Gedanken zur Weihnacht

Von Dietrich Bösenberg

Im letzten Jahresviertel hören und benutzen wir das Wort Weihnachten fast täglich – hierzulande geprägt von der christlichen Weihnachtsbotschaft – der Geburt Jesu. Vergleiche mit anderen Kulturen und Religionen zeigen interessante Parallelen und Hintergründe.

Vorchristliche Mythen

Schon in vorchristlicher Zeit feierten die Menschen die Wiederkehr der Sonne nach der längsten Nacht des Jahres. Bekanntlich steigt die Sonne am 21. Dezember gewissermaßen aus der Finsternis herauf. Astronomisch beginnt der Sonnenlauf an diesem Datum um Mitternacht und am nächtlichen Himmel wird im Osten das Tierkreiszeichen der Jungfrau sichtbar - symbolisch wird das „Sonnenkind“ aus der Jungfrau geboren.

Nach einem altpersischen Mythos wurde der Sonnengott Mithras am 25. Dezember in einer Felsennische von einer Jungfrau geboren. In der Nähe sollen Hirten die Ankunft des Lichtträgers der Welt beobachtet haben. In der griechischen Mythologie soll der Hirtengott Pan alljährlich am Tag der Sonnenwende geboren werden, auch Dionysos, u.a. Gott der Fruchtbarkeit, wurde von einer Jungfrau geboren.

Bei den heidnischen Germanen wurde das Julfest zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende gefeiert, noch heute kennt man in Skandinavien Julfeuer, Julsingen und Julbrot.

Einweihungsriten

Die Dunkelheit der längsten Nacht wird durch die Kraft der Sonne am 21. Dezember überwunden, was auch den Sieg des Lichtes über die geistige Finsternis bedeuten kann.

Das Wiedererscheinen der Sonne wird aber erst nach drei Tagen, am 25. Dezember erkennbar. Astronomisch gesehen wird der Neumond drei Tage nach seiner Konjunktion mit der Sonne am Abendhimmel sichtbar. Es wird berichtet, dass diese drei Tage des „dunklen Mondes“ bei den Einweihungsriten der Griechen und Ägypter eine Rolle spielten. In diesen Tagen wurden die Priesterkandidaten bestimmten Prüfungen unterzogen, wobei sie in einem dunklen Raum harten Versuchungen ausgesetzt waren. Erst danach wurden sie in die Geheimnisse der Priesterwürde eingeführt.

Ähnliches ist auch von christlichen Orden bekannt. Novizen müssen vor der Profess, den ewigen Gelübden, drei Tage in strenger Klausur verbringen, um sich selbst zu prüfen.

Der Geburtstag Jesu

Ein sicheres Datum für die Geburt Jesu ist nicht bekannt - die Bibel bietet keine genauen Angaben. Die Forschung hegt sogar Zweifel, ob die Geburt im Winter erfolgte, denn es ist wenig wahrscheinlich, dass sich so spät im Jahr noch Hirten mit ihren Tieren auf den Feldern aufhielten.

In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten werden die verschiedensten Daten für den Geburtstag Jesu erwähnt. Clemens von Alexandria schrieb, dass Jesus im 28. Regierungsjahr des Kaisers Augustus am 25. Tag des ägyptischen Monats Pachum geboren wurde, je nach Berechnung dem 9. April oder dem 20. Mai. Ein Text aus dem Jahre 243 n. Chr. nennt den 28. März als Tag der Geburt, wieder andere nennen den 19. und 20. April.

Der Kirchenvater Hieronymus (ca. 347 – 420 n. Chr.) errechnete den 25. Dezember als Tag der Geburt Jesu. Unter Papst Anastasius I., (399 – 401), erfolgte dann mit Zustimmung der Patriarchen von Alexandrien, Antiochien und Jerusalem die Festlegung des Geburtstags auf den 25. Dezember.

Parallelen

In vielen Mythen wird überliefert, dass der Sonnengott und Erlöser aus einer Jungfrau geboren wird. Im alten Ägypten gab es zur Zeit der Sonnenwende eine Prozession, bei der der „Horus-Knabe“ als neugeborenes Kind getragen wurde. Von den Priestern wurde er als Retter der Welt erklärt, geboren von einer Jungfrau.

Eine ganze Anzahl göttlicher Wesen wurde angeblich von Jungfrauen geboren:
Der griechische Gott Dionysos
Der römische Gott Hermes
Der babylonische Gott Adonis Gautama Buddha, um 600 v. Chr. von einer Jungfrau namens Maya geboren

Eine erstaunliche Ähnlichkeit zeigt sich auch bei den Namen einiger jungfräulicher Mütter:
Maia hieß die Mutter des Hermes,
Myrrha war der Name der Mutter des Adonis
Maya hieß die Mutter Buddhas
Maria/Mirjam die Mutter Jesu.

Nicht nur, dass alle diese Namen mit dem Buchstaben M beginnen, Maria wird auch als Maienkönigin bezeichnet, im katholischen Kirchenjahr gilt der Mai als Marienmonat. Der Monat Mai ist nach der römischen Göttin Maia benannt.

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