Die Gienanth-Werke

von Hildegard Keller

Die Gienanth-Werke sind in der Pfalz ein immer aktueller Begriff! Ihre Bedeutung reicht weit über die Landesgrenzen hinaus.

Frühe Erinnerungen

Grab Ludwig von Gienanth (Wikipedia)
Grab Ludwig von Gienanth (Wikipedia)

Schon während meiner ersten Lebensjahre wanderte ich mit meinem Vater über den Hochsteiner Friedhof und ließ mich von den Erzählungen beeindrucken, die sich um die mächtigen Grabmäler der Familie Gienanth rankten. Aus den Worten meines Vaters sprachen Anerkennung und Stolz, dass ein kleiner Ort das Wirtschaftsgeschehen über Grenzen hinweg beeinflusst hatte.

Ein Wirtschaftsimperium entsteht.

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Die reichen Erzvorkommen am Fuße des Donnersberges ermöglichten Gründung, Auf- und Ausbau von Eisengießereien.
Im Jahre 2010 konnte die Firma Gienanth GmbH ihr 275 jähriges Bestehen feiern.
Während meiner Grundschulzeit suchten wir im Heimatkunde-Unterricht in den umliegenden Wäldern Meiler, die Arbeitsplätze der Köhler auf, und erhielten dabei erste Geschichtskenntnisse.
1742 gründete Nikolaus Gienanth die „Winnweiler-Schmelz“, das erste Eisenhüttenwerk  
Die sogenannte Eisenschmelz wurde zum Stammhaus der Familie Gienanth. Durch zahlreiche Neugründungen entstand innerhalb von zwei Generationen die Dynastie Gienanth.
Die Eisenschmelz mit dem Herrenhof und Arbeiterwohnungen besteht heute noch.

Rasantes Wachstum

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Die Gienanth-Werke wuchsen rasant. Innerhalb von zwei Generationen entstand das Imperium Gienanth.
Der wohl bekannteste Vertreter der Familie Gienanth war Ludwig Gienanth (1767 – 1848), Inhaber der Eisen-und Kupferschmelz Hochstein. Er gilt auch als der erfolgreichste Unternehmer seiner Zeit. In nur wenigen Jahren hatte er aus einem Kleinbetrieb einen Konzern geschmiedet, dessen Arbeitsstätten über die ganze Pfalz zerstreut waren. Fast alle Öfen, die in Deutschland für Wohlbehagen sorgten, kamen aus Hochstein.
König Ludwig von Bayern blieben die Erfolge des Industriellen nicht verborgen. Ludwig Gienanth wurde 1819 in den persönlichen Adelsstand und 1835 in den erblichen Freiherrenstand erhoben.
Seine Verbundenheit zu seinen Betrieben und Arbeitern störten diese Ehrungen nicht.

Gienanth, ein soziales Unternehmen

Werksgebäude
Werksgebäude

Von Anfang an zeichneten soziales Interesse und Engagement das Familienunternehmen aus. Man war sich stets bewusst: Das Funktionieren eines Betriebes hängt wesentlich von der Zufriedenheit der Mitarbeiter ab.
Die Arbeit in den Gießereien war hart und musste an 6 Tagen 10 Stunden lang geleistet werden.
Zur Bewältigung des Alltags erhielten die Arbeiter Unterstützung. Erste Werkswohnungen mit einem Stück Garten, einem Keller, Speicher und Stall für Kuh und Ziege entstanden. Es gab ein Milchgeld und Lebensmittel.
1831 legte Ludwig Gienanth den Grundstock zu einer werkseigenen Wohltätigkeitsstiftung, einer Art Sozialversicherung. 25 000 Gulden wurden angelegt und testamentarisch verfügt, dass die Zinsen nur zur Unterstützung Bedürftiger verwendet werden durften.

Krankenkasse

Haustafel
Haustafel

Die erste Betriebskrankenkasse wird gegründet.
Die häufigen Arbeitsunfälle in den Betrieben belasteten den erfolgreichen Firmenchef sehr und veranlassten Ludwig 1857 zur Gründung einer betriebseigenen Krankenkasse. Damit konnten wenigstens die finanziellen Belastungen der Arbeiter und ihrer Familienangehörigen gemildert werden, wenn diese bei der Arbeit Gesundheit und nicht selten auch ihr Leben riskierten.

Gienanth heute

Einblicke
Einblicke

Die Gienanth GmbH ist heute eine Eisen-Gießerei mit modernster Fertigungstechnik und großem Know How. Kompetenz und technische  Perfektion sind die Garanten für ihren Erfolg. Soziales Interesse und Engagement  hat Gienanth etwa auch beim Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg bewiesen.
Ulrich Freiherr von Gienanth reiste persönlich nach Griechenland, nahm Kontakt zu Arbeitssuchenden auf und holte sie nach Deutschland, wo er auch für ihre erste Unterkunft sorgte. Die Familien arbeiten oft in der zweiten Generation in der Firma.
Deutsche sind nicht selten seit 6 Generationen bei Gienanth beschäftigt.

Das Museum

Am 6. Oktober 2013 wurde im Jüdischen Museum Winnweiler die Gienanth-Abteilung feierlich eröffnet. Darin wird die Bedeutung der Industriellen-Familie von Gienanth und ihrer zahlreichen eisenerzerzeugenden und eisenerzverarbeitenden Werke dargestellt. Nicht nur für den Donnersbergkreis, sondern für die Entwicklung der ganzen Pfalz und darüber hinaus ist dieser Teil deutscher Geschichte von bleibendem Wert.

Frühindustriepark Gienanth

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Um die geschichtlichen und räumlichen Zusammenhänge der Kulturlandschaft  Donnersbergkreis zu verdeutlichen wurde der „Frühindustriepark Gienanth“ anlässlich der EXPO- 2000 zum Thema „Mensch-Natur –Technik“ geschaffen.
Ein industriegeographischer Lehrpfad führt zwischen 225 und 400 Höhenmetern in einer Länge von 12 km durch das südwestliche Donnersberger Vorland. Auf den Höhen gewährt der Lehrpfad herrliche Ausblicke. In dem abwechslungsreichen bergauf und bergab geht es über Felder und durch Wiesen, aber auch durch schattenspendenden Wald.
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Links zum Thema

Bedeutung der Unternehmerdynastie

Der Landschaftspark Gienanth
Gibt Kunde von der Industriekultur der Pfalz

Geschichte der Gienanth-GmbH im Überblick

Kurzfassung der Entstehungsgeschichte

Sechs der Bilder: Quelle Verbandsgemeinde Winnweiler

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