Heldinnen der Lüfte

Von Anne Pöttgen

Käthe, Amelia, Hélène, Hanna, Elly und Jerrie, das sind einige der Namen der frühen "Heldinnen der Lüfte", wie sie zu ihrer Zeit genannt wurden. Mit ihren vollen Namen sind sie noch heute weltbekannt.

Technik und Mut – nur Männersache?

Heißluftballon
Heißluftballon

Möglicherweise dachte man(n) um 1900 so. Nur die Frauen selbst waren anderer Meinung.

Diese zwei Dinge vereinte gleich eine der allerersten Luftikusse in sich: Käthe, Käthchen Paulus. Einerseits reichte sie Patente ein, andererseits machte sie aus ihren Ballonfahrten Jahrmarktssensationen in ganz Europa, ihr „Künstlername“: Miss Polly. In wechselnden Kostümen und Posen schwebte sie in ihrem Ballon dahin. Sie verkaufte ihren Auftritt als Luftakrobatin äußerst erfolgreich. Der Höhe- und Endpunkt jeder Darbietung war der Fallschirmsprung, zum ersten Mal 1893.

Käthe Paulus erfand den zusammenlegbaren Fallschirm, und ihr erlernter Beruf als Näherin brachte sie im Ersten Weltkrieg dazu, eine Ballon- und Fallschirmproduktion für die Armee aufzubauen. Mehr und mehr wurden zu Aufklärungszwecken Ballons benutzt, und als mit ihren Fallschirmen gleich zwanzig Aufklärer vor Verdun gerettet wurden, erhielt sie sogar von Kaiser Wilhelm II. eine Auszeichnung.

Eine Ausbildung zur Pilotin hatte sie begonnen aber nicht fortgeführt.

So fing es an

Hélène Dutrieu
Hélène Dutrieu

In Amerika hob zur gleichen Zeit eine der ersten flyingbirdsofaviation ab. 1910 ging Blanche Stuart Scott, gekleidet in eine beeindruckende Pumphose, als erste Amerikanerin allein in die Luft. Offiziell anerkannt ist diese Leistung leider nicht.

Im gleichen Jahr erwarb die Belgierin Hélène Dutrieu den Pilotenschein des Aéro Club de Belgique. Sie erregte große Aufmerksamkeit mit einem Direktflug von Ostende nach Brügge, eine Entfernung von 45 km. Das war damals Weltrekord.

Sie war offensichtlich eine von den ganz Mutigen: Ihre Karriere begann sie als Radrenn- und Kunstradfahrerin. 1896 wurde sie sogar Weltmeisterin im Radrennfahren. Genau wie Käthchen Paulus trat sie auch als Varietékünstlerin auf, als Der fliegende Pfeil.

Ein weiterer Name, der für ihren Wagemut spricht: Das Falkenmädchen.

Hélène Dutrieu nahm auf direktere Weise am Ersten Weltkrieg teil, sie war Mitglied der Pariser Luftwache, die Paris vor den deutschen Flugzeugen und Luftschiffen schützen sollte.

Miss Lindy

Fünf Jahre nach Lindbergh war Amelia Earhart die erste Frau, die allein die Atlantiküberquerung wagte. Sie flog ab Neufundland und (not)landete bei Londonderry, Nordirland. Allerdings hatte sie schon 1928 den Atlantik überquert – als Passagierin. Sie wurde lange als der einzige Mensch gefeiert, der den Atlantik zwei Mal überquert hatte. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Lindberg wurde sie Miss Lindy genannt, eine unpassende Verniedlichung. Sie arbeitete als Lehrerin und als Sozialarbeiterin.

Mit sehr viel Arbeit hatte sie sich das Geld für den Erwerb des Pilotenscheins erspart. Schon nach einem halben Jahr war es soweit und sie konnte sich auch gleich ein eigenes Flugzeug kaufen. Das war 1921.

Den Atlantikflügen folgte 1935 ein Flug über den Pazifik – von Hawai nach Oakland.

Ein weiterer Glanzpunkt sollte 1937 eine Umrundung der Erde am Äquator sein. Aber dieses Abenteuer endete tödlich, westlich von Neu-Guinea riss der Funkkontakt mit ihr ab. Sie blieb verschollen, obwohl eine große Suchaktion gestartet wurde. Etwas Ähnliches haben wir gerade mit einer großen Passagiermaschine erlebt.

