Familien-Porträts

von Anne Pöttgen

Große Familien in Politik, Industrie und Geschichte, mit ihren Namen verbinden wir sofort ein bestimmtes Thema. Papst Alexander der VI. und der Nepotismus, die Hohenzollern und unser letzter Kaiser, Rothschild und Geld, Krupp und industrielle Revolution.

Eine Herrscherfamilie, die Hohenzollern

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Wie passt das zusammen, die Burg Hohenzollern weit im Süden Deutschlands und das preußische Herrscherhaus in Berlin und Potsdam? Die ersten Hohenzollern, 1061 sollen sie zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden sein, lebten in der Burg auf diesem malerischen Hügel. Leider ließen ihre Nachfahren sie verkommen, so dass sie Anfang des neunzehnten Jahrhunderts als Ruine da stand. Nun macht sie in ihrem Aussehen den diversen Schlössern Ludwigs des II. Konkurrenz.
Da sind die Schlösser der preußischen Linie schon seriöser. Allerdings verdankte sie dem Berg nahe der schwäbischen Alb ihren Namen. Diesem Zweig der Familie Hohenzollern wurde 1411/12 die Kurwürde Brandenburgs verliehen, ihre Herrschaft währte bis zum Jahr 1918. Seit 1625 gehörte Preußen zum Land Brandenburg, erworben durch Erbschaft. Am Beginn des Aufstiegs dieses Hauses steht der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620 bis 1688). Sein Sohn war der erste König in Preußen. Aber ihr glänzendster Vertreter ist natürlich Friedrich II, der Große (1712 bis 1786), der Preußen endgültig unter die Großen des Römischen Reiches Deutscher Nation einreihte.

Die Borgia-Päpste und der Nepotismus

Renaissancefürst, Vater zahlreicher Kinder, einer der reichsten Männer Europas und Papst: Alexander VI. Geboren 1430 als Rodrigo de Borja in Játiva in Spanien. 1456 Kardinal – ohne schon Priester zu sein – und 1457 Vizekanzler im Vatikan, berufen durch seinen Onkel, Papst Kalixt III. Seine langjährige Erfahrung als Vizekanzler und sein Geld verhalfen ihm 1492 dazu, Papst zu werden wie sein Onkel Kalixt vor ihm.
Dass Kalixt III. in den schwierigen Zeiten nach dem Schisma der katholischen Kirche Verwandte und Verschwägerte zu seinem Schutz um sich scharte, war nicht weiter verwunderlich, aber: „Man hat ausgerechnet, dass dieser erste Borgiapapst im ganzen 310 Spanier versorgte, großenteils in Valencia“ (Schüller-Piroli).
Sein Neffe war nicht weniger freigiebig, allerdings nicht immer auf eigene Kosten, seine Gegner büßten häufig nicht nur ihr Leben sondern auch das gesamte Hab und Gut ein. Unter seinen zahlreichen Kindern sind Caesar Borgia und seine Schwester Lukrezia die bekanntesten. Beide im Dienst des Papstes, Caesar als Kardinal, später als General und Lukrezia durch ihre Heiraten.

Politik – der Kennedy-Clan

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Bis heute lesen wir Nachrichten mit dem Namen Kennedy, doch es sind nicht mehr politische Erfolge sondern Todesnachrichten: Unfälle, Selbstmorde, Mord. Oder auch Skandale, wobei wohl der bekannteste der von Edward Kennedy, dem Bruder des früheren Präsidenten, war: in seinem Auto starb eine Wahlkampfhelferin. Er selbst starb 2009, als vorletztes Kind der „Gründer“-Eltern des Kennedy-Clans.
1914 heiratete Joseph Kennedy, Sohn eines US-Senators, Rose Fitzgerald, die Tochter des Bostoner Bürgermeisters. Politik war Familienthema. Wie groß und verzweigt die Familie ist, deren Voreltern Joseph und Rose Kennedy sind, lässt sich im Internet nachlesen.
Als Sohn irischer, katholischer Einwanderer fand Joseph K. nicht die gesellschaftliche Anerkennung, die er sich wünschte. Dafür sollten seine Kinder sorgen. Joseph starb früh, so blieben John, Robert und Edward. John Fitzgerald Kennedy wurde Präsident, 1963 ermordet. Robert sollte Präsident werden, aber 1968 als Justizminister ermordet. Ihr Vater stirbt 1969.
Die nächste Generation findet sich in der Liste der Tragödien, nicht im politischen Leben.

