Holocaustliteratur: Das Schicksal der Kinder

von Roma Szczocarz

„ Die Kinder wollen immer spielen, auch wenn überall Krieg ist und wenn
sie Hunger und Armut leiden“. Uri Orlev israelischer Kinderbuchautor

Was bedeutet der Begriff “Holocaustliteratur“?

Der Begriff Holocaustliteratur hat sich aus dem Amerikanischen kommend etabliert. Er umfasst alle literarischen Texte über den Holocaust nach dem Modell, das an der Justus- Liebig- Universität Gießen entwickelt wurde. Wichtige Definition der Gattung Holocaustliteratur ist die Abgrenzung literarischer Texte von historischen und wissenschaftlichen Schriften und Dokumenten.
Zur Gattung Holocaustliteratur zählen, neben Tagebüchern (Anne Franks Tagebuch) und Chroniken, die zur Zeit des Geschehens entstanden, auch Memoiren und Erinnerungen, die nachBerichten von Ereignissen , die Protagonisten betrafen, verfasst wurden. Auch die fiktionalen Bearbeitungen aller literarischen Gattungen sowie Romane, Gedichte und Dramen, die den Holocaust behandeln, gehören dazu. Als Erster veröffentlichte der Italiener  Primo Levi seine noch frischen Erfahrungen. Sein Buch “Ist das ein Mensch?“ erschien im Herbst 1947. Aber erst mit dem Nobelpreis, der an Imre Kertesz im Jahr 2002  verliehen wurde, ist diese besondere Erinnerungsliteratur, literarisch nobilitiert worden.

Schreiber des Holocaust: Uri Orlev

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Uri Orlev ist einer der renommiertesten israelischen Kinderbuchautoren und auch einer der noch wenigen lebenden Holocaust- Augenzeugen. Die Kindheit während der Kriegszeit prägt seine Bücher. Über die traumatischen Kriegserlebnisse schreibt er nur aus der Kind-Perspektive, so alt wie er damals war, ein 12- jähriger Zeitzeuge.

In den Fußstapfen von Uri Orlev

Uri Orlev wurde 1931 als Jerzy Orlowski in Warschau als Sohn jüdischer Eltern geboren. Während des 2. Weltkrieges verbrachte er einen Teil seiner Kindheit im Warschauer Ghetto.1943 wurde er mit seinem Bruder und seiner Tante in
das Konzentrationslager Bergen- Belsen deportiert. Das war ein absolut dramatisches Erlebnis für ihn, damals war er 12 Jahre alt. Nach der Befreiung des Konzentrationslager Bergen- Belen durch die US Armee 1945 gelangten die Brüder Orlev mit einem Kindertransport nach Paris, dann nach Israel. Dort lebte er zwanzig Jahre lang in einem Kibbuz.

Ohne Bitterkeit, ohne Pathos

Uri Orlev schreibt über sein Kriegsschicksal aus der kindlichen Perspektive und das
ist für ihn nicht nur literarisches Mittel. Er erklärte in einem Interview: “Mit dem Erzählen über meine Kindheit ist es wie mit einem Gang über einen zugefrorenen See. Ich darf nicht zu fest auftreten, ich darf über meine Kindheit nicht als Erwachsener nachdenken, sonst breche ich ein, tauche unter und finde nicht mehr zurück.“

Vergleich seiner Bücher mit anderen

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Was unterscheidet seine Bücher über Holocaust von anderen: Uri Orlev schreibt über die schreckliche Zeit, über die traumatische Kriegswirklichkeit ohne Bitterkeit, ohne Pathos. Seine Geschichten spielen in der Zeit des Nationalsozialismus und handeln davon, wie Kinder mit dessen Schrecken umgehen. Viele haben autobiographische Elemente wie „Das Sandspiel“ oder biographische wie die  „Die Insel in der Vogelstraße“ oder das Buch über die geraubte Kindheit „Lauf, Junge lauf.“
Uri Orlev hat als Kriegskind gelernt, vor den Schrecken des Krieges in ein Reich der Fantasie zu fliehen. Er begriff sie als Abenteuer, als etwas Unreales.
„Irgendwann hatte ich mir ausgedacht, dass der Krieg, die Vernichtung der Juden überhaupt nicht in der Wirklichkeit stattfand. Dass ich das alles nur träumte“.

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