltliche Dienstleistungen, den Frondienst, erbringen. Der Stadt wurde die Einrichtung einer eigenen Gerichtsbarkeit erlaubt.Für die Bürger galt die Freizügigkeit, und die Stadt durfte eigene Steuern erheben, zum Beispiel für auf dem Markt verkaufte Waren.

Für den Bau einer Stadtmauer durfte sich die Stadt Zeit nehmen. Der Freiheitsbrief kostete 5000 Gulden, die in Frankfurter Währung in drei Raten bezahlt werden sollten. Die Bürger durften ihre Freiheitsrechte sofort genießen, sie durften Handwerkerzünften die Erlaubnis erteilen, sich in der Stadt niederzulassen, Rechte, die bereits in den benachbarten Orten Herborn und Dillenburg, galten. Das Stadtrecht wurde unabhängig von der Anzahl der Bewohner erteilt.

Markt in Leun

Im August 1469 wurde auf Betreiben des Grafen Solms-Braunfels der Ortschaft Leundas Marktrecht verliehen. Die Märkte fanden an der Furt über die Lahn im Oktober statt. Der Marktbrachte den Bewohnern zusätzliche Einkünfte. Sie bestimmten die Preise und erhoben Standgelder. Zwölf Jahre später wurde an der Stelle eine steinerne Brücke errichtet. Mit denStadtrechten, die Leun1664 verliehen wurden, gewann der Ort eine „gewisse“ Autonomie.

Handwerkerzünfte

In Leun gab es, zwischen 1658 und 1712 Zünfte für Bäcker, Fleischer Schuhmacher, Schlosser, Schreiner, Schneider, Bierbrauer.

Mit den Zunftbriefen, die die Landesherren ausstellten, wurde das Handwerk gefördert. DieBriefe regelten die Lehrlingsausbildung, bestimmten die Anzahl der Gesellen und bedeuteten die soziale Sicherung der Zunftmitglieder. Die Mitglieder nahmen Einfluss auf die Preise und achteten auf die Qualität der Ware. Sie tauschten ihr fachliches Wissen mit anderen Handwerkern aus und feierten zusammen Feste zu religiösen und gesellschaftlichen Anlässen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verloren die Zünfte ihre Bedeutung. An ihrer Stelle gibt es heute Handwerkerinnungen. Auch sie fördern die Ausbildung der Lehrlinge.

Die Lahnbrücken

Wie bereits erwähnt, wurde im 15. Jahrhundert bei Leun eine steinerne Brücke über die Lahn gebaut. Sie verkürzte den Weg zwischen „Hoher Straße“ und dem Wohnsitz des Grafen von Solms-Braunfels. Es war die einzige zwischen Wetzlar und Weilburg. Im Laufe der folgenden Jahre wurde sie immer wieder abgerissen und neu gebaut. Heute führtdie Brücke zum Ortsteil Lahnbahnhof und sie gewährt die Auffahrt auf die Bundesstraße, die in einem großen BogenFluss und Wiesen überspannt.

Eine Stadt mit vier Ortsteilen

In den 1970er Jahren wurde in Hessen eine Neugliederung der Gemeinden durchgeführt. Leun schloss sich mit den Nachbarorten Stockhausen, Bissenberg und Biskirchen zusammen, der Name Leun bezieht sich nun auch auf die drei neuen Ortsteile.Am 1. Januar 1972 unterzeichneten die Bürgermeister der vier Ortschaften den Vertrag im ehemaligen Leuner Rathaus.

Heute steht das Rathaus in Stockhausen. Es bietet mehr Platz und ist für alle Stadtteile gut zu erreichen. Außerdem gibt es einen Parkplatz hinter dem Haus.

In den letzten Jahrzehnten wurden viele alte Fachwerkhäuser renoviert.

Aus der Chronik

Es heißt, dass um das Jahr 1500 herum im Leuner Junkernhof Raubritter lebten, die in der Umgebung von Leun ihr Unwesen trieben. Sie überfielen die Kaufleute, die auf der „Hohen Straße“ zwischen Frankfurt und Köln unterwegs waren.

Mit der freundlichen Erlaubnis des Autors berichte ich hier über ein Ereignis, das die Bürger von Leun und Umgebung im 18. Jahrhundert erschreckt und beschäftigt hat. Es ist die Geschichte vom „Eisernen Heinrich“ und seiner Festnahme in Leun. Heinrich war bei einem Vetter in Gießen aufgewachsen. Man nannte ihn auch „Leyerhenrich“. Er hatte im preußischen Heer gedient, war aber desertiert. Er tat sich mit Gesinnungsfreunden zusammen und lebte in den Wäldern um Leun und Umgebung. Er und seine Spießgesellen verübten zahlreiche Überfälle. Im März 1750 wurde er von der Nachtwache auf der Flucht in Leun gefangengenommen. Im Schloss zu Braunfels wurde er verhört und zum Tode verurteilt. Er drohte den Richtern, dass seine Freunde im Falle seiner Hinrichtungdas Schloss anzünden, und der „Eiserne Heinrich“wurde abgeschoben. Es heißt, dass sich danach seine Spur verloren hat.

Quellen und Links

350 Jahre Stadtrechte Leun. Hrsg. Magistrat der Stadt Leun - Biskirchen 2014.

Chronik, Privat, Text von Otfried Groß. Leun 2014.

Alle Fotos privat Oktober 2014

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