Natur und Mensch im Lauf des Jahres

von Elisabeth Grupp

Wir leben in einem Teil der Welt, in dem die Natur uns durch ihren Wechsel fasziniert und dieser Wechsel ist auch für uns Menschen gut.

Frühling, Zeit des Erwachens

by_dagmar zechel_pixelio.de
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Ich bin das ganze Jahr vergnügt
im Frühling wird das Feld gepflügt.
Dann steigt die Lerche hoch empor
und singt ihr frohes Lied mir vor

Wie angenehm fühlt man nach den lichtarmen Wintermonaten die zaghaft erscheinende Sonne, die    langsam an wärmender Kraft gewinnt. Die Tage werden länger, das Erwachen der Natur lässt sich nicht mehr aufhalten. Durch die Sonnenbestrahlung beginnt die Erde zu riechen, kleine Sprossen zeigen sich und erfreuen durch ihren Anblick. Bald hört man die ersten feinen Vogelstimmen.

Der Lenz ist da

by_Joujou_pixelio.de
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Bei schönem Wetter öffnet man die Fenster, Türen und vor allem die Herzen und da sieht man, von der Sonne beleuchtet, all den Staub und den Schmutz, der sich über den Winter angesammelt hat. Die Aktivitäten beginnen in Haus und Garten sowie am Menschen selber. Ein emsiges Planen und Arbeiten beginnt. In diese Zeit fällt das Osterfest, manchmal zeitgleich mit dem Passahfest.
Ostern war einstmals als Passahfest das Frühlingsfest der Israeliten. Später wurde es zum christlichen Osterfest, dem Fest des Auferstandenen, der den Tod für alle Zeit überwunden hat.     Ich erinnere mich aus meiner Kindheit, dass jüdische Frauen nach ihrem Großputz meiner Mutter ihr restliches Brot gebracht haben. Denn zu ihrem Fest wurde das ganze Haus gereinigt und kein Brot durfte im Haus verbleiben. Es waren die Tage der ungesäuerten Brote.
Aber nicht nur im Haus und Garten wird gearbeitet, auch Bachläufe werden gesäubert und Sträucher zurückgeschnitten. Dem Erwachen der Natur und der Blüte steht nichts im Wege! Der erste Kaffee oder Cappuccino unter freiem Himmel, der erste Gang in die Stadt mit Sommerhut, die Temperaturen kündigen den Frühling an und füllen sofort die Stühle und Tische in den Cafés und Restaurants. Bei anhaltendem schönen Wetter öffnen bald die Freibäder ihre Tore.

Sommer, Zeit der Reifens

by_Renate Tröße_pixelio.de
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Und kommt die liebe Sommerzeit
wie hoch ist da mein Herz erfreut.
Wenn ich vor meinem Acker steh'
und so viel tausend Ähren seh'

Manchmal ohne Übergang kommen wir in die wärmste Zeit des Jahres. Der Sommer beginnt mit der Sommersonnenwende, an der die Sonne senkrecht über dem Wendekreis steht. Die Nächte sind kurz und die Tage lang. Wärme, Wind und Regen im Wechsel schenkt Gedeihen den Feldern und Reichtum den Reben. Die übergroße Hitze macht den Menschen zu schaffen. Umso mehr wird der Abend ersehnt, der etwas Kühlung bringt. Garten- und Straßenfeste, sowie ein Aufenthalt in der üppigen Natur vermitteln Freude in geselliger Runde.

by_Günther Schad_pixelio.de
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Mitte August, zum Fest Mariä Himmelfahrt sammelt man Kräuter und Blumen. Die Kräuter sollen jetzt ihre höchste Wirkungskraft erreicht haben. Zum Strauß gebunden bringt man sie zur Weihe in die Kirche. Sommerzeit ist Reisezeit, das Fernweh bricht aus. Alle Kontinente werden bereist. Besonders auch die Schüler genießen die lang ersehnte Freizeit. Die Freibäder und Aktivitäten im Freien sind gefragt. Wachsen und Reifen gelten nicht nur für die Natur, sondern auch für den Menschen. Es fordert von ihm innere Ruhe, viel Geduld zu sich selbst, zu seinem Nächsten und zur Umwelt.
Die Natur steht jetzt in voller Pracht da. Gärten, Felder und Wälder werden von Sonne und Regen für die Ernte vorbereitet. Beim Wandern kommt man an wiegenden Getreidefeldern mit am Rande blühenden Blumen vorbei. Es reiht sich Erlebnis an Erlebnis.

