Der Obergermanisch-Rätische Limes

von Dietrich Bösenberg

„Das mit Abstand größte archäologische Geländedenkmal Europas“ wird die Grenzbefestigung des Römischen Imperiums, der Limes auf deutschem Boden auch tituliert. 2005 wurde er in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Der Limes

Limes2.png Autor ziegelbrenner CC BY-SA 3.0

Auf den ersten Blick ist der Limes eine Grenzlinie, die von den Römern in den ersten Jahrhunderten n. Chr. zum Schutz ihres Territoriums und Abgrenzung zu den feindlichen „Barbaren“ im freien Germanien geschaffen wurde. Er erstreckt sich mit einer Länge von rund 550 km vom Rhein zur Donau.
Im obergermanischen Abschnitt zwischen Rheinbrohl und Schwäbisch Gmünd war er hauptsächlich durch Palisaden mit Wall und Graben gebildet. Dagegen bestand der rätische Limes von Schwäbisch Gmünd bis kurz vor Regensburg aus einer bis zu 3 m hohen Steinmauer. Zum baulichen Befestigungssystem gehörten ca. 900 Wachttürme, häufig in Sichtweite angelegt, ferner 120 Truppenlager in Form von Kastellen unterschiedlicher Größe.
Im Hinterland der Limeslinie waren zivile Lagersiedlungen entstanden mit Handwerkern und landwirtschaftlichen Versorgungseinrichtungen (villae rusticae). Die Verbindung zwischen allen diesen Einrichtungen wurde durch besondere Militärstraßen hergestellt.

Komplexes System

Bei genauerer Betrachtung stellte der Limes jedoch ein komplexes System mit den verschiedensten Funktionen und Aufgaben dar. Entstanden und weiterentwickelt in mehreren Phasen, diente die Anlage sowohl Verteidigungszwecken als auch als Grenzlinie mit Toren und Durchlässen zur wirksamen Kontrolle des Personen- und Warenaustausches mit den benachbarten Regionen. Strategisch bildete die Grenzbefestigung eine Abschirmung der für Truppenverschiebungen besonders wichtigen Flüsse Rhein und Donau.

Dabei demonstrierten die römischen Erbauer eine hochentwickelte Vermessungstechnik, denn in einigen Abschnitten verläuft die Linie schnurgerade durch das Gelände ohne Rücksichtnahme auf geologische Hindernisse. Der längste Abschnitt verläuft im Bereich des sog. Odenwaldlimes mit einer Länge von rund 81 km.

Highlights im Verlauf der Grenzbefestigung

Saalburg - Haupteingang 2009.jpg Autor Holger Weinandt CC BY-SA 3.0

Die Saalburg bei Bad Homburg im Taunus gilt als das vollständigsten rekonstruierte Limeskastell am obergermanischen Teil. Es bietet einen hervorragenden Einblick in die militärischen, geographischen und strategischen Verhältnisse. Mit seiner Ausdehnung von rund 3 ha beherbergte es in seiner letzten Ausbaustufe Unterkünfte für ca. 500 Soldaten mit allem zugehörigen Tross, Waffen, Vorräten, Werkstätten und ihren Offizieren. Viele Baulichkeiten wurden rekonstriert und können besichtigt werden.

Dalkinger Tor neu 1.jpg Autor Am Altenberg CC BY-SA 3.0

Das Limestor bei Dalkingen in Ostwürttemberg stellt eines der eindrucksvollsten Monumente am obergermanisch-rätischen Limes dar. Kaiser Caracalla liess nach einem siegreichen Feldzug gegen die Germanen ein Siegestor in Form eines ca. 12 m hohen Triumphbogens an der Stelle errichten, wo er den Limes überschritten hatte. Die Überreste sind bis heute erhalten und mit einem Rekonstruktionsversuch in einem modernen Museumsbau untergebracht.

Weißenburg Porta decumana2.jpg Autor mediatus CC BY-SA 3.0

Das Kastell Biriciana bei Weissenburg in Mittelfranken lag im Bereich des rätischen Limes und verdient mit seiner Größe von fast 3 ha und dem rekonstruierten Eingang Beachtung. Es hatte eine Besatzung von rund 500 Reitern mit allen zugehörigen Einrichtungen. Dazu gehörte auch eine ausgedehnte Zivilsiedlung, deren große Badanlage ausgegraben wurde. Unter einer Bedachung könne die technische Ausführung, die verschiedenen Badebereiche und zahlreiche Details aus der Nähe besichtigt werden.

Darum gehört der Limes zum Weltkulturerbe


Der Wortlaut der Welterbekonvention der UNESCO von 1972 besagt: „maßgebend ist die herausragende universelle Bedeutung des Kulturguts aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen“. Der obergermanisch-rätische Limes erfüllt in besonderer Weise diese Anforderung. U.a. stellt es „ein einzigartiges oder zumindest außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur“ (iii) dar. Als Teil der Welterbestätte "Grenzen des Römischen Imperiums" wurde er somit zusammen mit dem Hadrianswall und dem Antoninuswall in Großbritannien in die Liste aufgenommen.

Allgemeines


Der Limes ist seit vielen Jahren Gegenstand intensiver Erforschung. Es existiert reichhaltige Literatur in Print- und Digitalform. Die Deutsche Limes-Kommission koordiniert alle Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Weltkulturerbe.
Auch touristisch ist der gesamte Verlauf gut erschlossen. Rekonstruktionen, Museen und Archäologische Parks laden zur Besichtigung ein. Auch eine Deutsche Limesstrasse hat sich konstituiert und bietet reichhaltiges Informationsmaterial.

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