Unlearned Lessons - Women on the Rise

Von Brigitte Nguyen-Duong

Das Europäische Projekt Unlearned Lessons - Women on the Rise - Ungelernte Lektionen - Frauen im Aufbruch arbeitet mit den Seniorenuniversitäten anderer europäischer Länder zusammen, um Frauen bekannt zu machen, die Besonderes geleistet haben.

Ein Europäisches Projekt

Der Arbeitskreis Frauengeschichte des ZAWiW und aktives Mitglied im Verein ViLE (Virtuelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener) arbeitete zwei Jahre mit einer Gruppe der Universität des dritten Lebensalters in Lodz, Polen, einer Gruppe der Volkshochschule Wien-Alsergrund in Österreich und einer Gruppe der Abteilung Genderforschung der Universität Alicante, Spanien, im Projekt “Unlearned Lessons – Women on the Rise” zusammen. An dem Projekt beteiligten sich Personen zwischen 25 und 80 Jahren, vor allem Frauen. Bei diesem Projekt ging es um die Suche nach Frauen, die durch ihre Leistungen auf unterschiedlichen Gebieten dazu beigetragen haben, dass sich die Rechte und die Wahrnehmung von Frauen in Bildung, Beruf, Gesellschaft und Politik in der geschichtlichen und gesellschaftlichen Entwicklung ihres Landes entscheidend geändert haben - also um Themen, die mindestens die Hälfte der Bevölkerung betrifft und die in der Schule nie behandelt wurden.

Die Grundtvig-Lernpartnerschaft

Jede Gruppe untersuchte die Entwicklung der Emanzipation der Frauen in den letzten 200 Jahren im eigenen Land, gemeinsam wurden die Ergebnisse verglichen, diskutiert und dokumentiert. Das Projekt (September 2012 - August 2014) war eine Grundtvig-Lernpartnerschaft, die von dem Programm Lebenslanges Lernen der Europäischen Kommission finanziell unterstützt wurde.

Recherche nach Biografien

Die Recherchen der Gruppenmitglieder zeigten, dass es seit der französischen Revolution und vermehrt in den letzten 150 Jahren vor allem durch den unermüdlichen Einsatz einer Reihe von außergewöhnlichen Frauen gelang, dass Frauen gesellschaftliche Gleichberechtigung erlangten.

Die einzelnen Projekt-Partner erstellten Zeitleisten des 19. und 20. Jahrhunderts mit Kennzeichnung wichtiger Meilensteine in der Geschichte der Gleichberechtigung für Frauen und recherchierten zu den Biografien dieser außergewöhnlichen Frauen. Ungefähr hundert Biografien sammelten die vier Partnergruppen in zweijähriger gemeinsamer Arbeit. Jedes Gruppenmitglied stellte die von ihr ausgewählten Frauen zunächst in ihrer nationalen Gruppe vor und begründete ihre Auswahl. Zu Frauen, die alle Mitglieder besonders interessant fanden, wurden arbeitsteilig kurze Biographien geschrieben und sukzessiv auf der Projekt-Website veröffentlicht und bei den Partnertreffen den anderen Gruppen vorgestellt.

Die Arbeitssprache war Englisch. Alle Texte sind in der jeweiligen Muttersprache und in Englisch zu lesen.

Treffen in den Mitgliedsländern

Während der Projektzeit fanden Partnertreffen statt in Ulm, Alicante, Wien und Lodz. Beim letzten Treffen in Lodz, im Mai 2014, wurde anhand des Vergleichs der nationalen Zeitleisten festgestellt, dass mit Beginn des 20. Jahrhunderts ziemlich zeitgleich in den einzelnen Ländern Frauenrechte gesetzlich verankert wurden: Bildungszugänge in höhere Schulen und Universitäten, passives und aktives Wahlrecht und Vertretung in den Parlamenten waren die weiblichen Errungenschaften kurz vor und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg.

Durch unterschiedliche politische Systeme wurde die erworbene Freiheit jedoch zeitweise wieder eingeschränkt. In Deutschland und Österreich gab es Rückschritte während des Nationalsozialismus, in Spanien während der Diktatur Francos. In Polen waren Frauen während der kommunistischen Zeit gleichberechtigt. Bis zur Gegenwart haben sich die Rechte der Frauen in allen vier Ländern kontinuierlich verbessert. Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist aber noch nicht auf allen Gebieten realisiert.

Die Veröffentlichung

Die Partnergruppen diskutierten in Lodz, wie die Ergebnisse über die Website hinaus einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Sie entschieden sich für die Erstellung einer Broschüre und einer Poster-Ausstellung, die bis Ende September 2014 fertig gestellt und in der Folge an verschiedenen Orten präsentiert werden sollen.

Die Partnertreffen waren verbunden mit Ausflügen, Besichtigungen und Festen, es entstanden zwischen den Beteiligten aus den vier Ländern persönliche Kontakte, sogar Freundschaften, was neben dem Lerngewinn ein zusätzlicher Gewinn für alle Projektteilnehmerinnen und –teilnehmer ist.

Alle Beteiligten waren sich in der Abschlussrunde einig, dass sie in diesem Projekt wichtige Lektionen der Sozialgeschichte ihres Landes gelernt haben. Die „Zeitleisten“ und die Leistungen der „Frauen im Aufbruch“ sollten Teil des Schulcurriculums werden.

Kommentare

Zurück