Das Augsburger Hohe Friedensfest

Von Dietrich Bösenberg

Es wird seit 1650 alljährlich am 8. August begangen und ist weltweit der einzige geschützte Feiertag für eine Stadt. Augsburg hat damit die meisten Feiertage in Deutschland.

Geschichte

Das Augsburger Hohe Friedensfest geht zurück auf die Zeit des 30-jährigen Krieges. Die damalige Freie Stadt Augsburg hatte sich schon 1530 mehrheitlich der Reformation angeschlossen. Sie proklamierte bald danach die Parität, das heißt Katholiken und Protestanten sollten gleichberechtigt sein, so dass alle administrativen Gremien der Stadt mit Bürgern beider Konfessionen paritätisch besetzt waren.

Rund 100 Jahres später, während des 30-jährigen Krieges, erließ Kaiser Ferdinand II das sogenannte Restitutionsedikt, das die Rückgabe aller protestantisch gewordenen kirchlichen Güter an die katholischen Vorbesitzer festlegte und die Rekatholisierung des Reiches zum Ziel hatte. In Augsburg wurde 1629 den Protestanten die Ausübung ihres Glaubens untersagt. Erst im Westfälischen Frieden 1648 wurde die Parität wieder eingeführt und bestätigt.

Zwei Jahre danach feierten die Protestanten am 8. August die Erhaltung ihres Glaubens mit Dankgottesdiensten in allen Augsburger Kirchen.

Friedensgemälde

Schon seit 1651 entwickelte sich der Brauch, den Schulkindern zum Fest so genannte Friedensgemälde zu überreichen. Die Tradition beginnt mit gedruckten Gebeten, die mit kleinen Kupferstichen geschmückt sind, aber bald wurden daraus Bögen im Folioformat, mit einem Kupferstich in der oberen Hälfte und darunter einem Text, der in gereimter Form den Bildinhalt erläuterte. Überwiegend handelt es sich um Szenen aus der Bibel, daneben treten Motive aus der protestantischen Kirchengeschichte. Erhalten ist eine Folge von 138 graphischen Blättern bis zum Jahr 1789, die in dieser Form einzigartig sind.

Das heutige Friedensfest

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Augsburger Friedensfest abgeschafft und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eingeführt. Durch Landtagsbeschluss wurde es 1949 zum staatlich anerkannten Feiertag im Stadtkreis Augsburg erhoben. 1950 feierte Augsburg den 300. Jahrestag des Friedensfestes.

Der wichtigste Aspekt des Augsburger Friedensfestes ist, dass die Stadt die Erinnerung an die konfessionellen Streitigkeiten, die Parität und den Frieden nach dem 30-jährigen Krieg nicht der individuellen Freiheit überließ, sondern gestaltend in die Hand nahm und der Erinnerung so eine einheitliche und für alle Konfessionen akzeptable Färbung verlieh. Während für die Protestanten das Erringen der Gleichstellung mit den Katholiken in der Erinnerung besonders mitschwang, war es für die Katholiken der Abzug feindlicher Truppen, der als Inhalt des Festes akzentuiert wurde. Mit diesen unterschiedlichen Bedeutungsschwerpunkten konnte die jeweils andere Konfession gut leben.

Erweiterte Bedeutung

Seit 2002 gibt es auch einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst sowie einen ökumenischen Familiengottesdienst. Er knüpft an ein Kinderfriedensfest an, bei dem Augsburger Kinder früher am Sonntag nach dem 8. August einen Dankgottesdienst feierten, weil sie hier in Frieden leben durften. Heute gedenkt man der Kinder und Familien in aller Welt, die keinen Frieden haben, aber sich nach Frieden sehnen.

Seit 2005 richtet der „Augsburger Runde Tisch der Religionen“ die Veranstaltungsreihe Pax aus, die sich mit Fragen des interkulturellen Zusammenlebens und des interreligiösen Dialogs beschäftigt. Alle zwei Jahre wird ein historisches Bürgerfest von Ende Juli/Anfang August bis zum Friedensfest am 8. August begangen.

Seit 1985 wird der Augsburger Friedenspreis im Drei-Jahres-Turnus an Personen vergeben, die besondere Leistungen zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten erbracht haben.

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