Brauchtum im Kölner Karneval

Von Lore Wagener

Der Kölner Rosenmontagszug ist sehr lang und sehr bekannt. Viele lieben dieses fröhlich-bunte Spektakel. Es wird von breiten Bevölkerungsschichten in Köln unterstützt und getragen.

Geschichte

Karneval wird nicht nur mit dem Rosenmontagszug und dem Straßenkarneval gefeiert, sondern auch mit dem Sitzungskarneval oder den Kostümbällen. Der Brauch hat in Köln eine lange Geschichte, die von den Saturnalien der antiken römischen Besatzungsmacht und über das katholisch-christlich geprägte Mittelalter bis hin zur lockeren Franzosenzeit im 19.Jahrhundert reicht. Als Köln im Anschluss daran unter preußische Herrschaft kam, befürchtete man hier ein Verbot des ausgelassenen Treibens durch die disziplinbewussten Preußen. Eine Gruppe von Honoratioren aus der damaligen kölnischen „olympischen Gesellschaft“ gründete daher vorsichtshalber ein festordnendes Komitee, das den kölschen Karneval erhalten und reformieren sollte.

Das Festkomitee

Aus der Neugründung wurde schließlich das „Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823.e.V.“ Zu den Gründern zählte auch der bekannte Kölner Kunstsammler Wallraf. Das Komitee hat noch heute im Kölner Karneval das Sagen. Es ist die Interessenvertretung von mehr als 100 Kölner Karnevalsvereinen und benennt zum Beispiel das Kölner Dreigestirn und das jeweilige Motto, ist für die Organisation des Rosenmontagszuges zuständig und betreut das Kölner Karnevals-Museum.

Das Kölner Dreigestirn

Das Kölner Dreigestirn repräsentiert gemeinsam den Kölner Karneval. Als Dreigestirn wird es offiziell erst seit 1938 bezeichnet.

Seine Tollität Prinz Karneval ist der höchste Repräsentant des Kölner Karnevals. Der Name löste 1871 die Bezeichnung „Held Karneval“ ab, die 1823 eingeführt worden war. Sein Symbol ist die Pritsche.

Der Bauer, als „Seine Deftigkeit“ angesprochen, symbolisiert die Wehrhaftigkeit der alten Reichsstadt Köln. Er steht für die Befreiung Kölns aus der Macht der Erzbischöfe durch den Sieg in der Schlacht von Worringen. So trägt der Burr als Stadtbewahrer auch die Stadtschlüssel an seinem Gürtel.

Die Jungfrau, „Ihre Lieblichkeit“, wird als beschützende Mutter Colonia angesehen und wird immer von einem Mann dargestellt. Sie wurde erst 1870 dem Kölner Bauern zur Seite gestellt. So fahren Bauer und Jungfrau an Rosenmontag immer gemeinsam auf einem prunkvollen Wagen. Bemerkenswert ist, dass dieser Figur ausdrücklich das Tragen von Bart oder Schnäuzer nicht erlaubt ist. Zum Outfit der Kölner Jungfrau gehört eine Krone.

Die Prinzenproklamation

Die Karnevalssession startet jeweils am 11.11. An diesem Tag wird das Dreigestirn dem Kölner Oberbürgermeister im Rathaus und der Kölner Bevölkerung auf dem „Alter Markt“ vorgestellt, In den einzelnen Karnevalsvereinen feiert man auch und stellt hierbei gleich die Lieder der neuen Session vor. Danach ruht das Karnevalstreiben, bis es Mitte Januar so richtig losgeht. Es beginnt mit der feierlichen Prinzenproklamation, in der das neue Dreigestirn durch den Oberbürgermeister proklamiert und das Dreigestirn der vergangenen Session verabschiedet wird.

Der Sitzungskarneval

Nach der Proklamation geht der Stress für die karnevalistischen Vortragskünstle los. Täglich finden in fast allen Sälen der Stadt Sitzungen und karnevalistische Veranstaltungen statt. Sie werden jeweils vom örtlichen Elferrat und seinem Präsidenten geleitet. Die vortragenden Karnevalisten (Büttenredner, Musiker und Tanzgarden) eilen mit ihren Darbietungen nach genauem Zeitplan von einem Saal zum anderen. Auch das Dreigestirn mit seinem prächtigen Gefolge bemüht sich, auf möglichst vielen Veranstaltungen aufzutreten. Darüber hinaus werden kleinere Sitzungen in Altenheimen, Schulen und Krankenhäusern abgehalten, die auch zum Teil vom Dreigestirn besucht werden. So kommt jeder Kölner richtig in Karnevalsstimmung.

Die Veranstaltungen

Mit einem Kostüm in eine andere Identität zu schlüpfen, ist eine reizvolle Sitte des Karnevals. Je näher der Rosenmontag rückt, desto mehr Kölner erscheinen im Kostüm zu den Sitzungen. In den letzten zwei bis drei Wochen gibt es die Maskenbälle, die parallel zu den Sitzungen laufen. Weiberfastnacht wird der Straßenkarneval auf dem „Alter Markt“ eröffnet. Die dortigen Marktfrauen sind hierfür berühmt.

Der Straßenkarneval

Jetzt verlagert sich das Treiben, obwohl auch noch Bälle und Sitzungen stattfinden, hauptsächlich auf die Straße. Karnevalssonntag gehen die Schull- und Veedelszöch durch die Vororte von Köln. Hier können sich alle Schulen und Gruppen, nach Voranmeldung, beteiligen. Alle Teilnehmer tragen eigene Kostüme. Rosenmontag geht dann der „Zoch“ durch Köln. Hier beteiligen sich die dem Festkomitee angeschlossenen Karnevalsgesellschaften. Die prächtigen und humoristischen Festwagen und die Kostüme werden dem jeweiligen Motto angepasst. Am Aschermittwoch ist die „fünfte Jahreszeit“ auch in Köln vorbei und der Alltag beginnt wieder – für viele fromme Kölner mit einem Aschenkreuz auf der Stirn.

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