Salzkarawanen durch die Sahara

von Horst Glameyer

Wer im Supermarkt vor den Speisesalzangeboten steht und einen Blick auf die Preise der 500g-Packungen wirft, die ca. von 17 bis 99 Cent reichen, wird kaum daran denken, unter welchen Strapazen Karawanen noch immer Salz durch Wüsten und über steile Gebirgspfade befördern.

Salz, ein kostbares Gut

Wenn wir fast schon gewohnheitsmäßig nach dem Salzstreuer greifen, um das Essen ein wenig nachzuwürzen, sind wir uns nur noch selten bewusst, wie wertvoll diese kleinen weißen Kristalle für unsere Vorfahren einst waren. Salz wurde wohl schon in der Steinzeit auf vielfältige Weise gewonnen. Es ist für Mensch und Tier gleichermaßen wichtig, einerlei auf welche Weise man es in sich aufnimmt oder wie man es verwendet.
Da Kochsalz (NaCL) hygroskopisch ist, entzieht es z.B. Fleisch durch Einsalzen (Pökeln) Feuchtigkeit und macht es länger haltbar. In Zeiten und Gegenden, in denen es wenig Kühlmöglichkeiten gab bzw. heute noch gibt, ist es ein brauchbares Verfahren.

Salz als Zahlungsmittel

Salz diente den Römern sogar als Zahlungsmittel für ihre Offiziere, Soldaten und Beamten. Selbst die Wörter Sold und Söldner erinnern noch heute an diese salzige Entlohnung, und der Ausdruck „Das hat sich gesalzen!“ mag mit  Verwendungszwecken solcher Art entstanden sein.
Bis ins 19. Jahrhundert zogen die Kongolesen Salz als Zahlungsmittel dem Franken ihrer belgischen Kolonialherren vor.
Auch kam es im Laufe der Jahrhunderte wiederholt zu gewaltsamen oder sogar  kriegerischen Auseinandersetzungen um Salzmonopole, die Salzbeförderung auf dem Land- und Wasserwege sowie um Salzsteuern.

Salzkarawanen durch die Wüste

Nimmt man einen Atlas zur Hand und schlägt eine Karte von Westafrika auf, findet man im Niger das Aïr-Gebirge, von dem die Tuaregs mit ihren Kamelkarawanen in östlicher Richtung zu den Salzoasen Bilma und Fachi aufbrechen. In diesen Oasen gibt es Salinen, die aus den Salzseen das kostbare Gewürz gewinnen. Von dort befördern die Tuaregs überwiegend Viehsalz und Datteln auf den Rücken ihrer Tiere zum Markt in Agadez oder  nach dem weiter südlich gelegenen Markt von Kano in Nigeria.
Der Weg durch die Täler ausgetrockneter Flüsse im Aïr-Gebirge zu den Salzoasen Bilma und Fachi führt durch die Ténéré und beträgt ca. 500 km. Die Ténéré wird auch „die Wüste der Wüsten“ genannt. In ihrem nördlichen Teil eine flache Kieswüste, ist sie im südlichen eine Sandwüste. Der Wind bläst den Sand zu Dünen auf, die bis zu 400 m hoch werden und sich über eine Länge von mehr als 100 km erstrecken können.

Dreieckshandel

Die Salzkarawanen ziehen im Winter zwischen November und März durch die Wüste, wenn die Temperaturen am erträglichsten sind.
Rund um die Handelsplätze Agadez und Kano brauchen die Tierhalter und Viehzüchter das Salz für ihre Tiere. Mit den Karawanen beliefern sie ihrerseits auf deren Rückweg die Oasen Bilma und Fachi sowie die Nomadensiedlungen im Aïr-Gebirge u.a. mit Hirse und Gebrauchsgütern. Insgesamt sind die Karawanen etwa 2000 km unterwegs, bis sie wieder in ihren Ausgangsorten eintreffen. Die Geschichte des Salzhandels in Westafrika reicht wie überall in der Welt sehr weit zurück. denn Salz war und ist für Mensch und Tier gleichermaßen lebenswichtig.

Salzhandel in Asien

Da Nepal über keine Salzvorkommen verfügte, wurde lange Zeit von Tibet das aus den dortigen Salzseen gewonnene Salz entlang nicht schiffbarer Flussläufe mit Karawanen durch den Himalaya herangebracht. Für den Transport dienten Yaks, Pferde, Ziegen und Schafe als Tragtiere. Heutzutage wird Meersalz aus Indien mit Lastkraftwagen u.a. nach Nepal befördert.

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