Herbst, Zeit der Ernte

by_Helmut Martin_pixelio.de
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Ist endlich Erntezeit heran,
dann muss die blanke Sense dran.
Dann geh ich auf das Feld hinaus
und schneid und fahr die Frucht nach Haus

In den Gärten ist das Beerenobst und Gemüse gereift und vieles zeigt sich durch leuchtende Farben zur Ernte bereit. Jetzt beginnt auch die Getreideernte. Mähdrescher fahren bei gutem Wetter Tag und Nacht. Kein Vergleich zu früheren Zeiten, als die Nebenerwerbs-Bauern mit ihrem Getreide Wagen um Wagen zum Dreschen anstellen mussten. Es war alles eine mühselige und schweiß-treibende Arbeit. Ob die Ernte gut eingebracht wird, hängt vom Wetter ab.
Der letzte Teil des Sommers, der Spätsommer, schenkt uns den großen Reichtum der Natur. Obst und die unterschiedlichsten Gemüse stehen uns für eine gesunde Ernährung zur Verfügung. Es finden sich große Vitaminspender, wie Hagebutten, Holunder, Schlehen usw. Die Blätter an den Bäumen verfärben sich und fallen ab. Ursache ist der langsame Rückzug der Pflanzensäfte in den Stamm bzw. in die Wurzeln. Kein Maler hätte so viele Farben auf seiner Palette zur Verfügung. Bei einem Spaziergang raschelt das Laub unter den Füßen, der Herbst ist wunderschön.

Winter, Zeit der Ruhe

by_Rainer Sturm_pixelio.de
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Und kommt die kalte Winterzeit,
dann ist mein Häuschen überschneit.
Das ganze Feld ist kreideweiß
und auf der Wiese nichts als Eis

Bald sinken die Temperaturen und plötzlich jubeln die Kinder, wenn sie die ersten Schneeflocken erblicken. Der Winter, Zeit der Brache, hat begonnen. Die Felder bleiben unbebaut, die Gärten sind umgegraben und vorbereitet für die nächste Saison. Die Natur ruht sich aus.
Im Keller ist alles aufbereitet, Holz und Kohlen, Eingewecktes, eingelegte Eier, Sauerkraut im Steinkrug, Wein im Fass, Vorrat aus früheren Zeiten für den Winter. Heute ist Bevorratung eher seltener geworden. Das Auto muss winterhart bereitstehen, der Winterurlaub für die Familie wird geplant.
Ist es nicht so, dass man in manchen Dingen den Sinn fürs Ruhenlassen und Kräftesammeln verloren hat? Der Ackerboden unserer Seele will zur Ruhe kommen. Wie schön ist es dem Fall von Schnee zu zuschauen, man spürt die Geborgenheit, die Schutzzone des Hauses. Mein Häuschen ist überschneit, ich habe Zeit für Ruhe, Stille und Einkehr zu mir selbst.

Rhythmus

So geht’s jahraus, jahrein mit mir,
ich danke meinem Gott dafür.
Und habe immer frohen Mut
und denke Gott macht alles gut

In diesem Vertrauen lasse ich alles Lebendige im Rhythmus der Jahreszeiten sich entwickeln.. Jeder weiß, wie sehr Wachstum von den Jahreszeiten abhängig ist. Alles Lebendige ist darin eingebunden, das Aufblühen und Vergehen, das Kommen und Gehen, sowie das Anfangen und Beenden.

Kommentar von Uwe Bartholl |

Ich habe mich gefreut, diesen Beitrag zu lesen und zu fühlen. Eine gelungene Idee, die Struktur der Gedanken in Verbindung mit den Liedversen.

Kommentar von Beate Braun |

Durch den Artikel kann ich die Jahreszeiten so richtig miterleben; er gefällt mir sehr gut.

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