Waschbrett, Plumpsklo und Co.

von Hildegard Schwemer
 
Was hat sich in den letzten 60 bis 70 Jahren verändert? Ich denke, die Veränderungen sind mit denen  zu vergleichen, die die Erfindung des Motors uns gebracht hat. Man stelle sich ein Leben  ohne all die technischen Geräte vor, die uns heute selbstverständlich sind!

Ohne Fernseher geht gar nichts

Ohne technische Geräte zu leben, damit hätten wohl vor allem die jüngeren
Menschen Schwierigkeiten. Viele Ältere in Deutschland leben sehr gut und zufrieden ohne Spül- und Kaffeemaschine, Computer und Handy. Auf den Fernseher allerdings würden die wenigstens gern verzichten. Er bringt uns die Welt in unsere Wohnzimmer mit Nachrichten und Dokumentationen und unterhält uns mit einer riesigen Auswahl an Filmen jeder Geschmacksrichtung.
Aber wie wäre es ohne Waschmaschine, ohne Toilette mit Wasserspülung, ohne Dusche, ohne Warmwasserboiler, ohne Kaffee- und Küchenmaschine?

Reinigung und mehr

Unsere Familie hat 1945 einen Zeitsprung rückwärts erlebt, als wir vor den Russen aus Eberwalde nach Rendsburg in Schleswig-Holstein geflüchtet waren. Dort fanden wir bei meiner Tante statt der gewohnten Toilette ein sogenanntes Plumpsklo vor. Es war in einem Gartenhaus untergebracht, das auch die Waschküche beherbergte. Als Toilettenpapier diente uns Zeitungspapier, das in kleine Stücke geschnitten und  dann aufgefädelt wurde. Einmal in der Woche kam der Kübelwagen mit den Kübelmännern, die die vollen Eimer abholten. Nachts benutzte man einen Nachttopf, um sich den Gang zum Gartenhaus zu ersparen.
Zum Waschen gab es eine Blechschüssel mit kaltem Wasser. Nur am Samstag machte meine Mutter in einem Topf auf dem Gasherd Wasser warm, damit die Körperwäsche etwas gründlicher ausfiel. Ich kann mich auch auf eine Badewanne in einem öffentlichen Bad erinnern, in der wir zu mehreren Kindern hintereinander abgeseift wurden. Aber dieses Vergnügen wurde uns nur selten zuteil, wahrscheinlich aus finanziellen Gründen.

Wäsche waschen

Die „große Wäsche“ fand in der Waschküche statt. Ein riesiger Kessel mit Wasser wurde auf dem Feuer erhitzt und die Kochwäsche hineingetan und öfters umgerührt. Schmutzflecken entfernte man auf einem Waschbrett, einem wellenförmigen Metallbrett. Passte man nicht auf, waren die Hände dabei schnell aufgescheuert. Nun folgte das Spülen in eiskaltem Wasser mit einem Wäschestampfer. Ein Problem war das Auswringen der großen Wäschestücke. Am besten ging es zu zweit. Später hatten wir eine elektrische Schleuder. Sie zu füllen erforderte großes Geschick und Erfahrung, jede Unwucht brachte das Gerät zum Schwanken. Beim Trocknen der Wäsche war es von Vorteil, wenn man auf dem Lande wohnte. Dort konnte man die weiße Wäsche auf der „Bleiche“, einer großen Wiese ausbreiten und von der Sonne bescheinen lassen, damit sie schön weiß blieb.

Glätten der Wäsche

Die nächste Station für Bettwäsche und Tischtücher war die Mangel. Sie bestand aus zwei breiten Rollen, durch die die Wäschestücke hindurchgerollt wurden. Wehe, wenn man nicht aufpasste, und ein Finger zwischen die Rollen geriet! Auch diese Arbeit konnte man nur zu zweit schaffen, denn einer musste die Kurbel drehen. Zum Schluss wurden die Wäschestücke zu zweit nach einem bestimmten Ritual gereckt, das heißt auseinander gezogen und danach zusammengefaltet. Nun war es wieder mal geschafft.
Die Hände sahen allerdings schlimm aus und schafften es kaum, sich bis zum nächsten Waschtag wieder zu erholen, zumal sie ja durch den täglichen Abwasch von  Geschirr – mehrmals täglich, je nach Familiengröße – weiter durch das damals aggressive Spülmittel strapaziert wurden.

Vom Telefonieren

Telefonieren konnte man damals schon, aber längst nicht alle Familien konnten es sich leisten. Beim Telefonieren innerhalb des selben Ortes wählte man einfach eine Nummer und schon war man verbunden. Zu anderen Orten klappte das nicht so leicht. Die Telefonkabel verliefen damals noch nicht unterirdisch wie heute. Als wir 1967 nach Thalfingen gezogen waren und ein Telefon beantragten, musste ein neues Kabel extra bis zu unserem Haus gelegt werden.

Die Technik steigert unsere Lebensqualität

Ich trauere den alten Zeiten nicht nach, bin froh über die technischen Errungenschaften, die sich heute fast jeder leisten kann. Sie ermöglichen uns ein bequemeres Leben, und wir können die Zeit für Dinge nutzen, die uns Freude machen.

Kommentare

Kommentar von Beate Braun |

Plumpsklo, Wäschewaschen, Baden in Zubern, anzuheizende Öfen, Eisblumen an den Fenstern! Wer das nicht erlebt kann, kann den Fortschritt nicht so würdigen wie wir.
Ich bin froh, all dem seit ca. 1955 entronnen zu sein (wir lebten in einem 280-Seelen-Dorf).

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