von Hildegard Neufeld
Durch die Beschreibung und Darstellung des Alters und alter Menschen in den
Medien, aber auch durch Annahmen und Vorstellungen sowie persönliche Kontakte
entstehen Altersbilder, die einen prägenden Einfluss auf die Lebenssituation
alter Menschen ausüben.
Es ist von großer Bedeutung, wie alte Menschen in den Medien dargestellt und
welche Rollen ihnen zugeschrieben werden, welche Aufgaben sie wahrnehmen und
wie sie ihr Leben gestalten. In einer Zeit, in der das Zusammenleben
verschiedener Generationen, der Jungen und Alten, der Berufstätigen und
Ruheständler seltener geworden ist, werden Altersbilder in einem hohen Maße
durch die Medien, wie Fernsehen, Rundfunk und Internet, Zeitungen und
Zeitschriften, aber auch durch die Literatur geprägt.
Durch die Darstellungen des Alters und die Berichterstattung über alte Menschen
entstehen Altersbilder, die von den jüngeren und älteren Lesern, Hörern,
Zuschauern und Internetsurfern wahrgenommen und umgesetzt werden. So entstehen
Selbstbilder und Fremdbilder, persönliche und gesellschaftliche Bilder des
Alters.
Altersbilder, die durch Beiträge in den Medien vermittelt werden, entsprechen
nicht immer der Wirklichkeit. Dennoch ist es wichtig, sich mit ihnen zu
befassen, weil sie das Verhalten gegenüber alten Menschen und auch, wie bereits
bemerkt, ihr Erleben und Handeln beeinflussen können.
Haben sich Altersbilder, Altersstereotypen erst einmal gefestigt, so sind sie
schwer zu ändern oder zu korrigieren, auch wenn sie durch die Realität
widerlegt werden. Lange Zeit war beispielsweise der oder auch die arme,
hinfällige Alte Prototyp der alten Menschen in den Medien. Inzwischen hat er
mehrheitlich anderen Bildern, anderen Darstellungen Platz gemacht.
Das ursprünglich überwiegend negative Altersbild in den Medien hat inzwischen einem anderen, einem positiveren Bild Platz gemacht. Wissenschaftler geben allerdings zu bedenken, dass ein negatives Altersbild nicht immer so ungünstig ist. Ein negatives Altersbild kann durchaus positive Konsequenzen haben, wenn dadurch beispielsweise vorhandener Hilfebedarf aufgezeigt und damit auch befriedigt werden kann. Ein positives Altersbild, wie beispielsweise der gut situierte Rentner oder Pensionär, der uns wiederholt in der Konsumwerbung begegnet, wird dies kaum bewirken. Aber dieses Bild trägt vielleicht dazu bei, den Konsum und den Umsatz zu steigern, und wenn man an die volkswirtschaftlichen Konsequenzen denkt, ist ein solch positives Altersbild durchaus zu begrüßen.
Ein ausschließlich positives Altersbild wäre allerdings wirklichkeitsfremd,
denn unser ganzes Leben ist durch Höhen und Tiefen, durch ein Auf und Ab, durch
Einbrüche, Umbrüche und auch durch neue Aufbrüche gekennzeichnet, die sich in
den einzelnen Lebensbildern widerspiegeln. Soweit diese von den Medien
aufgegriffen werden, sollten sie die Realität widerspiegeln. Und dies betrifft
vor allem das Bild der älteren und alten Menschen, denn das Alter wird heute
anders als in früheren Generationen erlebt, und es wird geprägt durch neue
Möglichkeiten und Chancen, aber auch durch veränderte Herausforderungen und
Bedingungen.
Ein realistisches Altersbild zu zeichnen, zu verbreiten und zu dokumentieren
ist nicht nur eine Herausforderung für die Medien, sondern eine wichtige
Aufgabe, der sich aufmerksame und verantwortungsbewusste Journalisten auch
bereits gestellt haben.
Der Sechste Altenbericht mit dem Titel „Altersbilder in der Gesellschaft“ macht
deutlich, dass die dominierenden Altersbilder in den zentralen Bereichen der
Gesellschaft, wie der Arbeitswelt, der Bildung, der Wirtschaft und Politik, beim
Engagement oder der medizinischen und pflegerischen Versorgung, der Vielfalt
des Alters häufig nicht gerecht werden.
„Kein Lebensabschnitt ist so vielfältig wie das Alter“, sagte die
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bei der Vorstellung des Sechsten
Altenberichts und forderte zugleich: „Wir müssen ein realistisches und
differenziertes Bild vom Alter zeichnen. Oft wird übersehen, dass wir in der
Phase zwischen 65 und 85 Jahren einen historisch neuen Lebensabschnitt
geschenkt bekommen haben. Die meisten Menschen erleben diesen Abschnitt nicht
in Krankheit und Gebrechlichkeit, sondern aktiv und gesund“.
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