European Women in Older Age (EWA)

Von Barbara Heinze

In unserer heutigen Gesellschaft werden Frauen in Europa 80 Jahre alt und älter. Deshalb fördert die Europäische Union Projekte mit folgenden Fragestellungen: Wie waren die sozialen, ökonomischen und gesellschaftlichen Situationen von Frauen im höheren Alter und wie ihre Rollenvorstellungen?

Sieben Frauengruppen aus sechs europäischen Staaten

Daneben stellte sich noch die Frage: Wie wirkt sich die Öffnung des früheren „Ostblocks“ in den verschiedenen europäischen Staaten, aus? Die Grundtvig-Lernpartnerschaft „European Women in Older Age“ (EWA) ging diesen Fragen nach und wurde deshalb aus dem Programm life long learning der Europäischen Kommission gefördert.

Im Projekt EWA waren sieben Frauengruppen aus sechs verschiedenen europäischen Ländern integriert: Bulgarien, Deutschland, Italien, Litauen, Österreich und die Tschechische Republik. Sie beschäftigten sich im Zeitraum Herbst 2010 bis Sommer 2012 mit dem Thema: Was wissen wir über Frauen 70+, die auf ein besonders langes Leben voller beruflicher und privater Aktivitäten zurückblicken? Die deutsche Partnergruppe - der Arbeitskreis Frauengeschichte am Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm - hatte das Projekt initiiert und übernahm auch die Koordination des Gesamtprojekts.

Erhebungspunkte

Welche Wendepunkte und Herausforderungen wie Krankheit, Verlust eines Partners oder von Kindern oder finanzielle Nöte hatten sie zu bewältigen? Welche beruflichen, sozialen, karitativen oder künstlerischen Aktivitäten üben sie aus und wie nehmen sie ihren Alterungsprozess wahr? Aber sie interessierte auch, wie die Biografien älterer Frauen in verschiedenen europäischen Ländern beeinflusst wurden. Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen sind die Frauen aufgewachsen? Wie wurde im jeweiligen Kontext die Geschlechterrolle gesehen und welche geschichtlichen, politischen und sozialen Gegebenheiten haben ihr Leben bestimmt? Letztlich, welche Faktoren tragen zu einem gelingenden Alter(n) bei?

Die Interviewerinnen

Die Fragen wurden von Frauen im Alter 50+ gestellt, die durch die Interview-Erfahrung die eigenen Lebenserfahrungen reflektierten. Beide Altersgruppen der Frauen (70+ und 50+) haben immer noch damit zu kämpfen, dass die Ausbildungssituation nach wie vor für Männer und Frauen unterschiedlich ist, wobei die Frauen ihre berufliche Karriere oft zugunsten des Familienlebens zurückgestellt haben.

Das persönliche Gespräch öffnet die Tür zum Verständnis des älteren Menschen. Deshalb ging es in diesem Projekt um die Entwicklung und Anwendung eines standardisierten Interviews, um die Befragungen vergleichbar zu machen. Dabei wurden verschiedene Interviewtechniken entwickelt und in jedem Partnerland modifiziert angewandt. Die persönlichen Begegnungen in langen Gesprächen waren sehr bewegend.

Erkenntnisse

Das EWA-Projekt zeigt die Lebensleistung ausgewählter Frauen, die es geschafft haben, im Alter zufrieden zu sein und oft auch schwierige Lebenssituationen zu meistern. Die Vielfalt der Lebensläufe macht Mut, die Phase des hohen Alters bewusst und sehenden Auges anzugehen und in ihr einen eigenen Wert zu erkennen. Ältere und jüngere Frauen, aber durchaus auch Männer, sollen ermutigt werden, gelassen der Lebensphase des hohen Alter entgegenzusehen und sich für den eigenen Lebensentwurf inspirieren zu lassen.

Ergebnisse des Projekts

Für die Interviewerinnen war ein wichtiger Effekt des Projektes, die verschiedenen Techniken auszuprobieren und zu nutzen (z.B. Tonband- und Filmaufzeichnungen, Video-Mitschnitte, PowerPoint-Präsentationen, Website) und so in einer Phase, in der die eigene berufliche und aktive Familienphase oft bereits abgeschlossen ist, im Sinne des Life Long Learning sich weiterzubilden. Nicht nur die Methoden der mündlichen Befragungen, sondern auch die Techniken des kreativen Schreibens förderten die Abfassung der Interview-Zusammenfassungen.

In insgesamt vier Treffen der Partnergruppen (Sofia, Ceske Budejovice, Ferrara und Ulm) gab es Gelegenheit, die Fragebögen zu entwickeln, sich über die Interviewtechniken auszutauschen und die dabei gemachten Erfahrungen zu diskutieren. Das Projekt band die Neuen Medien mit Anwendungen wie Skype oder Internet-Foren mit ein.

Es ging im Projekt auch um den Austausch mit Frauen aus anderen europäischen Ländern und um ein verbessertes Verständnis für die jeweilige gesellschaftliche, politische, historische Situation.

Abschluss des Projekts

Das Projekt endete mit der Dokumentation der  Lebensgeschichten in verschiedenen Medien:

a) auf der Website www.european-women.eu finden sich alle geführten Interviews in Englisch und in der jeweiligen Nationalsprache.

b) Jeweils zwei exemplarische Lebensläufe älterer Frauen aus allen beteiligten Gruppen sowie eine Kurzbeschreibung der beteiligten Gruppen, Institutionen und der angewandten Methoden wurden im Juli 2012 in dem internationalen Buch „Mastering Older Age. Inspiring role models of women 70+ from Austria, Bulgaria, Germany, Italy, Lithuania and Czech Republic interviewed by women 50+“ veröffentlicht, in Englisch und teilweise in der jeweiligen Landessprache.

c) Eine DVD mit verschiedenen Interviews und Ausschnitten aus den Partnertreffen macht das Projekt anschaulich.

d) Die im Jahr 2013 erschienene deutschsprachige Broschüre „Gelingendes Alter(n)“ Broschüre umfasst alle interviewten Frauen 70+ aus Deutschland. Diese sind zwar auf der Homepage des Projektes zu finden, konnten aber aus Platzmangel nicht in der internationalen Broschüre berücksichtigt werden.

Bewertung des Projekts

Abschließende Bewertung des offiziellen Projektes durch das Grundtvig Programms:

„The partnership is outstanding. ... The communication and cooperation among them is well described and seems very successful. The systematic use of English and the respective national languages is to be highlighted positively. The results and documentation/dissemination of the partnership are great. In fact the objectives have been overachieved."

Kommentare

Kommentar von Carla Fickenscher |

Ich finde es sehr schade, wenn Links angeben werden, zu denen man einen Zugangscode haben muss. Mit diesen Links kann man nichts anfangen.

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