Vom Buchdruck zum Internet

von Margret Budde

Es ist ein Bedürfnis der Menschen, sich mitzuteilen. Ebenso wichtig war damals auch, Daten festzuhalten und weiterzugeben. Der Druck war bis Mitte des 20. Jh. das wichtigste Werkzeug, der Nachwelt das Wissen zu erhalten. Heute hat das Internet diesen Platz in der Datenverwaltung eingenommen.

Wikimedia; gemeinfrei
Wikimedia; gemeinfrei

Entstehung der Schriften
Die Menschen begannen mit einfachen bildlichen Darstellungen, Gegenstände aus dem täglichen Leben zu dokumentieren. In Höhlen- und Wandzeichnungen aller Kulturen der Erde wird durch die unabhängig voneinender entstandenen Schrift- oder Zeichentypen die Entwicklung der einzelnen Völker überliefert. Mit Federkielen, Holzstäbchen, Knochen und anderen spitzen Gegenständen wurden die Zeichen in weichen Ton, Steine, Pflanzenteile oder Holz geritzt.
keilschrift.jpg; Wikimedia; gemeinfrei
Sowohl die Keilschrift der Sumerer 2900 v. Chr. In Mesopotamien als auch die Hieroglyphen der Alten Ägypter 3300 v. Chr. zeugen von einer hohen Schriftkultur, die zu damaliger Zeit nur der Elite vorbehalten war.

Warum Aufzeichnungen

Die auf Tontafeln, Lederteilen, Knochen, an Höhlenwänden und anderen Gegenständen gefundenen Darstellungen zeigen Daten über den Handel mit den täglichen Gütern aber auch Überlieferungen über Regelungen in der Gemeinschaft. Daraus kann man schließen, dass bei den Sumerern schon Kenntnisse über Handel und Buchführung ebenso über eine Ordnung im Gemeinwesen vorhanden waren.

Möglichkeiten der Niederschrift

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Zeichen verfeinert. Man wies ihnen unterschiedliche Bedeutungen zu und es entwickelte sich schließlich das Alphabet. Anfang des 9. Jh. gelangte erstmals das Wissen über die Papierherstellung von China nach Cordoba in Spanien, den damaligen Mittelpunkt der europäischen Kultur. Die Menschen begannen, das aufzuschreiben, was sie sich erzählten. Sie verfassten die ersten Schriften. Einfache Gegenstände tauchten sie in die mit Pflanzenfarben eingefärbten Flüssigkeiten und schrieben ihre Gedanken auf Blätter, Häute und alles, was sich dazu anbot. Mit der Erfindung des Papiers war ein ähnlich bedeutender Meilenstein erreicht, wie Mitte des 15. Jh. mit der Erfindung des Buchdrucks. Seitdem nun die Papierherstellung immer einfacher wurde, konnten die Schreiber an Herrschaftshäusern und Klöstern die heute als bibliophile Kostbarkeit geltenden Exemplare herstellen, die nur noch unter Glas gelagert und zu besichtigen sind.

Der Buchdruck – eine geniale Erfindung

Mit der Erfindung des mechanischen Buchdrucks Mitte des 15. Jh. mit den einzeln zu verwendenden Lettern durch Johannes Gutenberg konnten die wichtigen Lehrbücher in größerer Auflage hergestellt werden. Neue Ideen fanden durch den massenhaften Druck schnelle Verbreitung und der Zugang zum kollektiven Weltwissen war somit eröffnet. Handel und Wirtschaft verzeichneten einen schwungvollen Auftrieb, die Städte wuchsen. In allen Westeuropäischen Ländern fand ein Strukturwandel auf breiter Ebene statt, was die gesamte Zivilisation in diesen Ländern nachhaltig veränderte.

Entwicklung der Medien

Entwicklung der Medien; C. Richter, genehmigt
Entwicklung der Medien; C. Richter, genehmigt

Um sich einen Überblick über die einzelnen Entwicklungen im Bereich Medien zu verschaffen, sei diese übersichtliche und selbsterklärende Statistik eingefügt, die mir mit freundlicher Genehmigung des Publizisten Claus Richter zur Verfügung gestellt wurde. Sie zeigt Daten auf bis heute.

