Ruhrpolen

von Roma  Szczocarz

„ Ich bin Bottroper, behauptete Ceslaus als er in einem Eisenwerk als Laufjunge anfing“( aus Interview mit Ceslaus Strybylki ( der Spiegel 15/1948).
Das Ruhrgebiet ist eine multikulturelle Region, und das nicht seit gestern. Polen waren Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Einwanderer.

Wer sind Ruhrpolen

Mit “Ruhrpolen“ sind die Menschen und deren Nachfahren gemeint, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts teils mit ihren Familien aus dem früheren Königreich Polen, aus Masuren, der Kaschubei, Provinz Posen, und aus Oberschlesien ins Ruhrgebiet eingewandert sind.

Anlass der Arbeitsmigration

Die Arbeitsmigration entstand aus der Nachfrage nach Arbeitskräften während der rapiden Industrialisierung. Gleichzeitig wächst in den Industriegebieten in der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Bedarf an sehr billigen Arbeitskräften, Billiglohnkräften. Das traf insbesondere auf das Ruhrgebiet zu.

Polnisch-sprachige Arbeitskräfte

Die Polen schuften im Bergbau, in Eisenhütten, auf dem Bau und bei der Ziegelherstellung, sowie auch als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft. Über ihre Zahl gibt es nur Schätzungen, etwa halbe Million soll bis zum Ersten Weltkrieg ins Ruhrgebiet eingewandert sein. In manchen Betrieben stellen polnisch sprachige Arbeitskräfte damals mehr als die Hälfte der Arbeiter- Belegschaft. Kein Wunder: Sie waren Billiglohnkräfte, das heißt, die jungen, ungelernten Arbeiter aus dem
Osten ließen sich leichter ausbeuten als ihre deutschen Kollegen. Die arme Leute- diese polnischen Arbeiter bekommen auch niedrige Löhne und müssen längere Arbeitszeiten hinnehmen.

Polnischen Kolonien

Die deutsche Arbeiterschaft empfand die “Ruhrpolen“ als fremd wegen ihrer zum Teil streng katholischen Konfession und auch ihrer ungewohnten Sprache. Darum bildeten die Polen eigene Viertel in den Städten des Ruhrgebietes, das heißt: in Essen, Dortmund und Bochum. So wurde beispielweise Gelsenkirchen von den Masuren besiedelt. In Bottrop und Herne entstanden für Arbeiter die Zechenkolonien. Das waren rein polnische Viertel, die Zuwanderer bleiben dort unter sich, gründeten eigene Vereine, Gemeinden, gaben polnischsprachige Zeitungen heraus. Auch die einflussreiche polnische Gewerkschaft“ Zjednoczenie Zawodowe Polskie“, die Arbeiterzeitung“ Wiarus Polski“, und auch die Polnische Arbeiterbank gab es dort.

Schalke 04

Das Bild des Fussballvereins Schalke 04 als“ Pollackenverein“ als Arbeiterklub stammt aus den 20er Jahren, als Jugendtrainer beginnen, Nachwuchs aus den Gelsenkirchener Bergmanns- Siedlungen zu holen. Selbstverstaendlich hatte ein Grossteil der Spieler der Mannschaft, die in den 1930er Jahren Schalke 04 zum besten Verein im Deutschen Reich machten, in Mehrheit polnisch klingende Familiennamen. Sie waren meist schon im Ruhrgebiet geboren, ihre Eltern stammten aus Masuren, Oberschlesien, der Posener Gegend.  1934 war Schalke 04 erstmals deutscher Fußballmeister geworden. Die Spieler der   Super - Mannschaft  waren unter anderen Emil Czerwinski, Ernst Kalwitzki, Ernst Kuzorra, Fritz Szepan, Otto Tibulski.

Als Schlusswort “Zehn Gebote für Polen“

Preußen wollte die Zuwanderer nicht integrieren, aber germanisieren. Als Antwort  darauf erschien 1913 im“ Wiarus Polski“ ein Text, der den Lesern unter dem  Titel“ Zehn Gebote für Polen“ befahl:
„ Ich bin Polen, dein Vaterland. Du sollst kein anders Vaterland haben neben mir. Beschmutze nicht die Muttersprache durch Anwendung fremder Worte und Redensarten, denn die polnische Sprache ist reich wie keine andere auf der Welt. Du sollst mir meine Kinder nicht stehlen. Verbiete ihnen untereinander Deutsch zu sprechen und sprich niemals selbst mit ihnen Deutsch. Du sollst nicht begehren ein Weib fremder Nationalität, sondern dich nur mit einer Polin verheiraten.“

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