Rom - die Julisch-Claudische Dynastie

Kaiserliche Familie, ara pacis, Foto MM Lizenz by-sa
Kaiserliche Familie, ara pacis, Foto MM Lizenz by-sa

Um die Zeitenwende herrschte in Rom die Julisch-Claudische Dynastie. Von 30 v. Chr. bis 68 n. Chr. Die Verbindung zwischen den Familien Julius und Claudius ergab sich durch mehrere Adoptionen.
Gaius Julius Caesar hatte keine Nachkommen und adoptierte den Sohn einer Nichte: Gaius Julius Caesar Octavianus, den späteren Kaiser Augustus. Dieser hatte keine Nachkommen, die er für würdig hielt, seine Nachfolgerschaft anzutreten, er adoptierte die beiden Söhne seiner Frau Livia Drusilla, die aus deren vorheriger Ehe mit Tiberius Claudius Nero stammten. So kamen die beiden Familien Julius und Claudius zusammen. Tiberius wurde sein Nachfolger als Kaiser.
Auch Tiberius hatte keinen Sohn und so wurde ein Onkel sein Nachfolger: Tiberius Claudius Nero, wir nennen ihn Kaiser Claudius.
Ihm folgte Caligula, geboren als Gaius Julius Caesar, ein echter Neffe von Claudius. Seine Mutter war Agrippina die Ältere, eine Tochter der Julia, Tochter des Augustus. Köln verdankt ihr seinen Namen colonia claudia ara agrippinensium.
Mit dem Neffen Caligulas, Nero, endete 68 n. Chr. die Dynastie.

Haus Rothschildt, Familie und Bankhaus

Gründerhaus in Frankfurt
Gründerhaus in Frankfurt

"Geld ist der Gott unserer Zeit, und Rothschild ist sein Prophet" so Heinrich Heine.
Dabei lag der Beginn dieses Hauses im Ghetto der Stadt Frankfurt. Der Münzhändler Mayer Amschel Rotschild war der Gründer. Seine Söhne und Enkel lebten bereits auf Schlössern und gehörten zu den reichsten Männern Europas. Die Aufnahme in den Adel ließ nicht auf sich warten, de Rothschild in Frankreich, ein Enkel Peer von England seit 1885.
Die industrielle Revolution in Europa wollte finanziert werden, aber auch Königshäuser brauchten die Hilfe der Rothschilds. Sie füllten die Kriegskassen und „ohne sie scheint keine Macht in Europa Krieg führen zu können“, so der Fürst von Pückler-Muskau.
Es gab fünf Niederlassungen in Europa, jeweils geführt von einem der Söhne: London, Paris, Wien, Frankfurt und Neapel. Frauen hatten im harten Bankgeschäft nichts zu suchen. Die Aufteilung innerhalb Europas verhinderte, dass das gesamte Imperium bei einem Börsencrash ruiniert war. 1836 und 1848 waren solch schwarze Jahre.

Industriekapitäne - die Familie Krupp

Foto Dominik Wesche, Lizenz by-sa
Foto Dominik Wesche, Lizenz by-sa

Bergbau, Eisenbahn und Kanonen verhalfen der Firma Krupp, Essen, zu ihrem sagenhaften Aufstieg. Zeitweise war sie das größte Unternehmen Europas.
Alfred Krupp (1812 bis 1887) musste in ganz jungen Jahren die Firma leiten, er war erst 14 Jahre alt, als sein Vater starb. In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann der Aufstieg der Firma. 1875 konnte die Familie die prunkvolle Villa Hügel als Zeichen des Erfolgs bauen.
Sein Sohn Friedrich Alfred (1854 bis 1902) war derjenige Krupp, der das meiste soziale Engagement zeigte. Die Wohnungen für seine Arbeiter waren beispielhaft.
Seine Tochter Bertha Krupp heiratete den Diplomaten Gustav von Bohlen und Halbach, der nach der Heirat seinem Namen den der Krupps anfügen durfte. In der Firma, inzwischen eine AG, war er Aufsichtsratsvorsitzender. Mit Bertha hatte er acht Kinder, von denen aber nur der älteste Sohn Alfried eine Rolle spielen und den Namen Krupp weiter führen durfte. Was ihm 1945 einige Jahre Gefängnis einbrachte. Seine Firma war den Siegern zu erfolgreich gewesen.
Sein Sohn Arndt verzichtete auf sein Erbe, die Firma gehört heute einer Stiftung.

Kommentare

Kommentar von Dominik Weche |

Vielen Dank für das Bildzitat! Ich freue ich sehr, damit etwas zu diesem sehr informativen Text beizutragen ;-)

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