Die Pünktlichkeit und ich

von Erna Subklew

Welches Sprichwort für meine Verhaltensweise zuständig ist, weiß ich nicht. Da aber Prof. Mieder sagt, dass die Sprichwörter unbewusst in uns schlummern, wird schon eins für mein Verhalten zuständig sein.

Nein, ich will nicht davon erzählen, wie unpünktlich ich bin, das bin ich gar nicht. In meinem Leben bin ich nur zweimal wirklich zu spät gekommen.
Das eine Mal ging ich noch in die Grundschule, in die zweite Klasse. Es muss wohl kurz nach meinem siebten Geburtstag gewesen sein, denn ich hatte ein neues Buch bekommen, und wann bekam man das früher schon einmal.
Jedenfalls war ich auf dem Weg zur Schule und hatte mein neues Buch mitgenommen und las eifrig darin. Dabei merkte ich gar nicht, dass kein Kind mehr in Richtung Schule ging. Und als ich es merkte, nämlich als ich vor der Klassentür stand, war die schon geschlossen und dahinter murmelte es leise. Die Kinder waren bereits beim Morgengebet, wie das früher so üblich war. Ich musste allen Mut zusammen nehmen, um anzuklopfen und Einlass zu finden.

Das zweite Mal

Das zweite Mal wollten wir von der U3L den Hessischen Landtag besuchen und ich sah wirklich nur noch die Abgase aus dem Auspuff des Busses kommen. Aber wir haben ja in Hessen ein gut ausgebautes Öffentliches Verkehrssystem, und ich kam gar nicht einmal viel später als der Bus in Wiesbaden an.
Ich hasse es einfach, zu früh zu kommen und nutzlos herumzusitzen. Deswegen komme ich wirklich fast immer auf den „letzten Drücker“ wie man das so schön sagt.
Das ist natürlich auch in der Kirche so.
Wenn ich auf „meinen“ Platz will, muss ich immer an der Orgel vorbei. Eines Sonntags kam ich wieder so überpünktlich. Der Pfarrer und die Ministranten standen schon bereit, die Kirche zu betreten, als ich am Organisten vorbei huschte. Der sagte da ganz vernehmlich: Die Frau Subklew ist da! Wir können anfangen und begann zu spielen.

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