Frauenstudium im Wandel

Von Hildegard Neufeld

Als ich 1952 mein Studium an der Universität in Münster begann, teilte ich den Hörsaal mit fünf Studentinnen und mehr als fünfzig männlichen Studenten. Die Diplomprüfung im Jahre 1956 bestand ich zusammen mit 30 Kommilitonen als einzige Diplom-Volkswirtin.

Frauen an deutschen Universitäten

Bereits 1379 entstand in Erfurt die erste Universität auf dem Boden der heutigen Bundesrepublik. Doch erst mehr als 500 Jahre später, Ende des 19. Jahrhunderts, wurden Frauen – nach Jahrhunderten der Ausgrenzung – durch Ausnahmeregelungen als Gasthörerinnen und ab 1900 auch als ordentliche Studentinnen an deutschen Universitäten zugelassen.

Der Anteil der Studentinnen blieb jedoch vorerst gering. Erst vor einem knappen Jahrzehnt erreichte die Zahl der Frauen an deutschen Universitäten annähernd die 50-Prozent-Marke. Inzwischen gibt es sogar einen leicht erhöhten Frauenanteil Studienberechtigter, und studierende Frauen sind in Deutschland zur Selbstverständlichkeit geworden.

Frauenanteile gestiegen

Im Jahre 2003 haben mehr Frauen als jemals zuvor ein Studium an einer deutschen Hochschule abgeschlossen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beendeten damals insgesamt 105.600 Studentinnen ihr Studium erfolgreich. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete das eine Steigerung von 7,6 Prozent. 20 Jahre zuvor waren es nur die Hälfte gewesen. Unter den deutschen Hochschulabsolventen haben die Frauen mittlerweile einen Anteil von fast 50 Prozent erreicht.

Frauenstudiengänge – Initiative gegen Fachkräftemangel

Noch immer studieren – gemessen an den Wünschen der Wirtschaft – zu wenig Frauen ein technisches oder mathematisch-naturwissenschaftliches Fach, schreibt „Die Welt“ in einem Beitrag vom 26.10.2013.

Schon seit Jahren beklagt die deutsche Wirtschaft einen zunehmenden Fachkräftemangel. Besonders Informatiker und Ingenieure sind gesuchte Fachkräfte, und in vielen Bereichen fehlt der Nachwuchs. Damit sich mehr Frauen für ein technisches oder mathematisch-naturwissenschaftliches Studium entscheiden, bieten inzwischen fünf Universitäten entsprechende Studiengänge ausschließlich für Frauen an: drei in Informatik und Wirtschaftsinformatik, zwei in Wirtschaftsingenieurwesen.

Folgende Hochschulen bieten Frauenstudiengänge in einem MINT-Fach an:

  • die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin
  • die Hochschule Bremen
  • die Hochschule Furtwangen
  • die die Fachhochschule Stralsund
  • die Jade-Hochschule Wilhelmshaven

Was sind MINT-Fächer?

Der Begriff MINT-Fächer ist als eine zusammenfassende Bezeichnung von Unterrichts- und Studienfächern sowie Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Technik und Naturwissenschaft zu verstehen.

MINT-Akademiker sind männliche oder weibliche Personen, die einen Studiengang in technisch-naturwissenschaftlichen Hauptfachrichtungen an einer Universität, Hochschule oder Fachhochschule erfolgreich abgeschlossen haben.

Warum Studiengänge nur für Frauen?

Das Auffallendste an einem solchen  Studiengang ist sicherlich die Einschränkung „Nur für Frauen“. Warum zurück zum mono-edukativen Unterricht, werden einige fragen. Die Antwort ist vielschichtig, wie die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Berlin, in einem Einblick ins Studium ausführt:

"In technischen Studiengängen ist der Frauenanteil oft sehr gering. Das schreckt manche junge talentierte Frau ab, obwohl sie von ihrer Neigung oder ihren Interessen gut für das Studium geeignet wäre und sicherlich Spaß und Erfolg hätte. Bei der Informatik kommt hinzu, dass bei den Kommilitonen ein großer Wissensvorsprung vermutet wird, dem sich Frauen nicht aussetzen wollen.

Ein Frauenstudiengang ist dann besonders sinnvoll, wenn er auch den Lebensumständen von jungen Müttern entgegenkommt. An der HTW Berlin ist ein Studium mit Kind möglich. Die Präsensveranstaltungen finden nicht vor 9.00 Uhr und nicht nach 16.00 Uhr statt, so dass eine Betreuung der Kinder rund um Kita und Schule möglich ist. Außerdem werden die Präsenszeiten durch vermehrtes E-Learning und Blockveranstaltungen reduziert."

Aus dem Bericht des MINT-Portals

In den Nachrichten des MINT-Portals vom 24.05.2014 wird darauf hingewiesen, dass weibliche MINT-Fachkräfte weiter stark gefragt sind – mit steigender Tendenz. Der Wohlstand unseres Landes und die Finanzierung der Sozialsysteme hängen heute mehr denn je von unserer Fähigkeit ab, qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln. Doch es fehlt an weiblichem Nachwuchs, und durch die demographische Entwicklung und strukturelle Veränderung der Berufswelt hin zu wissensintensiven Dienstleistungsberufen wird der Mangel an qualifizierten MINT-Fachkräften immer größer.

Es fehlen heute 130.500 MINT-Arbeitskräfte. MINT wird stark nachgefragt und dringend benötigt. Mit jeder fehlenden MINT-Arbeitskraft verliert Deutschland jährlich 230.000 Euro Wertschöpfung. Es sind also über 30 Milliarden Euro, die unsere Wirtschaft mehr leisten könnte.

MINT-Frauenanteil im Aufwind

Die Beschäftigungsentwicklung von MINT-Akademikerinnen zeigt im Vergleich zu ihren männlichen Pendants eine höhere Dynamik und hat dazu geführt, dass der Frauenanteil unter den erwerbstätigen MINT-Akademikern kontinuierlich gestiegen ist.

Nach dem MINT-Frühjahrsreport 2013 lag der Frauenanteil bei den Erstabsolventen in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften mit 40 Prozent im Jahr 2011 fast doppelt so hoch wie in den T-Fächern Ingenieurwissenschaften, die einen Anteil von 22,4 Prozent aufwiesen.

Kommentare

Zurück