Rundfunkgeräte

von Bernhard Bräuer

Heutzutage haben wir die Auswahl unter etwa 15.000 Hörfunksendern, deren Informationen wir klar und deutlich hören können; allein über die Internetseite der ARD sind es 61, darunter so ausgefallene wie Jumo, Sputnik oder Fritz.

So fing es bei mir an

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1937 war mein erstes Gerät zum Empfang von Rundfunksendungen ein ”Detektor“, mit dem man ohne Energie aus Batterien oder dem Lichtnetz, wie das Stromnetz damals hieß, die Sendungen hören konnte. Allerdings nur mit dem Kopfhörer. Man benötigte dazu eine “Hochantenne”, die bei uns zwischen dem Schornstein des Hauses und einem großen Birnbaum gespannt war, und eine “gute Erde”. Der Detektor bestand aus einer Spule und einem Bleikristall, auf dem man mit einem spitzen Stahldraht eine Stelle finden musste, welche das Hochfrequenzsignal eines nahe gelegenen Rundfunksenders hörbar machte. Das war immer eine frustrierende Angelegenheit, bei der man viel Geduld aufbringen musste. 
Wollten auch die Familienmitglieder an einer Rundfunksendung teilnehmen, glückte das nur, wenn ein Kopfhörer auf einen Blech- oder Porzellanteller in die Tischmitte gelegt wurde. Die Zuhörer mussten um den Tisch herum sitzen und sich mucksmäuschenstill verhalten, um die blecherne, krächzende Übertragung zu hören.
Es war natürlich sehr befriedigend für einen Jungen von acht Jahren, einen „Rundfunkempfänger“ gebastelt zu haben.

Mit Batterien

Zu dieser Zeit hatten auch noch zahlreiche Haushalte Batterieempfänger. Diese benötigten zum Betrieb Anodenbatterien, die sehr teuer waren und für die Röhrenheizung einen Akkumulator (Akku). Viele dieser Geräte waren mit blechernen Trichterlautsprechern ausgerüstet, mit entsprechender Klangqualität. Zum Stadtbild der kleinen Industrie- und Handelsstadt, die schon seit 1902 ein Elektrizitäts- und Gaswerk hatte, gehörte, dass man die an einem Lederriemen befestigten schweren Akkus zum Aufladen ins Elektrizitätswerk schleppte und wieder abholte. Aber es war sehr billig, die Akkus dort aufladen zu lassen, da dort der dazu benötigte Gleichstrom erzeugt wurde.

Nun mit Röhren

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Nachdem die Röhrengeräte die Detektorgeräte verdrängt hatten, bekamen die Geräte neue Gehäuse, Musikmöbel wurden angeboten und aus Edelholz gefertigte Radiogehäuse.
Zu jedem Stadtbild gehörten Antennen über den Dächern der Häuser und von Haus zu Haus. Auch waren gute Erdverbindungen wichtig, besonders um ferne Sender empfangen zu können. Die wurden vom Fachmann meistens durch einen Anschluss an die Wasserleitung, die zu dieser Zeit aus Metallrohren bestand, erstellt. Nicht selten kam es aber vor, dass die Erdleitungen der Rundfunkeigentümer in einem Blumentopf endeten…
Der Rundfunk diente der Kulturförderung, wurde aber in den 40er Jahren in großem Umfang und weltweit ein Propagandainstrument. Nach der Einführung des Drahtfunks dann ein Mittel, die Bevölkerung vor einfliegenden Bomberverbänden zu warnen. Die englische BBC nutzte den Rundfunk zur Gegenpropaganda.

Und so sieht es heute aus

Mit der Anwendung neuer Technologien und Rohstoffe haben sich Rundfunkgeräte von Möbel- und Dekorationsgegenständen und umweltunfreundlichen Empfangsantennen, in kleine, praktische, energieeffiziente Geräte gewandelt. Sender- und Empfängertechnik, digitale und Online-Systeme  ermöglichen es, jederzeit tausende von Rundfunksendungen weltweit störungsfrei und mit ausgezeichneter Tonqualität zu empfangen.
Während man vor siebzig Jahren Mühe hatte, einen Rundfunksender klar zu empfangen, können wir jetzt mühelos und klar 15.000 Sender weltweit genießen.

Kommentare

Kommentar von Beate Braun |

Mein Vater hatte ein Radiogeschäft mit "Tonstudio" seit ungefähr 1936. Ich kann mich nur an Röhrenradios erinnern (bin 1938 geboren), und da mein Vater im Krieg war, hat er das Geschäft erst 1947 wiedereröffnet.
Was aber enorm wichtig war, man konnte auch schon Tonaufnahmen machen. Es wurden Schallplatten "geritzt" - und wenn man sie später abhörte, waren Gespräche oder Gesänge sehr "zerkratzt" hörbar. Aber es waren die ersten Anfänge, wo sich auch Laien auf einer Schallplatte verewigen konnten. In Neuwied war vor dem Krieg eine Brücke über den Rhein gebaut worden, die Göbbels mit einer Rede eingeweiht hat. Diese Rede hat mein Vater aufgenommen und auf einer Schallplatte verewigt. Diese Schallplatte ist ihm nach dem Krieg in der Zeit der französischen Besatzung zum Verhängnis geworden. Er musste für mehrere Monate ins Gefängnis.

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