Die Breslauer Jahrhunderthalle als Meilenstein der modernen Architektur

von Roma Szczocarz

Die Jahrhunderthalle als Bauwerk sollte nach der Vorstellung ihres Erbauers noch „nach Jahrhunderten Zeugnis von der Kultur unserer Zeit ablegen.“
 

Geschichte der Jahrhunderthalle

Die Jahrhunderthalle- die Perle des Breslauer Modernismus- wurde von dem Architekten und gleichzeitig Stadtbaurat Max Berg in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur und Stadtbauinspektor Günther Trauer entworfen. Das Objekt ist ein berühmtes Werk der Breslauer modernen Architektur. Diese monumentale Konstruktion wurde in den Jahren 1911- 1913 gebaut. Anlass des Baus war die Jahrhundertausstellung zur Erinnerung an die preußischen Befreiungskriege gegen Napoleon I. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. hatte sich am 17. März 1813 in Breslau mit dem Aufruf “An Mein Volk“ an Preußen und Deutsche gewandt, um damit um Unterstützung beim Kampf gegen Napoleon zu bitten. Am gleichen Tag erfolgte dann die Kriegserklärung Preußens an Frankreich.

Breslauer Messegelände

Die Breslauer Diskussion über ein Zentrum des Ausstellungs- und Messegeländes hatte schon im 19. Jahrhundert angefangen. Die Stadt Breslau hat sich damals rasch entwickelt. Darum wünschte sich die Stadt Breslau ein bedeutendes Wahrzeichen; gleichzeitig entstand die Idee einer monumentalen Konstruktion als Veranstaltungshalle aus Stahlbeton. Parallel mit der Halle wurde das Zentrum des Breslauer Messegeländes projektiert. Zum Zentrum gehörten unter anderen der Vier- Kuppel- Pavillon und die Pergola, die beide von dem Architekten Hans Pölzig projektiert wurden. Sein Hauptentwurf des Ausstellungsgeländes umfasste auch den Scheitniger Park (heute Park Szczytnicki). Den Jahrhundertpark hat Hugo Richter entworfen, der damals königlicher Gartenbaudirektor war. Rund um die Pergola wurden Mustergärten eingerichtet. Beispielweise: der japanische Garten, der gotische und auch der Klostergarten. Speziell für Besucher der Jahrhundertausstellung entstand der Botanische Garten.

Eröffnungsfeierlichkeit

Jahrhunderthalle, alte Ansicht

Die erste Ausstellung hat die Stadt Breslau als Jahrhundertausstellung organisiert. Dort wurden die künstlerische und kulturelle Geschichte der Stadt Breslau und Schlesien dargestellt. Leider gab es dabei ein großes Problem- Geld. Die Stadt erhoffte sich mit dieser Thematisierung allerdings auch wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung durch das Kaiserhaus beim Bau des Ausstellungsgeländes, das danach als Messegelände genutzt werden sollte. Das Kaiserhaus förderte den Bau jedoch nicht. Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. reiste lediglich zur Eröffnung der Jahrhundertausstellung in der Halle an und fungierte als Protektor der Feier.

Skandal

Während der Eröffnungsfeierlichkeiten zur Ausstellung wurde am 31. Mai 1913 das „Festspiel in deutschen Reimen“ von Gerhart Hauptmann uraufgeführt (1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur). Die Inszenierung wurde von Max Reinhardt vorbereitet. Aber die enthaltene Kriegskritik in Hauptmanns Stück löste einen Skandal aus, und nach Protesten von Kriegerverbänden und der Monarchie wurde das kontroverse Festspiel abgesetzt.


Zeitgenössisch

Jahrhunderthalle aktuell (Foto: Malgorzata Bak)

Schlesien und die Stadt Breslau wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Polen zugeteilt. Damals wurde die fast unbeschädigte Jahrhunderthalle in Hala Ludowa (Volkshalle) umbenannt. In den 1970er und 1980er Jahren wurde die Halle als Kino „Gigant“ genutzt. Erst 1997, zum Besuch von Papst Johannes Paul II. wurde das Objekt generalsaniert und modernisiert. Im Jahr 2004 installierten zwei Künstler Romain Tardy und Thomas Vaquie eine permanente Lichtinstallation im Innern des Gebäudes. Gleichzeitig, im Jahre 2004, wurde die Volkshalle auf die polnische Liste der wichtigsten Baudenkmäler der Geschichte des Landes gesetzt. Endlich, am 13. Juli 2006 wurde die Halle als“ Pionierleistung des Stahlbetonbaus und der modernen Architektur“ in die Liste des Weltkulturerben der UNESCO aufgenommen.

Bilder

alte Postkarte:

neue Aufnahme: Malgorzata Bak (privat)


Zurück