Das Internet – eine revolutionierende Erfindung

An den Beginn des neuen "Zeitalters des Internet" in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kann ich mich noch genau erinnern. Alle hatten wir über die Neuerungen, die auf uns zukommen würden, schon gehört. Aber nur wenige konnten etwas damit anfangen. Die Informationen flossen spärlich und auch widersprüchlich. Während die einen vom Fortschritt sprachen, warnten die anderen vor den Tücken und Gefahren, die hier lauern. Was mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist, waren die Sorgen der Drucker und Setzer, der Lektoren und Verlage, ja der gesamten Branche, die mit der Herstellung eines Buches, einer Zeitung im Zusammenhang standen. Die unausweichliche große Massenarbeitslosigkeit war tägliches Gespräch. Es herrschte Sprachlosigkeit über den Wegfall der seit fast vierhundert Jahren bewährten Berufe. Niemand wusste so recht, wie man mit dieser revolutionären Weiterentwicklung umgehen sollte, sie war noch nicht genug erprobt, um von der breiten Öffentlichkeit akzeptiert zu werden. Es war ein echtes soziales Problem.

Entwicklung dieser Neuerung

In den 1960er Jahren wurden die technischen Grundlagen durch die US-amerikanische Armee für Rüstungszwecke gelegt und nachfolgend durch Unterstützung einiger Universitäten weiterentwickelt. Seit der Erfindung des WWW 1989 durch den Briten Tim Berners-Lee in der Schweiz konnte das Internet auch weiterverbreitet werden. Die ersten Browser kamen auf. Mit einer grafischen Oberfläche wurde nun auch eine größere Nutzungsmöglichkeit für die Privatanwender geschaffen. Heute werden die Datennetze laufend erweitert, sodass einer Verbindung mit anderen Personen oder Gemeinschaften überall auf der Welt ohne Schwierigkeiten über das Internet keine Grenzen mehr gesetzt.

Chancen und Probleme des Fortschritts

An dieser Stelle möchte ich einmal an die vielen Neuerungen, die wir einzelnen in unserem Leben hausnah miterlebt haben, erinnern. Alle waren mit positiven und auch negativen Auswirkungen besetzt. Aber kaum jemand möchte heute auf den Fortschritt verzichten. Denken wir allein an die Petroleumlampe oder das Auto. Jeder Fortschritt hat seinen Preis – aber es ist und bleibt immer ein Fortschritt. Seit der Umstellung vom Buchdruck zum Internet sind zwar jahrhundertealte Berufe ausgestorben. Aber ohne diese Ausgangssituation hätten sich die heutigen weltweit begehrten vielseitigen Berufssparten in der IT-Branche nicht entwickeln können.

Verändert das Internet unser Leben?

Wie verliefe unser Leben ohne das Internet? Es ist aus dem täglichen Leben schwerlich wegzudenken. Nutzten 2010 nur 69,4 % der deutschen Bevölkerung das Internet, so erhöhte sich die Zahl 2011 schon auf 73,3 %.
Teilt man die Zahlen in die verschiedenen Altersstufen auf, so wird ein Gefälle von Jung zu Alt sichtbar. Die 14 – 19-Jährigen nutzen es zu 100 %, die 50 – 59-Jährigen noch zu 69,5 %. Die Zahl nimmt gravierend ab mit 35,4 % der über 60-jährigen Nutzer.
Jüngere werden andere Themen suchen als ältere Menschen, und jeder nach seinen eigenen Interessensgebieten. Aber alle profitieren von der Fülle an Angeboten, dem schnellen Austausch und der Tatsache "jeder mit jedem".

Verantwortung des Menschen

Diese Möglichkeiten, sich mit allen Menschen überall auf der Welt zu verbinden, mit allen sein Wissen zu teilen, verlangt Verantwortung von jedem, der daran teilnimmt. Verantwortung gegenüber den anderen Menschen, denn es kann ein Machtwerkzeug darstellen. Aber besonders sich selbst gegenüber, um sich nicht darin zu verlieren.
Der Fortschritt wird weitergehen, und ob wir eine weitere gravierend andere Entwicklung noch erleben, die die Menschheit so weitgehend verändert, ist fraglich.

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