Geocaching alias Schnitzeljagd

von Anne Pöttgen

Ostereier verstecken und beim Kindergeburtstag eine Schnitzeljagd veranstalten, das gibt es immer noch. Aber wenn Horden von Erwachsenen oder Jugendlichen in Wald und Feld ein GPS-Gerät schwenken und dabei einen versteckten Schatz suchen, dann muss es natürlich einen neuen Namen haben: Geocaching.

Die Suche nach Dosen

Fotograf: Solitude, Lizenz by-sa
Fotograf: Solitude, Lizenz by-sa

Der Weg ist das Ziel beim Geocaching, denn der gesuchte Schatz kann es nicht sein, jedenfalls nicht, wenn man seinen Wert bedenkt. In einer wasserfesten Dose findet man einigen Krimskrams, den man durch einen anderen Krimskrams ersetzen muss.
Das Frühjahr 2000 ist der Beginn der modernen Schnitzeljagd. Ein Mann namens Dave Ulmer versteckte in Oregon/USA irgendeine Kleinigkeit in einer Blechdose, fügte ein Logbuch hinzu, in das sich die Finder eintragen mussten und veröffentlichte die genaue Position auf der Internetseite einer Newsgroup, in deren Bezeichnung die Worte Geo und Satellit vorkamen. Es war der 3. Mai und das ist der Geburtstag des Geocachings. Unerlässlich ist das satellitengestützte Navigationssystem GPS, das wir als Grundlage für unser Navigationsgerät kennen. Damit ist eine Positionsbestimmung auf der Erde auf wenige Meter genau möglich.
Cache, das ist übersetzt ein Versteck, den Begriff kennen wir ja auch von unserem PC, der manches im Cache verborgen hält.

Wie geht’s

Fotograf: Pavel Sevela, Lizenz by-sa
Fotograf: Pavel Sevela, Lizenz by-sa

Auf einer Geocaching-Internetseite die Koordinaten des Schatzes suchen und dann losziehen. Das hört sich einfacher an als es in der Praxis ist: Ein GPS-Gerät gibt immer nur die Luftlinienentfernung an. Dass der Cache vielleicht jenseits einer Autobahn liegt, das sieht man nicht. Es wird daher empfohlen, sich eine topografische Karte des Zielgebiets zu beschaffen.
Ein Logbuch liegt nicht nur in der Schatzkiste, sondern auch auf der Internetseite, und das sollte man vorher ansehen. Vorgänger haben dort vielleicht Tipps hinterlassen. Nun kann’s losgehen. Die Kleidung sollte angemessen sein, wer weiß schon, wie lange es dauern wird, bis das Ziel erreicht ist.
Die letzten 10 bis 30 Meter sind die schwierigste Etappe, man wird nie bis direkt an den Cache geführt – so genau funktioniert GPS nun doch nicht. Ein gutes Auge und viel Fantasie sind hilfreich. Nun noch den Behälter öffnen, die Schätze austauschen, ein paar Bemerkungen ins Logbuch schreiben und alles wieder so gut verstecken, wie man es vorgefunden hat.
Zu Hause dann auch noch den Fund eintragen. Der Owner des Schatzes wird sich freuen, mal wieder von ihm zu lesen.

Selbst etwas verstecken

Fotograf: Pavel Sevela, Lizenz by-sa
Fotograf: Pavel Sevela, Lizenz by-sa

Wer einen Cache versteckt, ist sozusagen der Besitzer, der Owner. Er oder sie hat Verantwortung für diesen Gegenstand. Die Wahl des Platzes ist eine Frage der Fantasie und der Gesetze zum Landschafts- und Naturschutz. Vergraben des Schatzes ist verpönt, manche Vereine verbieten es ihren Mitgliedern.
Was wollen die Schatzsucher wirklich? Sie wollen Abenteuer erleben, ein Rätsel lösen, ein Ziel haben und nicht nur „spazieren gehen“. Frische Luft gehört dazu und viel Grün. Das muss der Owner des Schatzes bedenken. Ein schöner Rundumblick am Platz sollte auch schon sein.
Als erstes wird also über den Platz nachgedacht, dann die Dose gefüllt mit Schatz und Logbuch. Dann geht’s hinaus in die Natur zum Verstecken. Zurück zu Hause werden die Koordinaten des Schatzes auf der Geocaching-Website eingetragen. Ab und zu sollte man selbst den Platz wieder aufsuchen, um zu sehen, ob alles regelgerecht ist.
Auf den Karten der Geocaching-Seiten im Netz sind unendlich viele Punkte zu sehen, die je einen Cache bezeichnen. In Deutschland allein sind es 300.000. Der erste deutsche Cache hat sogar einen offiziellen Namen „First German“.

Cicada 3301

Auf die Spitze getrieben wird das Geocaching – müsste hier eigentlich WEB-Caching heißen - mit Cicada 3301. 2012 erschien eine mysteriöse Nachricht im Netz: „Wir sind auf der Suche nach hochintelligenten Personen. Suche die Nachricht in dieser Nachricht.“ Da wird also nach einem wertvollen Schatz – einer hochintelligenten Person – im weltweiten Web gesucht. Wie?
Bei Heise.de wird darüber berichtet: „Die Schnitzeljagd führte die Suchenden von der /b/-Sektion des Anarcho-Nachrichtenboards 4Chan quer durchs Internet, zu herkömmlichen Telefonanschlüssen mit Bandansagen, an verschiedene reale Orte mit QR-Code-Postern auf der Erde und ins Darkweb. Um die bisher gestellten Rätsel zu lösen, mussten die Jäger mit Steganographie umgehen, Wissen aus der Zahlentheorie vorweisen, sich in Philosophie und Musik auskennen und literarisch bewandert sein. Auch die Zahlensymbolik der Mayas spielte bereits eine Rolle.“
Die Verschwörungstheorien wuchern bereits im Netz. Geheimdienste oder Geheimbünde, vielleicht auch Terroristen sollen am Werk sein.
Gute alte Schnitzeljagd ade.

Kommentare

Kommentar von Erna Subklew |

Der Artikel war noch gar nicht im LC erschienen, da gab es schon einen Toten bei diesem Spiel. Die Frankfurter Neue Presse meldete, dass ein Mitspieler beim Spielen in einen Graben fiel und ertrank.

Kommentar von Eleonore Zorn |

Liebe Anne,

nun habe ich wieder etwas dazu gelernt. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt wie GeoCaching
Danke für den interessanten Artikel.
Eleonore

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