von Roma Szczocarz
„Das Greisenalter, das alle zu erreichen wünschen, klagen alle an, wenn sie es
erreicht haben“. Cicero
Im Rahmen des Themas „Alter“ führte ich ein Interview mit Frau Genowefa aus der
Lodzer Universität für das dritte Lebensalter. Wir nehmen gemeinsam am Studium
der deutschen Sprache teil.
Geboren wurde sie am 29. Mai 1928 in Wielun als Tochter eines Bauern.
Meine Studienkollegin hat ein abgeschlossenes Pädagogikstudium an der
pädagogischen Fakultät der Krakauer Universität absolviert. Mehr als fünf
Jahrzehnte war sie im Schulbereich der Stadt Lodz beschäftigt.
Seit zehn Jahren ist sie Witwe und wohnt allein, aber nicht einsam. Genowefa
hat mir gesagt: Allein sein, heißt nicht immer einsam sein.
Oft sagt sie: „Zur Zeit fühle ich mich nicht zu alt, um etwas Gutes und
Notwendiges zu tun. Meine Teilnahme an den verschiedenen, ehrenamtlichen Tätigkeiten
macht nicht nur mir Freude, sondern auch Anderen“.
Sie ist bekannt dafür, dass sie die herzlichen und freundschaftlichen Kontakte
dauerhaft zu pflegen vermag.
Auch dafür, dass sie gern viele touristische Ausflüge macht. Weil sie
kontaktfreudig ist, kann sie während der Reisen und Ausflüge nicht nur die
europäischen Sehenswürdigkeiten bestaunen, sondern auch neue Menschen
kennenlernen.
Ihre ehrenamtliche Arbeit bei der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ kann man als ein gutes Beispiel im Ehrenamt beschreiben. Frau Genowefa wurde selbst mit ihren Eltern und Geschwistern aus dem Familiendorf nach Schlesien - Kreis Strehlen vertrieben. Heute hat die ehemalige Zwangsarbeiterin ein gutes Verständnis für die Probleme der damals Vertriebenen. Darum arbeitet sie seit der Gründung der Stiftung als ehrenamtliche Mitarbeiterin. Sehr oft brauchen die ehemaligen Zwangsarbeiter/innen ihre Hilfe und Unterstützung, wenn ein Dokument gesucht oder eine Dokumentation ergänzt werden muss. Sie gibt Hilfestellung bei den schriftlichen Kontakten zu deutschen Archiven, usw. Aber auch die soziale Hilfe gehört dazu. Im Rahmen ihres Engagements hat Frau Genowefa erfolgreich vielen Leuten geholfen.
Sie organisiert mit den Mitgliedern der Stiftung die Treffen im Rahmen der
zahlreichen Projekte:
„Alt und Jung“ - Schüler besuchen den Sitz der Stiftung, um die Geschichte des
2. Weltkriegs kennenzulernen.
„Wieder aus der Vergessenheit“ - Interviewprojekt mit dem Osteuropa-Institut
Berlin.
Neulich hat mir Frau Genowefa gesagt, dass es jetzt nicht um Schuld oder
Unschuld gehe, sondern um Zukunft.
Ihre Freude daran, Anderen Hilfestellung geben zu können und auch ihre eigene
Teilnahme an der Universität des 3. Lebensalters sowie eine positive
Lebenseinstellung macht ihr das “Älterwerden“ wirklich leicht. Durch diese
Aktivitäten fühlt sie sich sehr wohl.
Im Bewusstsein dessen, dass viele Leute nicht so viel Glück erfahren, wie sie,
regt sie an, ihr Ehrenamt trotz des Alters fortzusetzen.
Ausspruch von Schopenhauer:
Vom Standpunkt der Jugend aus gesehn, ist das Leben
eine unendlich lange Zukunft; vom Standpunkt des Alters aus, eine sehr kurze
Vergangenheit.
Bilder: Roma Szczocarz
Kommentare
Kommentar von carmen_ulm | 14.01.2012
Liebe Roma, danke für deinen Artikel aus Lodz. Es macht Mut, hochbetagte Frauen kennen zu lernen (oder über sie zu hören), die sich und ihre Fähigkeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten in gesellschaftliche Aufgaben einbringen, wie es Frau Genowefa tut, und die Einstellung haben, nicht sich und die eigene Befindlichkeit /Einschränkungen in den Mittelpunkt zu stellen, sondern den Kontakt zu den anderen und gesellschaftliche Teilhabe. Ältere haben Jüngeren so viel zu sagen und können noch vieles mit ihnen teilen , auch das Gefühl für Verantwortung für die Zukunft, dein Beispiel zeigt es.