Die Bildungsgewerkschaft GEW

von Erdmute Dietmann Beckert


„Wir fordern… eine Bildungsoffensive, in der sich Bund, Länder und Kommunen gemeinsam…dem Ziel bestmöglicher Bildung für alle widmen.“ (Ulrich Thöne zum 1. Mai 2013)

Gemeinsam für gute Bildung

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So heißt das Motto des Weltlehrertags am 5. Oktober 2013. Gewerkschaft –Erziehung und Wissenschaft unterstützt damit die Kampagne der Bildungsinternationalen. Die Gewerkschaften der Bundesländer werden aufgefordert, sich gemeinsam für eine verbesserte Aus-, Fort- und Weiterbildung einzusetzen. Die GEW-Vorsitzende, Marlis Tepe, bekräftigt, dass Lehrerinnen und Lehrer auf die Vielfalt der sozialen und kulturellen Herkunft der Schülerinnen und Schüler vorbereitet werden sollen.

Eine Gewerkschaft für Beamte?

Gewerkschaft und Staatsbeamte geht das? Organisierte Berufsgruppen haben das Recht zu streiken, um bestimmte Forderungen durchzusetzen. Lehrerinnen und Lehrer sind im allgemeinen Staatsbeamte und dürfen als solche nach dem Gesetz nicht streiken. Das aber ist ein Druckmittel der Gewerkschaften, um den Forderungen an den Arbeitgeber Nachdruck zu verleihen. Die Bildungsgewerkschaft GEW, ist also in einem Dilemma. Lehrerinnen und Lehrer, die dennoch streiken, müssen mit einer Geldbuße rechnen.

Geschichte der GEW

Die überregionale Bildungsgewerkschaft GEW wurde 1948 gegründet. Der erste Vorsitzende war Max Traeger. Die Bildungsgewerkschaft ist im DGB, im Deutschen Gewerkschaftsbund verankert.
In Baden Württemberg bestanden bis zum 5. Mai 1956 vier konfessionsverschiedene Landesverbände. Württemberg, Nord - und Südbaden, sie schlossen sich zum einheitlichen GEW-Landesverband zusammen. Württemberg-Hohenzollern lehnte zunächst die christliche Gemeinschaftsschule ab und schloss sich erst 1972 dem GEW Landesverband an.
Zum 50. Jahrestag der GEW in Baden-Württemberg sprach Kurt Pöndl als Gründungsvater zu den Delegierten. Zu der Zeit waren die Mitglieder vorwiegend Volksschullehrer, Lehrkräfte an Mittelschulen und Hilfsschulen. Lehrkräfte an Gymnasien und beruflichen Schulen wurden erst in den 70er Jahren GEW-Mitglieder.

Die GEW heute

Die Gesamtanzahl der Mitglieder waren Ende 2012 in der Bundesorganisation 266 Tausend. Der Sitz des Hauptvorstands ist Frankfurt am Main. Marlies Tepe hat seit 2013 den Vorsitz.
Die Statistik der GEW in Baden-Württemberg zeigt für das Jahr 2005 circa 40 Tausend Mitglieder. Es sind Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten und Kindertagesstätten sowie Angehörige des universitären Mittelbaus und der Lehrenden für Pädagogik.
Die sechzehn Landesverbände stehen in ihren Ländern unterschiedlichen Konzepten gegenüber. In Bayern und Hessen gilt für das Lehramtsstudium weiterhin die traditionelle Ausbildung an den Universitäten. Sie endet mit der Ersten und Zweiten Staatsprüfung.
In den übrigen Ländern wird das Bachelor- und Masterstudium gefordert.
Die GEW vertritt ein reformiertes Studium für alle Lehramtsberufe. In dieser Neugestaltung soll der BA-Abschluss für alle fachwissenschaftlichen Berufe gelten. Der MA-Abschluss hat einen erziehungswissenschaftlichen und einen fachdidaktischen Schwerpunkt.

