Der Tobiashammer bei Ohrdruf

von Maja Prée

Laut dröhnten hier in vergangenen Zeiten die Hämmer im Tal der Ohra. Nun sind die Hammerschläge nur noch selten zu hören. Doch einmal genauer hinzuschauen lohnt sich durchaus.

Technisches Denkmal

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Wir leben in einer Zeit, in der die Technik mit gewaltigen Schritten voranschreitet. Denken wir an die technischen Dinge ohne die wir uns unser Leben nicht mehr vorstellen können. Sie wurden fast alle im Laufe der Zeit immer kleiner, leichter und leistungsfähiger. Steht man dagegen vor dem Hammerwerk im Tobiashammer oder vor einer der größten Dampfmaschinen Europas, einer Zwillings-Tandem-Reversier-Großdampfmaschine, ist man einfach nur beeindruckt.

Geschichtliches

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Die Gründung des Tobiashammers geht auf das Jahr 1482 zurück. Das Unternehmen wurde 1592 von Tobias Albrecht gekauft und wohl damals nach seinem neuen Besitzer benannt.
Im 15./16. Jahrhundert wuchs die Nachfrage nach massenhaften wie auch verschleißfesten Metallprodukten. Der Handel überwand die Grenzen der Kleinstaaterei. Hier im Thüringer Wald waren wichtige Rohstoffe wie das Holz vorhanden und die Energie fließenden Wassers zum Antrieb der Maschinen. Eine Handelsstraße machte den Transport der Güter möglich.
Vielleicht spielte auch das neu entwickelte Verfahren des Saigerns, heute Seigern, eine Rolle. Dabei wurden Bestandteile aus dem Roherz herausgetrennt und die nur in geringen Anteilen vorhandenen Mengen an Silber gewonnen. Bereits 1460 soll in Georgental bei Ohrdruf vom Abt eine Saigerhütte betrieben worden sein.
Das Kupfererz. welches dabei in größeren Mengen gewonnen wurde, sollte natürlich entsprechend weiter verarbeitet werden. Das geschah unter der Walze zu dünnen. ausgewalzten Blechen und dann unter den verschiedenen Fallhämmern zu Gebrauchsgegenständen, später aber auch Musikinstrumenten wie Pauken..

Technisches

Wenn man durch den Eingangsbereich getreten ist , kommt  man zum Hauptgebäude mit den fünf immer noch funktionstüchtigen Hämmern. Sie können mittels Wasserkraft angetrieben werden. Bei Führungen wird den Gästen vorgeführt, welchem Geräuschpegel die Arbeiter damals ausgesetzt waren, denn dann wird einer der Hämmer in Betrieb genommen.
Im Nachbargebäude befindet sich das alte Pochwerk. Über Transmissionsriemen, vom Wasserrad angetrieben, wurde mittels Holzstempeln das Erz zerkleinert bevor es ausgeschmolzen werden konnte. In diesem unbeheiztem Raum, im Winter feucht und kalt auf Grund der außen entlang fließenden Ohra litten die Arbeiter beizeiten an Schwerhörigkeit und Gelenkproblemen. Das Pochwerk wird im Gegensatz zum Hammerwerk heute jedoch nicht mehr in Betrieb genommen.

Nutzung heute

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Im Jahr 2013 fand zum nunmehr 30. Mal das Internationale Schmiedesymposium in Ohrdruf statt. Die in den vergangenen Jahren entstandenen Kunstwerke befinden sich im Park Für mich eines der schönsten Kunstwerke ist die “Seerose“, die hier zu sehen ist.
In einer 1876 erbauten Fachwerkscheune die Mitte der 80ziger Jahre hierher umgesetzt worden ist, steht seit 1988 Zwillings-Tandem-Reversier-Großdampfmaschine mit einer Masse von 305 t und einem Leistungsvermögen von 12.000 PS. Sie war 1920 als Antrieb für ein Blechwalzwerk gebaut worden und stand zuletzt in der Maxhütte Unterwellenborn. Heute ist sie ein beeindruckender Bestandteil des Technischen Museums. Bei Führungen wird sie zum großen Interesse der Gäste in Betrieb genommen.

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Und auch etwas lustiges für die ganze Familie
Mit viel Spaß für den Betrachter wurde hier noch eine Sammlung vom Zwergenhammer bis zum Aktivistenhammer, einem Riesenhammer, vom Spaß-, Links-, Stein- bis zum Automatikhammer zusammengestellt.

Epilog

Bis vor einigen Jahren flutete aller Verkehr, der über den Thüringer Wald führte, am Tobiashammer in Ohrdruf vorbei. Mit dem Bau der A 71 wurde es hier wesentlich ruhiger. Die meisten nehmen nun die viel schnellere und nicht so kurvenreiche Strecke der Autobahn. Wer aber Muße hat, hier im Thüringer Wald zu verweilen sollte einmal einen Abstecher zum Tobiashammer machen. Es lohnt  sich. Einerseits um zu sehen, wie die Menschen sich über die Jahrhunderte die Kräfte der Natur zu Nutze machten und unter welch schweren Bedingungen sie arbeiten mussten. Anderseits aber auch um zu sehen, welch interessanten Kunstwerke mit historischer Technik hier entstanden sind. Und vielleicht entdeckt auch Mancher unter den weiteren Ausstellungsstücken noch ein Werkzeug oder eine Maschine mit der er selbst einmal gearbeitet hatte.

Video zum Tobiashammer

Kommentare

Kommentar von Barbara Heinze |

Das war interessant für mich, weil ich aus dem Saarland komme, so es neben der Gruben auch die Hütten gab, nur noch die Völklinger Hütte ist als Industriedenkmal erhalten

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