Pommern in Brasilien

Von Roma Szczocarz

Das Pommersche Platt ist heute sowohl in Polen als auch in Deutschland ausgestorben, überlebt hat es eigenartiger Weise nur in Brasilien.

„Kommt gaud an“

Nordtor in Pomerode

So heißt “Willkommen“ auf Pommersch.

Die Stadt Pomerode ist die deutscheste der deutschen Städte in Südbrasilien. Der kleine Ort mit etwa 30.000 Einwohnern wurde von Kolonisten/ Emigranten aus Pommern gegründet. Die Einwohner der Stadt pflegen alle die deutsche Kultur und, fast 95 Prozent der Bürger „sprechen fließend Deutsch“, also ihren alt-pommerschen Dialekt. Zahlreiche Tanzgruppen und Folkloreensembles pflegen die deutsche Folklore, Feste und Bräuche. Wunderbar ist beispielweise die Verbindung der beiden Sprachen Portugiesisch und Deutsch allein schon im Namen der Vereinigung: Grupo Folkorico Germanico “Alte Heimat“.

Die Fachwerkhäuschen von Pomerode

Da liegt also in Südbrasilien ein Deutschland im Mini-Format. Aber statt der Eichen wachsen Palmen. “Wie in der guten alten Heimat“ gibt es Bier und Volksmusik in der Dansstuuw- der Tanzstube - und Dirndl, Entenbraten und Apfelkuchen.

Dadurch dass die Pommern einen eigenen Dialekt, das Pommersche Platt, seit langer Zeit pflegen, haben sie ihre Bräuche und Gewohnheiten im Alltagsleben kultiviert.

„Auf Gottes weiter Welt ist nichts unmöglich“

Die ersten Siedler waren Landarbeiter aus der Gegend um Stettin in Ostpommern, die im 19. Jahrhundert nach Brasilien auswanderten. Der brasilianische Kaiser Dom Pedro hatte den Kolonisten fruchtbare Äcker versprochen. Leider war das nur ein frommer Wunsch. Auf dem versprochenen Land stand dichter Urwald, der Boden war karg, und das Land wurde den Kolonisten nicht geschenkt, sondern sie mussten es bei Hofe abbezahlen. Rund um das Städtchen Pomerode liegen bis heute die Höfe der Pioniere wie touristische Attraktionen.

Die deutsche Einwanderung nach Brasilien

Die Pommern waren nicht die ersten und nicht die einzigen, die nach Brasilien einwanderten. Schon ab dem 16. Jahrhundert gab es eine Auswanderung, die einmal schwächer, einmal stärker war. Die Menschen erhofften sich ein auskömmlicheres Leben als daheim in den deutschen Ländern.

Es ist ihnen aber nicht besser ergangen als anderen Siedlern auch: die Ersten fanden den Tod, die Zweiten litten Not und erst die Dritten hatten Brot. Bis 1938 wurde in den deutschen Siedlungen in Brasilien in den Schulen Deutsch unterrichtet. Dann begann die Nationalisierungskampagne, die ab 1942 noch verstärkt wurde, als Brasilien sich mit den Alliierten verbündete. Der Gebrauch der deutschen Sprache nahm von der Zeit an rapide ab. Er nahm vor allem bei denjenigen ab, die katholisch waren, da Brasilien auch ein katholisches Land war und so einer Heirat wenig im Wege stand.

Die Siedler aus Pommern aber waren evangelisch. Sie hielten an ihrem Platt fest.

Die Pomeranos heute

Fast jeder zehnte Brasilianer kann auf deutsche Wurzeln hinweisen. Die fast halbe Million Pomeranos, die um die Stadt Santa Marina de Jetiba leben, sind die Nachfahren von den 30.000 Pommern, die im 19. Jahrhundert Pommern verließen. Sie sprechen eine Sprache, einen niederdeutschen Dialekt, der nur noch dort gesprochen wird, denn in ihrer Heimat spricht man heute Polnisch. Dieser Dialekt ist in ihrer Gegend in Brasilien Unterrichtssprache. Seit 2009 zählt er in der Stadt Marina de Jetiba auch als zweite Amtssprache.

Durch Menschen, die sich um Bräuche und Traditionen kümmern, ist das Platt als Sprache gut erforscht, und es wird an einem zweiten Wörterbuch sowie an neuen Schulbüchern gearbeitet.

Auch im Stadtbild sind die Pomeranos deutlich zu erkennen: sie haben blonde Haare und eine hellere Haut.

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