Elly Beinhorn

In den dreißiger Jahren macht Elly Beinhorn in Deutschland als Kunstfliegerin von sich reden. Sie vollbrachte bereits 1932 eine Erdumrundung:

Ihre erste Etappe führte sie über Breslau, Belgrad und Sofia nach Istanbul. Weitere Stationen waren Bagdad, Delhi, Batavia (Djakarta), Darwin und Sydney. Die Strecke über den Pazifik war für ihre kleine Maschine zu gefährlich und so fuhr sie bis nach Panama mit dem Schiff.

Die Flugstrecke entlang der südamerikanischen Westküste war mit allerhand Hindernissen verbunden, von Santiago aus waren die Anden in 4.800 m Höhe zu überwinden und weiter ging es nach Buenos Aires und Rio de Janeiro. Auch über den Atlantik ging es per Schiff nach Bremerhaven. Die Reise dauerte vom 4. Dezember 1931 bis zum 26. Juli 1932. Bei allen Landungen wurde Elly Beinhorn begeistert begrüßt und gefeiert.

Elly Beinhorn war nun berühmt und konnte ohne die vorherigen finanziellen Schwierigkeiten weitere Langstreckenflüge planen. Sie flog eine Klemm I32, etwas, das man wohl auch damals als Blechkiste bezeichnete.

Elly Beinhorn ist hundertjährig 2007 gestorben, immer noch weltberühmt.

Rekorde

Harriet Quimby
Harriet Quimby

Die erste komplette Weltumrundung einer Frau gelang Geraldine Jerrie Mock. Allerdings erst im Jahre 1964. Der Name ihres Flugzeugs war bezeichnenderweise Spirit of Columbus. Natürlich waren Zwischenlandungen erforderlich, der gesamte Flug dauerte 29 Tage, 11 Stunden und 59 Minuten. Start und Ziel: Columbus, Ohio.

Als schnellste Frau der Welt galt Zeit ihres Lebens Jacqueline Cochran, sie stellte 58 Weltrekorde auf. Offizielle Anerkennung bedeutete die Ernennung zur Präsidentin der Fédération Aeronautique International.

Zwischen 1961 und 1964 hielten allerdings die zwei Jacquelines den Titel schnellste Frau der Welt gemeinsam. Die zweite war Jacqueline Auriol, die als erste Frau die Schallmauer durchbrach.

Als Sprinterin am Firmament feierte Frankreich Maryse Bastié. Sie erwarb 1928 als erste Frau den Führerschein für Passagierflugzeuge. Sie stellte insgesamt 58 Flugrekorde auf.

Harriet Quimby erhielt als erste Frau einen Flugschein, das war 1911. Sie war die erste Frau, die von Dover nach Calais flog, im April 1912. Drei Monate später wurde sie bei einem Kunstflug aus dem Flugzeug geschleudert und starb.

Die „Puderquastenrennen“

Zeichnung Andre Huppertz,by-sa
Zeichnung Andre Huppertz,by-sa

Eigentlich war der Ausdruck abwertend gemeint, aber auch die männlichen Flieger mussten die Leistungen ihren weiblichen Konkurrentinnen anerkennen.

Das weltweit erste weibliche Luft“rennen“, das Powder Puff Derby, fand im August 1929 statt und führte von Santa Monica, Kalifornien, nach Cleveland, Ohio. Die Entfernung wird mit 4.500 Kilometern angegeben, aufgeteilt in Etappen von je 500 Kilometern. Es nahmen 18 Amerikanerinnen und zwei Ausländerinnen teil, darunter eine Deutsche, Thea Rasche. Nicht alle erreichten das Ziel. Auch die berühmte Amelia Earhart nahm an dem Rennen teil, sie erreichte Platz drei.

Die Pilotinnen selbst nannten ihr Rennen Womens Air Derby und gründeten im Anschluss an das erste eine Pilotinnen-Organisation, den Club der NinetyNines. Die Rennen wurden sporadisch bis 1977 weiter geführt, und der Name Puderquastenrennen wurde auch von den Pilotinnen akzeptiert.

Die Rennen waren kein nüchterner sportlicher Wettbewerb, an den einzelnen Landeplätzen gab es jubelnde Zuschauer und rauschende Feste. Sponsoren zahlten gern für diese Werbung.

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