Gisi Fleischmann, die Heldin der Slowakei

Von Roma Szczocarz

Viele Juden riskierten ihr Leben, um Andere, Familienmitglieder, aber auch Fremde zu retten. Oftmals verzichteten sie auf eine mögliche Flucht und blieben, um für andere zu sorgen.

Leben und Wirken

Gisi Fleischmann (geborene Gisela Fischer) war eine slowakische Frauenrechtlerin und Widerstandskämpferin. Sie wurde 1892 in Bratislava geboren, in einer orthodoxen jüdischen Familie als ältestes von drei Kindern. Ihre Eltern waren Julius Fischer und Jetty Einger. Sie besaßen ein Hotel und Restaurant in Bratislava. In dieser Zeit war es meistens nur den jungen Männern vorbehalten, nach der Grundausbildung weiter zu studieren. Gisi hat selbstständig Geschichte, Literatur und Kunst weiterstudiert. Bereits in jungen Jahren engagierte sie sich in der zionistischen  Bewegung. Zeitgleich heiratete sie 1915 den Kaufmann Josef Fleischmann. Das Paar hatte zwei Töchter, Alice und Judith.

In den 20er Jahren wurde Gisi zu einer führenden Aktivistin der slowakischen zionistischen Frauenbewegung “Womens International Zionist Organization“ (WIZO). Da beschäftigte sie sich mit der Sozialarbeit unter jungen Leuten, um die Ausbildung zu ergänzen. Das Jahr 1939 erschütterte ihr Leben stark.

Schicksalsschläge

Zuerst wurde ihr Bruder von antisemitischen Gewalttätern ermordet, dann starb ihr Ehemann (eines natürlichen Todes), gleichzeitig wanderten ihre zwei Töchter nach Palästina aus. Sie wusste damals noch nicht, dass sie auch ihre Mutter nie mehr wiedersehen würde.

Gisi hatte auch die Möglichkeit auszuwandern, aber sie blieb in Bratislava, um die anderen Juden zu retten. Die Rettung von Juden durch Juden war damals keine Selbstverständlichkeit mehr, das war eine außerordentliche Aktion.

„Ich bleibe, um zu helfen“ - Gisi Fleischmann

Schon ab 1933 strömten erste Flüchtlinge aus Deutschland nach Bratislava.

Die Entscheidung zu helfen, führte Gisi zu ihren ersten Kontakten mit Organisationen, die Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen versuchten, und ihnen halfen Palästina zu erreichen. Im Jahr 1942 begannen die Deportationen aus der Slowakei, und es wurden 80.000 slowakische Juden nach Polen deportiert. Damals unterstützte Gisi Fleischmann den Rettungsplan der “Arbeitsgruppe Bratislava“ (Pracovna skupina) des Rabbiners Michael Dov Weissmandel. Die Gruppe wollte die noch in der Slowakei verbliebenen Juden vor der Abschiebung bewahren. Es gelang Gisi und ihren Mitkämpfern des Judenrats, mit Unterstützung der Jüdisch Agency, auch mehrere Hundert bereits deportierter Kinder aus Polen zu retten und in Sicherheit zu bringen. Ungewöhnlich war damals die Zusammenarbeit von einem orthodoxen Rabbi und einer Frau. Schon nach dem Krieg hat ein Mitarbeiter diese gemeinsame Arbeit als „gutes Orchester“ bezeichnet, die “Dirigentin des Orchesters“ war Gisi.

„Rückkehr unerwünscht“

Nach der Niederschlagung des slowakischen Nationalaufstandes 1944 wurde Gisi festgenommen und zunächst ins Arbeitslager Sered deportiert. Gisi Fleischmann hat unter schwierigen Umständen bei der Vernehmung durch SS-Offiziere viel Mut bewiesen, weil sie sich weigerte, andere zu verraten. Sie wurde in einen Zug nach Auschwitz gesetzt. Das war im Oktober 1944. Auf ihre Akte hat die Gestapo den Vermerk „Rückkehr unerwünscht“ geschrieben. Gisi wurde sofort nach ihrer Ankunft im Oktober 1944 ermordet.

Gisi Fleischmann hat zusammen mit ihrer Gruppe zahlreiche Aktionen organisiert, die im Zweiten Weltkrieges kaum jemand gewagt hätte. Es ist schade, dass diese Taten vergessen wurden.

„Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, ein erfolgreicher Mensch zu sein, sondern ein wertvoller“, Albert Einstein.

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