Mit der Postkutsche unterwegs

Von Hildegard Neufeld

Die historischen Postkutschen waren von Pferden gezogene vierrädrige Wagen, die nahezu drei Jahrhunderte lang - bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein - von der Post zur Beförderung von Postsendungen und zahlenden Fahrgästen benutzt wurden.

Die ersten Postkutschen

Postkutsche Nürnberg
Postkutsche Nürnberg

In der Anfangszeit waren es in Deutschland ungefederte Leiterwagen mit einem Korbgeflecht, das später mit einer Plane überspannt wurde. Man saß darin auf Holzbänken mit Felldecken. Komfortabel war das Reisen, das überdies auf unebenen und oft holprigen Wegen stattfand, ganz gewiss nicht.
Die erste Postkutsche in Deutschland verkehrte 1660 zwischen Leipzig und Hamburg. Ab 1664 führte auch Frankreich einen staatlichen Kutschendienst ein. Englands Postkutschen waren zu dieser Zeit schon über 50 Jahre, nämlich seit 1610, unterwegs.
Wie berichtet wird, haben sich die Postkutschen bald als wichtigstes Verkehrsmittel im Überlandverkehr durchgesetzt.

Reisegeschwindigkeit

Wenn die Postkutschen-Fahrgäste eine Reise antraten, mussten sie – anders als die Bahn- und Autoreisenden heute – eine große Portion Zeit mitbringen. Die Postkutschen konnten zunächst – bedingt durch die schlechten Straßen, nur relativ langsam voran kommen und zum Beispiel  auf ihren Überlandfahrten lange Zeit mit dem Tempo der einzelnen Reiter nicht mithalten.
Die Reisegeschwindigkeit der Postkutschen wurde erst durch den Straßenbau gesteigert. Anfangs kamen die Postkutschen nur im Schritttempo voran. Durch die verbesserten Straßenverhältnisse wurde schließlich eine Geschwindigkeit von zehn Kilometer pro Stunde erreicht. Eine Postkutsche konnte damals an einem Tag mitunter über 100 Kilometer zurücklegen.

Beschwerliches Reisen

Das Reisen mit der Postkutsche erforderte von den Fahrgästen Geduld und nicht selten auch körperliches und seelisches Durchhaltevermögen, besonders, wenn sich die Reisedauer über mehrere Tage erstreckte.
Die meisten Straßen waren, zumindest in der anfänglichen Postkutschenzeit, gar nicht oder schlecht gepflastert, und die eng beieinander sitzenden Passagiere wurden in den ungefederten Kutschen bei jedem Schlagloch tüchtig durcheinander gerüttelt. Zudem mussten die Reisenden mit mancherlei Widrigkeiten rechnen, nicht selten auch mit witterungsbedingten Unterbrechungen sowie mit Unfällen und Überfällen.

Unbillen und Gefahren

Die Fahrgäste in den Postkutschen waren mehr als die heutigen Pkw- und Bahnreisenden der Witterung ausgesetzt, mussten aber  auch mit Reiseunfällen und Überfällen rechnen.
Bei zahlreichen Unfällen spielte die Trunkenheit  des Postillions eine ähnliche Rolle wie heute die Trunkenheit am Steuer. Viele Unfälle waren aber auch Folgen der  damaligen Wagenkonstruktionen, die oft die Anforderungen der Wege und Straßen und auch die Sicherheit der Fahrgäste nicht ausreichend berücksichtigten. Hinzu kamen die damals überwiegend noch schlechten, teils ungepflasterten Straßen. Immer wieder sprangen während der Fahrten Räder ab, Achsen und Deichseln brachen, die Wagen stürzten um  und versanken zuweilen im Morast.
Da half es auch nicht, dass die preußische Postverwaltung 1772 den Postillionen für jeden Umsturz des Wagens als Strafe 50 Stockprügel androhte. Die Poststraßen haben sich jedenfalls dadurch nicht gebessert.

Bewaffnete Fahrgäste

Das Reisen mit den Postkutschen war in früheren Zeiten für die Passagiere  nicht ungefährlich. Aus den USA wird berichtet, dass die Central Route Überland-Postkutschenlinie von ihren Passagieren erwartete, dass sie ausreichend bewaffnet die Reise antraten, um die Postkutsche gegen Überfälle entlang der 4.300 Kilometer langen Strecke im Falle der Gefahr zu verteidigen. Zusätzlich fuhr bewaffnetes Personal auf der Kutsche mit. Zum Schutz der Postkutschenlinie errichtete das 3rd California (Volunteer) Infantry Regiment 1862 in der Nähe von Hobson (Nevada) den Stützpunkt Fort Ruby, der bis 1869 von der Armee betrieben wurde.  Auch die spätere Bahnlinie  wurde durch Soldaten, die in Fort Halleck stationiert waren, in ähnlicher Weise geschützt.

Ende der Postkutschenzeit

Königlich-sächsische Postkutsche
Königlich-sächsische Postkutsche

Mit der Errichtung und Inbetriebnahme des Eisenbahnnetzes neigte sich das Zeitalter der Postkutschen ab Mitte des 19. Jahrhunderts dem Ende zu. Die Bahn war billiger und schneller, sowohl in der Personenbeförderung als auch hinsichtlich des Betriebs der Bahnpost. Als um 1900 die Motorisierung einsetzte, übernahm die Kraftpost die bisherigen Aufgaben der Postkutschen.
Im Jahre 1904 ersetzte erstmals in Deutschland ein Autobus die Postkutsche auf der Strecke zwischen Braunschweig und Wendeburg. Ein Jahr später, im Jahre 1905, nahm die Bayerische Post die erste Kraftpostlinie in Betrieb. Diese Entwicklung setzte sich in den nächsten Jahren weiter fort, wurde allerdings im Ersten Weltkrieg unterbrochen, als viele Autobuslinien in Deutschland stillgelegt und die Postkutschen vorübergehend nochmals, und in der Regel bis zum Kriegsende, eingesetzt wurden.

Im Dienste der Touristik

Die Postkutschen haben die Straßen wieder zurückerobert. Reiseveranstalter bieten zunehmend Reisen in historischen Postkutschen an, wie beispielsweise „Goethes Italienische Reise“ von München nach Verona.
Ein bayerisches Reiseunternehmen hat sich auf „Romantische Postkutschenreisen“ spezialisiert.  Einen wöchentlichen Höhepunkt bilden die Vier-Tagereisen „Auf König Ludwigs Spuren“ vom Starnberger See zu den Königsschlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau.
Inzwischen kommen bis zu 50 Prozent der Gäste aus den USA, England, Südafrika und Australien, und in kleinen Gruppen auch aus Japan. Die übrigen sind zumeist Deutsche und Schweizer.
Die Romantischen Kutschenfahrten in vier- und fünfspännigen Kutschen führen heute in die benachbarten Länder Österreich, Tschechien, Ungarn, Liechtenstein, Schweiz, Frankreich und Italien.

Links

Mehr Informationen finden Sie in
Reisen mit der Postkutsche
Coaching in Bavaria

Kommentare

Kommentar von Thomas |

> Die Bahn war billiger und schneller

Manchmal ändern sich Infrastrukturen im Lauf der Zeit. Heute fährt man von Stuttgart nach Saarbrücken im Bus. Oder man zahlt das Mehrfache für die Bahn - und steigt ein paarmal um. Ob bald das goldene Zeitalter der Busse anbricht? Für kurze Langstrecken sind Busse oft angenehmer und preiswerter, für Strecken wie München-Hamburg fliegt man günstiger und schneller.

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