Zeit in der Bibel

von Hildegard Keller
„Was ist Zeit? Wenn mich jemand fragt, weiß ich es. Will ich es einem Fragenden erklären, so weiß ich es nicht“ (Augustinus).
Für unser Denken unfassbar: Ewigkeit ist Anfangslosigkeit und Endlosigkeit.
Und was sagt uns die Bibel?

Zeit in der Bibel

Bibel Altes und Neues Testament, Quelle Money/pixelio.de
Bibel Altes und Neues Testament, Quelle Money/pixelio.de

Wie können wir trotz der angesprochenen Schwierigkeiten den Zeitbegriff im biblischen Sinn verstehen und erklären, damit wir uns und das Geschehen um uns in unser Weltbild einordnen können?
Im Psalm 90, 2. 4 sagt der Psalmist über Gottes unfassbare Ewigkeit „   denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag“.
Für den Begriff Zeit werden sowohl im Alten Testament (AT) wie im Neuen Testament (NT) je nach Bedeutung hebräische beziehungsweise griechische Wörter verwendet. Für unser Verständnis der biblischen Zeit wurden in diesem Beitrag die Begriffe Chronos und Kairos  ausgewählt.

Chronos (die messbare Zeit)

Sonnenuhr, Quelle Martin Genter/pixelio.de
Sonnenuhr, Quelle Martin Genter/pixelio.de

 Chronos ist der Name für die Zeit von Gottes Herrschaft. Für den Menschen ist diese Zeit physikalisch messbar .Sie unterliegt strengen physikalischen Gesetzen, wie etwa dem ständigen Fortschreiten und der Unumkehrbarkeit. Mit der Erschaffung der Materie wurde die Zeit ins Leben gerufen:
Gott nimmt in der Schöpfungsgeschichte unser menschliches Zeitmaß in Anspruch. Der Tag und die Nacht sind die biblischen Erklärungen für das Geschehen bei der Erschaffung der Welt.
Es wird ganz genau gesagt, was ein Tag ist.
In Mose 1,14 etwa heißt es: „Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht…“
Das Messinstrument für Chronos ist  die Uhr.
Wir kennen in unserem Sprachgebrauch die Chronik, den Chronometer, die chronischen Schmerzen.
Die chronologische Zukunft unserer Erde ist begrenzt. Dafür gibt es in der Bibel Hinweise, zum Beispiel Mat. 24,35 Himmel und Erde werden vergehen…
Seit Einsteins Relativitätstheorie wissen wir: Raum, Zeit und Materie sind ein unauflösliches, wechselwirkendes Ganzes.

Kairos (Gottes Zeit)

Gottes Zeit ist Ewigkeit  Quelle Martin Genter/pixelio.de
Gottes Zeit ist Ewigkeit Quelle Martin Genter/pixelio.de

Kairos hat im Griechischen eine ganz andere Bedeutung als Chronos. Im Gegensatz zum Chronos unterliegt Kairos nicht den Einschränkungen von Raum und Zeit. Gott misst die Zeit nicht nach Sekunden, Stunden, Tagen.
Die Begriffe Vergangenheit und Zukunft kennt Gottes Zeit nicht. Gott übersieht die Zeit mit einem einzigen Blick. Psalm 90,4 „Denn 1000 Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist und wie eine Nachtwache…“.
Mit Kairos ist also eine Zeit gemeint, die alles Geschehen zugleich erfasst. Kairos ist die mit Werten und Inhalten gefüllte Zeit. Es sind die besonders qualifizierten Zeiten, die sich von der üblichen Zeit unterscheiden. Das Leben verdichtet sich im Glück oder Unglück.
„Von Gott kommt alles, durch Gott lebt alles, zu Gott geht alles."
Röm 11, 36.

Ewigkeit - Ewiges Leben

Ewigkeit ist kein eindeutiger Begriff. Sie wird ganz unterschiedlich verstanden, entweder als das Gegenteil von Zeit oder aber als grenzenlose Zeit. Eine besondere Sichtweise hat der Existenzialismus. Ewigkeit wird als eine nicht zu überbietende Tiefe des Augenblicks gedeutet: Der glückliche Augenblick kennt kein Vorher  und Nachher.
Das biblische Verständnis der Ewigkeit unterscheidet sich von diesen Vorstellungen. Die biblische Sichtweise ist theozentrisch, das heißt die gesamte Lebens- und Denkweise stellt Gott in den Mittelpunkt. Er ist sozusagen der eigentliche Inhalt der Ewigkeit. Gott ist alles in allem. Nicht die Dauer ist entscheidend, sondern das immerwährende Sein. Was Ewigkeit ist, werden wir nach 1Johannes 3,2 erfahren, wenn wir Ihn (Gott) sehen.

Der Mensch in der Zeit

Das Leben ist vielfältig. Quelle Dieter Schütz/pixelio.de
Das Leben ist vielfältig. Quelle Dieter Schütz/pixelio.de

Unsere menschliche Existenz ist in einen bestimmten Zeitabschnitt eingebunden. Darin geben wir unserem Leben Sinn und Erfüllung.
Durch seinen Glauben ist der Mensch aber auch überzeugt, dass seine Endlichkeit mit der Ewigkeit verbunden ist.
Durch diese Bindung in zeitliche Abläufe und das Übergehen in die Welt des Glaubens stellt sich die Frage: Wie ist meine irdische Zeit mit der Ewigkeit verknüpft?
In meinem Leben gibt es Zeiten, die von Gott festgelegt sind. Diese sind von menschlicher Beeinflussung ausgeschlossen.
Die Zeit des Alterns gehört dazu. In die Zeit des Gebärens und die Zeit des Sterbens allerdings greift der Mensch unserer Zeit immer häufiger ein. Positive und negative Auswirkungen sind dadurch Gegenstand ständiger Diskussionen.
In manchen Situationen erfordert dies von uns Entscheidungen, die an die Grenzen der Belastbarkeit gehen, etwa bei der Frage: Inwieweit nehmen wir die Dauer unseres Lebens noch als eine von Gott gegebene Zeit an?
Oder: Sind wir davon überzeugt: Unsere Zeit liegt in Gottes Händen?

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