Der Polnische Positivismus

von Roma Szczocarz

„ Die Praxis solle das Ergebnis des Nachdenkens sein, nicht umgekehrt“.
 Hermann Hesse

Ausbreitung

Der Positivismus als eine europäische Bewegung beschränkte sich nicht auf die Erkenntnistheorie sowie Comtes “Positive Philosophie“, sondern umfasste auch sozio-politische Aspekte und passte sich so in das Umfeld einer nationalen Gesellschaft und Kultur in unterschiedlicher Weise ein, ungeachtet der nationalen Netzwerke, über die die Verbreitung funktionierte.
Mehr über Auguste Comte und über die Positive Philosophie

Die Genesis des Polnischen Positivismus

Der Polnische Positivismus bezeichnet eine Oppositionsbewegung der Polen im 19. Jahrhundert. Diese Bewegung richtete sich gegen die russische, preußische und österreichische Aufteilung Polens. Polen war nach dem Januaraufstand russifiziert und germanisiert worden: Verwaltungsbeamte, Lehrer und Polizisten waren Russen, Preußen und Österreicher. Auch die Verwendung der polnischen Sprache war untersagt (Bismarcks Politik “Kulturkampf“), eine Ausnahme war Galizien. Damals, nach der Niederlage des Januaraufstands, verbreitete sich unter den Polen die Überzeugung, dass die Fremdherrschaft in Polen nicht militärisch zu beenden sei. Polen sollte seine Unabhängigkeit schrittweise durch organische Arbeit und konstruktiven Patriotismus erreichen. Comtes Werk “Positive Philosophie“ inspirierte die Polen, die den geeigneteren Weg darin sahen, das polnische Nationalbewusstsein und die polnische Bevölkerung durch Bildung zu stärken.

Organische Arbeit

Die Idee der organischen Arbeit in Polen im 19. Jahrhundert basierte auf der Ansicht, dass man die Unabhängigkeit des Staates nur durch ständige Arbeit erreichen kann. So verlangt die Idee den Einsatz der Kräfte der Nation zu sinnvoller Arbeit anstelle von fruchtlosen Aufständen. Die Prinzipien der organischen Arbeit sahen die Positivisten in der Bildung der Massen sowie der Steigerung des ökonomischen Potentials der Polen. Zu den weiteren Postulaten des polnischen Positivismus gehörte: die Emanzipation der Frauen, die Assimilierung der Juden, ein Entgegenwirken der Germanisierung und Russifizierung.

Fliegende Universitäten

Die Gründung der „Fliegenden Universitäten“ kann man als Bewegung der polnischen Positivisten gegen die Germanisierung und Russifizierung sehen. Zu diesem Kreis rechnet man die Wissenschaftlerin und spätere Nobelpreisträgerin Maria Sklodowska-Curie und ihre Schwester, die Ärztin Bronislawa “Bronia“ Dluska. Die beiden organisierten illegale Lehrveranstaltungen für Dorfkinder, in deren Rahmen sie die polnische Sprache, wie auch Geschichte und Algebra unterrichteten. Beide Schwestern setzten die Ideale der organischen Arbeit und des Positivismus in die Tat um. Mehr über Maria Sklodowska-Curie

Positivismus als Richtung in der polnischen Literatur

Die Ideale des polnischen Positivismus beeinflussten auch die Literaten und Literatinnen im 19. Jahrhundert. In der Literatur dominierten kleine epische Formen, sowie Novellen, Erzählungen oder Skizzen. Die bedeutendsten Literaten und Literatinnen wie Eliza Orzeszkowa, Boleslaw Prus, auch später der Literaturnobelpreisträger Henryk Sienkiewicz sahen die Literatur als Instrument an, um soziale und moralische Probleme darzustellen. Mehr Informationen über Eliza Orzeszkowa

Schlussgedanken

Die Idee der organischen Arbeit wie auch der Arbeit an der Basis war die erfolgreiche Methode und sollte unter den Polen die Hoffnung auf Unabhängigkeit wiederaufleben lassen. Für mich, war der Sieg des Posener Aufstand 1919  der spektakuläre Effekt der Ideologie “Arbeit an der Basis“. Der Posener Aufstand in jedem Schritt direkt und  gut vorbereitete, wie auch die Strategie gut überlegt, die polnischen Eliten gut ausgebildet.

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