Familie in der Bibel

vom Hildegard Keller

Die Bibel ist die Menschheitsgeschichte mit der Ausrichtung auf  Gott. Dabei sind die Menschen in ihren Familienstrukturen sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament Wegweiser zu der Heilsgeschichte und in ihr.

Die Ehe das Fundament der Familie im AT

Erschaffung Evas
Erschaffung Evas

Im AT war die Familie eine ganzheitlich sozial integrierte Gemeinschaft. Das Leben spielte sich in einem großen patriarchalisch geordneten Verband ab.
Schon zu Beginn heißt es in der Bibel: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Hilfe geben, die ihm entspricht…“ (Gen. 2,18).

Opferung Isaaks
Opferung Isaaks

Der Sinn der Ehe war die Weitergabe von Leben. Kinder wurden als Gabe und Segen Gottes verstanden.
Zunächst wird die Ehe durch das Verbot des Ehebruchs geschützt. Allerdings war die Vielehe erlaubt. Bekannt sind die Familien mit mehreren Ehefrauen von Abraham, Jakob, David und Salomo.
Abraham war mit Sara verheiratet. Da sie unfruchtbar war, stammt sein erster Sohn von der Magd Hagar ab. Als Sara durch Verheißung dennoch einen Sohn bekam (Isaak) verstieß sie Hagar. Die Konflikte einer „Patchworkfamilie“  traten also bereits im AT auf.

Familienstruktur im AT

Im Schöpfungsbericht gebietet Gott den ersten Menschen Adam und Eva: „Wachset und mehret euch“ Damit waren Sinn und Zweck der Ehe festgelegt. Durch die Kinder wurde die Ehe zur Familie
Die Familie hatte einen mächtigen Familienvater (Beispiel Abraham), der dem „Vaterhaus“ vorstand. Zum Verband gehörten die Frauen, die Nebenfrauen, die Knechte und Mägde, die Sklaven und Sklavinnen.
Die Ehe wurde im Judentum sogar zur Pflicht. „Nach rabbinischer Ansicht übertritt ein Gebot Gottes, wer mit 20 Jahren noch nicht verheiratet ist“
(Nach Holze: Die Familie in der Bibel).

Ehescheidung im AT

Obwohl die Ehe auf Dauer angelegt war, gab es für Männer die Möglichkeit durch einen Scheidebrief die Ehe aufzulösen.
Die Gründe, die zu einer Scheidung berechtigten waren allerdings nicht eindeutig und ermöglichten verschiedene Auslegungen. Eine konkrete Scheidung wird in der Bibel nicht erwähnt. Allerdings werden bei Maleachi (2,14) dem Volk die Scheidungen von Gott als Fehler vorgeworfen: „Weil der Herr Zeuge war zwischen dir und dem Weibe, dem du treulos geworden bist…“.

Erziehungsaufgaben im AT

Das Paschamahl/Letztes Abendmahl
Das Paschamahl/Letztes Abendmahl

Eine wichtige Aufgabe der Familie war die Erziehung der Kinder. Dazu gehörte die Weitergabe der Religion und Ethik.
So gebot Moses den Ältesten, den Kindern und Nachkommen zu erklären, woher das Paschamahl kommt, was beim Auszug aus Ägypten geschah (Ex. 12,21-28), was das Fest der ungesäuerten Brote bedeutet.

.Aus den 10 Geboten lassen sich Werte und Tugenden ableiten, die wichtig sind, wenn Eltern ein gutes Vorbild sein wollen. So zum Beispiel:
-Gott als oberste Priorität (1. Gebot)
-nur Gott anbeten (2. Gebot)
-Leben schützen, Rücksichtnahme (6. Gebot)…
Die Einführung in die Gesellschaft und in das Rechtswesen waren weitere Erziehungsaufgaben im AT.

Die Familie im NT

Die Heilige Familie bei der Arbeit
Die Heilige Familie bei der Arbeit

Im NT finden wir die Familie als Kernfamilie und Großfamilie.
Zur Kernfamilie gehörten Vater, Mutter, Kinder. Verlässt der Sohn die Familie um eine Frau zu heiraten, gründet er eine neue Kernfamilie
Zur Großfamilie gehörten Frauen, Nebenfrauen, Mägde, Sklaven, Sklavinnen.
Jesus zeigt davon abweichend den Extremfall: Die Auflösung der Familienbande zugunsten der geistigen Gemeinschaft: “Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“ ( Mk 3, 31 – 35).

Ehescheidung im NT

Im Neuen Testament bezieht sich Jesus (in Mt 19,3-6) auf die göttliche Stiftung der Ehe nach Gen 2,24. „Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden …“
Die Frage der Pharisäer, warum Moses die Scheidung erlaubt habe, begründet Jesus mit der Herzenshärte der Menschen.
Im Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen zeigt Jesus allerdings Verständnis für die Ehebrecherin und konfrontiert die Pharisäer mit ihren eigenen Sünden (Joh. 4,1 – 30): Trotz der fünf Männer, die die Ehebrecherin hatte und dem einen Mann, mit dem sie unverheiratet zusammenlebte, bietet er ihr das Wasser des ewigen Lebens an. So gewinnt er sie als Nachfolgerin. Den Pharisäern aber spricht Jesus das Recht ab, sich über die Frau zu erheben. „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“ (Joh 8,7). Damit zeigt Jesus ganz deutlich, dass er Ehebruch nicht für schlimmer hält als andere Sünden.
Mit dieser Geschichte zeigt Jesus sein Verständnis für menschliche Situationen.

Bedeutung der Kinder im NT

Erweckung der Tochter des Synagogenvorstehers
Erweckung der Tochter des Synagogenvorstehers

Für Jesus waren die Kinder wichtig; für die Gesellschaft waren sie lediglich kleine, unmündige Wesen.
Im NT finden wir viele Beispiele von der Kinderfreundlichkeit Jesu: Beim Rangstreit der Jünger stellt Jesus ein Kind als Vorbild in die Mitte: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich eingehen …“ ((Mt 18,3f.).
Die Geschichte von der Kindersegnung gibt Zeugnis von der Wertschätzung der Kinder durch Jesus. Er weist die Jünger zurecht, weil sie die Kinder abweisen wollen. Er nimmt die Kinder an, umarmt und segnet sie.
Jesus weist aber auch auf die Verpflichtung zur Elternehrung hin. Den Pharisäern und Schriftgelehrten sagt er ganz unmissverständlich, dass das Opfergeld zuerst der Versorgung der Eltern diene und erst dann als Opfergabe verwendet werden dürfe.
In den Wundergeschichten spielen Kinder eine große Rolle. Folgende Beispiele beweisen dies:
-Die zwölfjährige Tochter des Synagogenvorstehers erweckt Jesus.
-Den einzigen Sohn der Witwe erweckt er.
-Den Sohn des königlichen Beamten heilt er aus der Ferne.

Eltern und Kinder im NT

Der Gehorsam der Kinder gegenüber den Eltern wird im vierten Gebot gefordert.
Für die Eltern heißt es im Epheserbrief 6,4 „Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn“. Gemeint ist Erziehung durch Güte, Milde und Barmherzigkeit im Sinne der Erziehung Gottes..
Nach biblischem Verständnis gehört zur Erziehungsaufgabe die Weitergabe religiöser Traditionen und ethischer Werte. In unserem Zeitalter der Umbrüche, Globalisierung und damit bedingter Veränderungen ist das eine schwierige Aufgabe.

Literatur, auf der dieser Beitrag hauptsächlich basiert:
Die Familie in der Bibel von Michael Holze.
Holze: Die Familie in der Bibel - SMD

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