Ich wünsche dir Zeit

von Margret Budde

Mit diesem Gedicht hat Elli Michler vielen Menschen Trost spenden können.
Sie selbst kann aus Gesundheitsgründen keine Anfragen mehr bearbeiten.
Daher hat sie mir über ihre Tochter die Erlaubnis gegeben, das Gedicht im LernCafe zu veröffentlichen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Der Don Bosco Verlag hat uns eine kostenlose Lizenz erteilt.


Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

Aus: Elli Michler, "Dir zugedacht",
Wunschgedichte

© Don Bosco Verlag, München 2010, 20. Auflage
www.ellimichler.de

Kommentar von Alexander Lutzius |

Zeit

Schrankenlose Gemeinsamkeit, grenzenlose Verbundenheit in
Schillers „Hymnus an die Freude“ haben ihre Wurzel in der
Menschenliebe, die „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich
selbst“ im Hymnus „Seid umschlungen Millionen“ zur Vollendung
drängt.
Das ist eine lange Zeit, wenn man mit „Millionen“ an die gesamte
Menschheit denkt. Für das Individuum eine kurze, begrenzte Zeit,
wenn man an die Vervollkommnung des Menschen nach vielen
Wirren und Irrungen in seinem kurzen Leben denkt, das zu werden,
das er in seinem tiefsten Wesen sein soll und ist: Ebenbild Gottes,
seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Alexander Lutzius

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