Selbst verlegen

von Anne Pöttgen

Wie kommt ein Buch in unsere Hand? Vom Autor zum Verlag und über den Barsortimenter zum Buchhändler vor Ort. So war das üblich. Heutzutage gibt es auch andere Wege, uns den Lesegenuss zu verschaffen.

Der konventionelle Weg

Was ist das eigentlich: ein Verlag? Das Wort Verlag kommt von verlegen und das leitet sich ab von „verauslagen“, das heißt „Druckkosten verauslagen“. Also das Risiko eingehen, dass die Auslagen nicht wieder hereinkommen. Dieses Risiko baut  der Verleger mit einem gewissen Prozentsatz in den Endpreis eines Buches ein.
Einen weiteren Prozentsatz erhält der Barsortimenter. Der Barsortimenter kauft Bücher in großen Stückzahlen von den Verlagen und verkauft sie an angeschlossene Buchhandlungen weiter. Für seine Kosten, wie Lagerhaltung und Versandkosten, sowie das Risiko, dass die Bücher in seinen Lagern liegen bleiben, erhält er einen Rabatt vom Verlag. Barsortimenter heißen die Firmen, weil Bücher ursprünglich nur gegen Barzahlung an die Buchhändler verkauft wurden.
Buchhandlungen, Sortimenter, gibt es in Deutschland etwa 3.800. Dazu zählen sowohl die Kleinstadtbuchhandlung als auch das Buchkaufhaus mit seinem allumfassenden Sortiment. Was der Buchhandel nicht verkauft, kann er erfreulicherweise zurückgeben. Sowohl an den Verlag, wenn er dort bestellt hat oder aber an den Barsortimenter.

Selbstverlag

Sowohl das gedruckte Buch als auch das e-book können auch vom Autor selbst in die örtlichen Buchhandlungen oder die Versandbuchhandlungen gebracht werden. Diesen Weg wählt nicht nur der arme Poet aus seinem Kämmerchen heraus, sondern auch große Institutionen wie Universitäten veröffentlichen im Selbstverlag.
Der arme Poet hat dabei hilfreiche Hände, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der große Barsortimenter Libri wollte wohl das Geschäft mit Büchern ausweiten und hat eine Tochterfirma gegründet: BoD (Book on Demand).
Die Hilfe von BoD nehmen nicht nur Hobby-Autoren sondern auch Berufs-Autoren in Anspruch. Die Begründungen sind unterschiedlich. Die einen suchen Anerkennung im Familien- und Bekanntenkreis, die anderen möchten ihren Kontostand aufbessern. Bei den Berufsautoren spielt auch eine Rolle, dass sie die Rechte an ihrem Werk nicht aus der Hand geben wollen.
Wichtig ist allen, dass ihre Titel in einem Katalog gefunden werden können. Nur so wird verkauft.

Buch und e-book

Auf dem konventionellen Weg werden sowohl gedruckte Bücher als auch e-books verlegt. Beim e-book allerdings wird der Barsortimenter überflüssig. Ein e-book liegt beim Verlag auf Lager oder vielmehr im Server.
E-Book, das heißt electronic book und ein solches ist es auch. Über den Computer aufgenommen und gespeichert, auf elektronischem Weg versandt und auf einem elektronischen Gerät, einem Reader, gelesen. Wenn der Reader ausgeschaltet wird, ist das Buch unsichtbar.
Vorreiter beim Erstellen und Verbreiten von e-books waren Fachbuchverlage. Im Laufe der Zeit zog die Belletristik nach. Meist erscheint zunächst die papierene Ausgabe, wenig später auch die elektronische. Sie ist um einige Prozentpunkte preiswerter zu haben.

Betreuung

Die Betreuung durch BoD richtet sich danach, ob der Autor selbst weiß, was für das Gelingen eines Buches erforderlich ist oder nicht. Angeboten werden Beratung, Lektorat und Produktion. Möglich ist auch die Texterfassung, wenn nur ein handschriftliches Manuskript vorliegt. Das Lektorat umfasst so simple Dinge wie die Rechtschreibprüfung, also Prüfung von Orthografie, Grammatik aber auch Ausdruck. Dann wird die druckfertige Ausgabe erstellt, Satz und Cover festgelegt, Bilder müssen gescannt und bearbeitet werden. Das alles kostet Geld, die Preise sind in einer ausführlichen Preisliste nachzulesen. Das alles gilt sowohl für gedruckte Bücher als auch für e-books. Ähnliche Dienste werden auch von anderen Firmen, unter anderem auch Amazon, angeboten.
BoD ist seit etwa 10 Jahren am Markt, nicht nur in Deutschland sondern auch in anderen europäischen Ländern. Es hat mittlerweile 25.000 Autoren mit 45.000 Werken im Angebot

Bezahlverlage

Dann gibt es noch die Möglichkeit, gegen Übernahme der Kosten zu veröffentlichen. Angeworben werden Autoren durch Inserate wie „Autoren gesucht“.
Hier reicht man eine Leseprobe und ein Exposé ein, das vom verlagseigenen Lektorat geprüft wird. Nach Zahlung eines Druckkostenvorschusses wird das Buch gedruckt. Im wörtlichen Sinne ist das also kein Verlag, denn die Kosten werden nicht von der Firma sondern vom Autor verauslagt, er ist also praktisch Selbstverleger.
Allerdings erstellen diese Firmen auch Gesamtverzeichnisse und Vorschauen für den Buchhandel, von dem es allerdings heißt, dass er diesen Büchern sehr skeptisch gegenüber steht. Erfolge für den Autor tendieren gegen Null.

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