von Hildegard Keller
Bedingt durch Kultur und Buddhismus erlebt der alte Mensch in Thailand etwas,
das bei uns in Europa immer mehr verloren geht: den Respekt vor dem älteren
Mitmenschen. Im „Land des Lächelns“ gilt der Lebenserfahrene als eine Quelle
des Rates, der geehrt und respektiert wird.
Der Beginn eines Lebens in einem fremden Land ist gewöhnungsbedürftig. Mit
Sicherheit besteht ein großer Unterschied, ob ich als rüstiger Rentner oder
bereits pflegebedürftig nach Thailand komme. Woran sich alle gewöhnen müssen,
ist das Klima. Die Hitze macht manchen zu schaffen. Für die aktiven
Ruheständler kann die andere Lebensweise der heimischen Bevölkerung
problematisch sein. In Sachen Pünktlichkeit und Disziplin haben asiatische
Völker eine andere Einstellung als wir Europäer. Das bekommen vor allem Rentner
zu spüren, die zu Bauherren werden, weil sie eine Immobilie erworben haben.
Ansonsten vermissen die Neubürger wenig. Das Gesundheitswesen ist gut
ausgebaut. Die Lebensmittel sind sehr günstig und die Auswahl auf den Märkten
groß. An Freizeitangeboten fehlt es auch nicht.
Die Behandlung von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, gibt Zeugnis vom
Respekt, den die Thais behinderten älteren Menschen entgegen bringen.
In Thailand gibt es keine Pflegeheime. Die Alten gehören ganz selbstverständlich
zur Familie. Und so werden auch die Senioren aus Deutschland angenommen,
gepflegt und versorgt. Drei Pflegerinnen betreuen einen Demenzkranken rund um
die Uhr.
Erstaunlich ist, dass es kaum Verständnisschwierigkeiten gibt. Der herzliche
Umgang miteinander baut Brücken.
Die Einrichtungen liegen mitten in den Wohngebieten. Eine Abgrenzung gibt es
nicht. Die Patienten nehmen am öffentlichen Leben teil, besuchen Tempel, gehen
zum Einkaufen usw.
Inzwischen gibt es Einrichtungen, die von Deutschen gegründet wurden oder
betreut werden.
Obwohl die Pflegerinnen in Thailand als gut bezahlt gelten, ist der Aufenthalt
deutlich preisgünstiger als in einem deutschen Pflegeheim.
Ob es wünschenswert ist, dass unsere Altenheime sozusagen „ausgelagert“ werden sei
dahin gestellt. Gegenwärtig ist es auf jeden Fall eine Option zum Mangel an
Einrichtungen und ausgebildetem Personal in Deutschland.
Vielleicht wirkt sich das Beispiel der Einrichtungen in Thailand beispielgebend
auf unser Gesundheitssystem aus. Auf jeden Fall ist Kreativität im Ausbau
unserer Seniorenheime notwendig, damit Ältere und Alte in ihrer letzten
Lebensphase glückliche Stunden erleben dürfen.
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