Organe und Publikationen

Das Organ der GEW für die Bundesrepublik heißt „Erziehung und Wissenschaft“ und hat seit einiger Zeit das Logo E & W. Die Themen sind von allgemeinem Interesse. In der Ausgabe vom September 2013 gibt es zum Beispiel Infos zur Bundestagswahl.
In Baden Württemberg heißt die Zeitschrift „Bildung und Wissenschaft, b&w. Die Hefte haben eine Beilage für die Unterrichtspraxis.
In der Ausgabe vom 20.09.2013 schreibt Michael Kuckenburg einen Artikel über die Bedeutung der Zivilcourage in der Nazi-Diktatur. Am Beispiel der Geschwister Scholl und ihrer Freunde aus Ulm, sowie einiger Lehrer wird deutlich gemacht, wie junge Menschen auch in einer Diktatur gegen das praktizierte Unrecht sensibilisiert werden können.

Eine Schule-viele Sprachen

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Da inzwischen auch die Bundesrepublik ein Einwanderungsland geworden ist, sind in unseren Schulen neben Deutsch auch Sprachen aus aller Herren Länder zu hören.
In E&W 10/2013 wird die Mehrsprachigkeit der heutigen Schüler diskutiert. Professor Hans-Jürgen Krumm plädiert dafür, dass in unseren Schulen die Herkunftssprache der Schüler zu achten und zu pflegen sei. Sie zu verbieten, komme einer “Amputation“ gleich. Studien hätten ergeben, dass Kinder, die ihre Muttersprache beherrschten, sehr schnell eine Zweitsprache lernten. Hier kann die Schule helfen.
Von der Appolonia-von-Wiedebach-Schule in Leipzig wird berichtet, wie die Sprachbildung der Schülerinnen und Schüler anderer Muttersprachen gelingen kann. Hier wird die sprachliche Bildung von Kindern und Jugendlichen aus Migrationsfamilien gefördert. Die Schule hat einen enormen Zulauf.

„fair childhood“

Im April 2011 warb die GEW unter dem Motto „Bildung statt Kinderarbeit“ für die Stiftung „fair childhood“. Kooperationspartner in Entwicklungsländern und die GEW wollen dazu beitragen, dass Mädchen und Jungen von der Kinderarbeit befreit werden. Die Stiftung finanziert sich durch Spenden. Das erste Projekt hatte das Ziel, Mädchen aus den Baumwollplantagen in Indien herauszuholen und ihnen den Schulbesuch möglich zu machen.
Im Oktober 2013 wurde um Spenden für die „Steinbruchschule“ im Dorf Dhanesbar in Indien gebeten. Da immer mehr Eltern ihre Kinder für die Schule anmelden, muss eine größere Schule gebaut werden. Spenderinnen und Spender legen mit dem Geld den Grundstein für eine bessere Zukunft der Kinder.

Fazit

Für mich leistet die Gewerkschaft einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Schulen. In den Magazinen erfahre ich, wie Schule heute auf Herausforderungen der Gegenwart antworten kann.
In den Veröffentlichungen wird der Blick für Aktivitäten anderer Schulen und Länder geweitet. Die GEW übt Solidarität mit verfolgten Gewerkschaftlerinnen und Gewerkschaftern und unterstützt sie. Die Bildungsgewerkschaft sensibilisiert für Bildungsaktivitäten in der Welt.
Einen ganz praktischen Grund für eine Mitgliedschaft bietet die Möglichkeit, einer Unfall- und Haftpflichtversicherung beizutreten.

Literatur und Links

b&w Zeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Ausgabe 9/2013.
E&W Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW. 10/13.
Erziehung und Wissenschaft. Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW. 4/2011.
50 Jahre GEW Baden-Württemberg. Sonderausgabe zum Jubiläum des Landesverbandes Baden-Württemberg. Mai 2006.

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
.
Geschichte und Organisation der GEW.
 Oktober 2013.

Mairede Thoene

Kommentare

Kommentar von Barbara Heinze |

Liebe Erdmute,
da habe ich ja wieder etwas dazugelernt. Die GEW ist mir mal kurz über den Weg "gelaufen" während meiner Referendarszeit, aber als junge Frau fand ich das nicht sooo interessant. Aber Du hast natürlich recht, auch für Beamte ist so ein Organ wichtig. Noch wichtiger wird es, wenn man das Beamtentum für Lehrer abschaffen will, wie ich so habe "läuten" hören.

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