Die Vergangenheit ist lebendig

von Erna Subklew

Das Jahr 2013 begann im Januar mit dem Gedenken dreier  Ereignisse, die für Deutschland beträchtliche Auswirkungen hatten.
 Im Januar 1933 war die Machtergreifung Hitlers, Ende Januar /Anfang Februar ergab sich die 6. deutsche Armee den Sowjets und im gleichen Monat 1963 wurde der Elysée-Vertrag mit Frankreich geschlossen.

Die Machtergreifung

1932 war ich noch ein Kind und hatte von Politik keine Ahnung. Es ist mir aber in Erinnerung geblieben, dass meine Mutter mir sagte, damals spielte man noch viel auf der Straße, wenn ein Aufmarsch durch die Straße zieht, komm schnell nach Haus. Meistens kam es dabei zur Schlägerei.
Vor 80 Jahren, am 30. Januar 1933, gelang es Hitler ins Zentrum der Macht zu gelangen. Von Hindenburg ernannte ihn zum Reichskanzler. Man sagt, in der Absicht, seine Machtgelüste zu zähmen und seine Partei zu entlarven und ihren wahren Charakter aufzudecken. Das gelang jedoch nicht. Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag und Hitler lastete das den Oppositionellen an und verhaftete einige Tausend von ihnen.
Der Reichtagsbrand half Hitler sehr. Über den Reichspräsidenten von Hindenburg konnte er von der Notstandsverordnung gebrauch machen und setzte die Verfassung außer Kraft. Hitler konnte nun gelassen die nächste Wahl abwarten, denn keiner störte mehr seine Propaganda auf Staatskosten.

Die Wahl

Am 5. März 1933 erhielt die NSDAP bei der Wahl 44 Prozent der Stimmen. Da es noch nicht die Mehrheit war, musste Hitler mit der DNVP koalieren. Dennoch war seine Mehrheit so groß, dass er die anderen Parteien, ausgenommen die SPD, dazu bringen konnte, für das Ermächtigungsgesetz zu stimmen, das ihn zum alleinigen Führer machte und den Reichstag abschaffte.
Am 2. August 1934, nach dem Tode von Hindenburg, übernahm er auch das Amt des Reichspräsidenten.
All das geschah vor 80 Jahren, aber die Auswirkungen der Machtübernahme beeinflusst noch heute unsere Politik. Mit Hitlers Machtübernahme begann Deutschlands größtes Unglück.

Stalingrad

Auch mit dem zweiten Gedenktag verbinden sich für mich persönliche Erinnerungen. Vor 70 Jahren, Ende Januar, kapitulierte die 6. Armee unter Generalfeldmarschall Paulus nach einem fünfmonatigen Kampf. 91.000 Wehrmachtsangehörige kamen in sowjetische Gefangenschaft.
Die Stadt Stalingrad war ein rauchender Trümmerhaufen.
Als die Nachricht durch das Radio kam, sagte mein Freund, der im Fronturlaub war: „Das bedeutet, dass der Krieg verloren ist. Die Sowjets sind so gut über die ihnen gegenüber stehenden deutschen Truppen unterrichtet, dass sie deren Führung namentlich zum Überlaufen aufrufen.“ Meinem Freund war dies auch passiert. Eine makabre Situation.
Bei dem Interview eines Historikers im Deutschlandfunk anlässlich des Gedenktages bekam ich diese Aussage bestätigt.

Stalingrad aus russischer Sicht

Obwohl die Schlacht um Stalingrad zu den opferreichsten der russischen Geschichte zählt, wurde das diesjährige Gedenken so groß gefeiert wie noch nie. Für sechs Tage nahm die Stadt, die nach der Entstalinisierung Wolgograd heißt, ihren alten Namen wieder an. Staatschef Putin nahm, genau so wie die noch lebenden  ordengeschmückten Veteranen an den Zeremonien teil. Das russische Fernsehen zeigte einen Film mit dem Titel: „Die Schlacht, die die Welt veränderte.“
Vergessen waren die Toten und Opfer. Stalingrad steht als Zeichen für die Macht und Unbeugsamkeit der russischen Armee und den Opfermut der russischen Soldaten, verkündete das russische Fernsehen Rossija I.
Schon 1961 errichtete man zum Gedenken an diese Schlacht auf dem Mamajew-Hügel eine 87 m hohe Statue einer Frau, die ein Schwert führt. Das Denkmal heißt: „Das Mutterland ruft.“

Der Elysée-Vertrag

Quelle: Süddeutsche Zeitung - Uwe Rucchi/dpa
Quelle: Süddeutsche Zeitung - Uwe Rucchi/dpa

Noch einen wichtigen Gedenktag gibt es im Januar und es ist ein erfreulicheres Gedenken im Vergleich zu den beiden anderen:
50 Jahre Elysée-Vertrag. Ich muss an meine Schulzeit denken. Wir lernten, dass die Erzrivalen in Europa Deutschland und Frankreich sind. Immer wieder gab es Kriege zwischen beiden Ländern und immer wieder musste eines von den Völkern die Schmach des vorhergehenden verlorenen Krieges durch einen neuen Krieg ungeschehen machen. Immer wieder brach eine alte Rivalität auf.
Und jetzt haben wir nicht nur Frieden, sondern einen Vertrag, der vor 50 Jahren geschlossen wurde und der noch immer seine Gültigkeit hat. Die Zusammenarbeit hat sich intensiviert. Der Vertrag ist aber auch nötig, wenn wir zu einem Vereinten Europa kommen wollen.
Daher wurde am 21. und 22. Januar 1963 zwischen dem deutschen Kanzler Konrad Adenauer und dem französischen General de Gaulle in Paris beschlossen, dass auf eine Intensivierung der Versöhnung hingearbeitet und in der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung solidarisch gehandelt werden soll. Die Jugend erhielt in diesem Vertrag eine besondere Rolle.

Den Text des Vertrages finden Sie unter
und unter

Die Stalingrad-Feier in Russland

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