Valentina Tereschkova – die erste Frau im All

Von Maja Prée

1963 flog die erste Frau ins All. Wenn es auch zum großen Teil das Ergebnis des Wettkampfes zwischen zwei Weltsystemen war, war es auch ein Stück mehr Gleichberechtigung für uns Frauen.

Andere Zeiten

1963, als Valentina Tereschkova als erste Frau in den Weltraum flog, war ich noch keine 9 Jahre alt. Digitale Medien die diese Information in dem Umfang wie heute hätten verbreiten können, gab es noch nicht. Zeitung und Rundfunk waren die überwiegenden kommunikativen Medien. Fernseher gab es erst nur wenige. Gesprochen wurde darüber in der Familie, auf Arbeit oder wie in meinem Fall auch in der Schule. Natürlich gab es allgemeine Begeisterung. Das alles passte aber auch zu dem Gefühl, welches wir Mädchen hatten. Wir können (fast) alles erreichen, wenn wir nur wollen.

Valentina Tereschkowa – die erste Kosmonautin

Geboren wurde Valentina Tereschkowa am 6. März 1937 in dem Dorf Maslennikow, in der Nähe von Jaroslawl. (gelegen in Zentralrussland). Sicher war sie in ihrer Kindheit ebenso ein ganz normales Mädchen wie wir alle. Und sie hatte wie viele den Traum, dem Himmel nahe zu sein. Wesentlichen Einfluss auf ihr Leben hatte, dass sie in dem Land aufwuchs, welches als erstes einen Satelliten auf eine Erdumlaufbahn schickte, später den ersten Menschen und… dann sie, Valentina Tereschkowa, die erste Frau.

Ihr Weg zum Ziel

Valentina Tereschkowa arbeitete zuerst in einer Reifenfabrik und später als Zuschneiderin in einer Textilfabrik. Sie suchte ihren Bildungsweg und erreichte 1960 in der Abendschule ein Technikdiplom. Sportlich beschäftigte sie sich damals mit Fallschirmspringen. 1962 bewarb sie sich bei der damaligen Raumfahrtbehörde Glawkosmos. Zusammen mit fünf weiteren Frauen kam sie in das von Nikita Chruschtchov ins Leben gerufene „Frauen im Weltraum Programm“. Sie war im Ergebnis, die einzige die alle Eignungsprüfungen für den Start in den Weltraum erfolgreich bestand oder vielleicht auch aus politischen Gründen für diesen Flug ausgewählt wurde?

Respekt vor der Leistung

Damals wurde in den Medien ausführlich informiert, welch anstrengenden Tests und Prüfungen die angehenden Kosmonauten unterzogen wurden. Sportlich mussten sie sein und viel wissen. Umso größer war unser Respekt vor diesen Menschen die dann den Flug in das Weltall antreten durften. Und wir waren begeistert, wenn wir die Gelegenheit bekamen, Menschen wie Valentina bei einem Besuch in unserem Land nahe zu kommen. Ihr herzliches Lächeln und ihre Freundlichkeit taten das übrige hinzu. Die Menschen säumten die Straßenränder um sie zu sehen und jubelten ihr zu.

Viele Frauen folgten auf dem Weg ins All

Bis heute sind Valentina Tereschkova circa 60 Frauen auf dem Flug ins Weltall gefolgt. Kein Vergleich mit der Anzahl an männlichen Kosmonauten/Astronauten. Aber ein deutliches Zeichen, dass auch wir Frauen diese Leistung gleichermaßen vollbringen können.

Gleichberechtigung

Geboren im Jahr 1954 in der DDR wuchs ich in dem Gefühl auf, fast alles erreichen zu können. Für mich gab es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Berufstätigkeit. Wir Mädchen wurden ebenso an die Technik herangeführt wie die Jungs und in Schule und der Ausbildung gab es keine wesentlichen Unterschiede, wenn wir uns für einen Beruf entschieden hatten.

Natürlich war es nicht immer leicht Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Aber wir hatten gelernt, zu improvisieren und wir halfen uns gegenseitig. Wir Frauen konnten unseren Weg von Anfang im Berufsleben selbstständig gehen. Mussten nicht unsere Männer um Erlaubnis fragen, um arbeiten zu dürfen. Ein Sachverhalt der mir heute noch suspekt ist, wenn ich meinen Mann um Erlaubnis hätte fragen müssen. Ebenso war es für mich selbstverständlich ökonomische Fragen alleine entschieden zu können.

Rückblick

Heute stellt sich natürlich vieles anders dar, als wie wir es damals wahrnahmen. Aus Propagandagründen wollte die Sowjetunion die erste Frau ins All bringen. In Zeiten des Kalten Krieges war der Flug der ersten Frau in den All ein „Sieg des Sozialismus“. Unbestritten ist dennoch die Leistung. In 71 Stunden umkreiste die erste Kosmonautin 49-mal die Erde. Als Verpflegung soll es Brot und Zwiebeln gegeben haben. Technische Probleme machten eine Landung der Kapsel unmöglich. So katapultierte sie sich in 7 km aus der Kapsel und landete mit dem Fallschirm in der Nähe von Nowosibirsk.

Für uns war diese Frau etwas Besonderes. Viele Jahre hatte sie sich in der internationalen Frauenbewegung engagiert und ihr Land, die Sowjetunion in Frauenorganisationen vertreten. Sie hatte durch extreme persönliche Leistungen etwas Besonderes erreicht. Dafür bekam sie die Anerkennung vieler Menschen. Und sie ebnete den Weg für die Frauen, die viele Jahre nach ihr in den  Weltraum flogen und dort ebenfalls hervorragende Leistungen vollbrachten.

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