Agatha Christi

Von Lore Wagener

Dame Agatha Mary Clarissa Christie, Lady Mallowan, so ist die Autorin in den Lexika verzeichnet. Der persönliche Adelstitel wurde ihr im Jahre 1971 von Elisabeth II. verliehen. Da war Agatha 81 Jahre alt.

Frühe Jahre

Die weltbekannte Krimi-Autorin wurde 1890 in England geboren. Ihre Mutter war Britin, ihr Vater ein reicher Amerikaner. Agatha war das dritte Kind des Ehepaares und wuchs als „höhere Tochter“ mit Nanny und Dienstpersonal auf einem englischen Landsitz auf. Für Mädchen gab es damals in England keine Schulpflicht. Agatha blieb daheim und wurde von ihrer Mutter unterrichtet. Sie erwies sich als begabt und konnte schon sehr früh lesen, interessierte sich aber auch für Rechenaufgaben. Als sie elf Jahre alt war, erschien das erste Gedicht von ihr in einem Lokalblatt. Im gleichen Jahr verstarb aber auch ihr Vater und die Familie musste auf Sparkurs umschalten. Dennoch ging Agatha mit siebzehn Jahren nach Paris zu einem Musikstudium, das sie aber bald wieder abbrach.

Ehejahre

Agatha geborene Miller heiratete 1914 den Fliegerleutnant Archibald Christie. Der war während des 1. Weltkrieges zu Fronteinsätzen abkommandiert, während Agatha in England als Apothekengehilfin in einem Lazarett arbeitete. Nach dem Krieg, im Jahre 1919, bekam das Ehepaar die Tochter Rosalind, was Agatha aber nicht davon abhielt, ihren Mann an seinen Standorten in den Kolonien zu besuchen. 1926 ging die Ehe aber auseinander, weil Archibald fremdging. Agatha unternahm nun alleine ihre großen Reisen. Unter anderem fuhr sie mit dem Orient-Express nach Bagdad und nach Ur, um die Ausgrabungen britischer Expeditionen zu beobachten. Bei einer solchen Reise lernte sie ihren zweiten Ehemann, den Archäologen Max Mallowan, kennen. Aus dem Erlös ihrer Bücher konnte sie diesem einige seiner Expeditionen finanzieren.

Die Tochter Rosalind aus Agathas erster Ehe heiratete 1939 Hubert Prichard und gebar 1943 Agathas einzigen Enkel Mathew Prichard. Hubert fiel im Krieg und Rosalind heiratete in zweiter Ehe 1949 Anthony Hicks.

Autorenkarriere

Als Karrierefrau hat Agatha Christie sich nie gesehen. Sie meinte: „Meine schriftstellerische Tätigkeit als Beruf aufzufassen, wäre mir lächerlich.“ Sie sah sich als Ehefrau, die nebenher Krimis schrieb, so wie andere Frauen Kissen bestickten oder Porzellan bemalten. Trotzdem oder gerade deswegen fanden ihre schriftstellerischen Erzeugnisse großen Zuspruch. Seit 1921 wurden weltweit gut vier Milliarden Exemplare ihrer Bücher verkauft. Agatha Christie war damit weltweit eine der erfolgreichsten Autorinnen. Als sie 1921 ihren ersten Kriminalroman veröffentlichte, war sie nur eine Autorin unter vielen. Damals herrschte ein regelrechter Krimi-Boom. Manche Historiker meinen, die 1920er Jahre seien das „goldene Zeitalter“ dieses Genres gewesen. Stark dazu beigetragen haben vermutlich Sir Arthur Conan Doyle und seine Sherlock-Holmes-Romane. Agatha hat diese in ihren Jugendjahren sicherlich gelesen. Bekannte Autorinnen der „Golden Age“ des Kriminalromans waren auch Dorothy Sayers oder Margery Allingham.

Kunstfiguren

Mit „Alibi“, ihrem vierten Roman, der sich um den fiktiven Privatermittler Hercule Poirot dreht, gelang der Autorin der große Durchbruch. Diese verzwickte Detektivgeschichte um Giftmorde war für die neugierigen Leser eine harte Nuss, wenn sie denn im Wettkampf mit der Autorin nach dem Täter fahnden wollten. Das war ungewöhnlich. Die zeitgenössische Presse war verblüfft, aber begeistert, und Agatha war plötzlich weltberühmt. Hercule Porto, der belgische Privatdetektiv, ermittelte in vielen Christie-Romanen mit Hilfe seiner scharfen Logik. Eine andere Kunstfigur war die Engländerin Miss Marple, eine begeisterte Hobby-Detektivin, die zuerst um 1930 in Agathas Kurzgeschichten auftauchte. Auch ihr widmete Agatha Christie eine ganze Krimi-Serie. Mit blühender Phantasie stattete Agatha ihre Kunstfiguren mit allerlei Erinnerungen und Eigenheiten aus. Sie wirkten so lebendig, dass man nun im Netz tatsächlich eine Art von Biografie dieser Figuren findet.

Bühnenstücke

Agatha Christie liebte das Geheimnisvolle und war eine Meisterin in der Kunst der Verschleierung. „Sie hat uns alle an der Nase herumgeführt“, sagte einmal bewundernd Dorothy Sayers. Mit ihren Theaterbearbeitungen konnte Agatha Christie auch das Theater- und Hörspielpublikum gewinnen. Sie schrieb mehrere erfolgreiche Bühnenstücke. 1947 strahlte die BBC ein halbstündiges Hörspiel von ihr mit dem Titel „Three Blind Mice“ aus. Daraus machte Agatha später das Bühnenstück „The Mousetrap“, das nun seit 1952 ununterbrochen in London aufgeführt wird und inzwischen zu den Sight-Seeing-Attraktionen zählt. Bis zum Jahr 2000 erlebte das Stück mehr als 20 000 Aufführungen. Es gilt als eines der erfolgreichsten Bühnenstücke.

Verfilmungen

Die interessanten Stoffe der Agatha Christie und deren raffinierte Durchführung lockten auch die Filmindustrie. Unter den zahlreichen Verfilmungen sind die vier Miss-Marple-Verfilmungen der britischen Schauspielerin Margaret Rutherford eine besondere Kostbarkeit. Rutherford spielte die liebenswürdige alte Dame mit dem  scharfen logischen Verstand und dem verblüffenden Instinkt sehr überzeugend. Rutherford erhielt dafür etliche Auszeichnungen. Deutsche Synchronstimmen dieser Verfilmungen waren übrigens Agnes Windeck und später Ursula Krieg.

Agatha Christie Ltd.

Agatha Christie starb 1976. Ihre Tochter Rosalind, die sich sehr um den Nachlass gekümmert hatte, ist im Jahre 2004 verstorben.
Mathew Prichard, der einzige Enkel der Autorin, führt heute den Vorsitz der englischen Gesellschaft „Agatha Christie Ltd.“. Diese Gesellschaft kümmert sich um die Vermarktung und auch um Neubearbeitungen ihres Werkes. Heute sind Computerspiele nach Agathas Vorlagen der Renner. „Mord im Orientexpress“ ist zum Beispiel bereits als Computerspiel auf dem Markt und macht auch jüngere Generationen zu Hobby-Detektiven.

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