Griechische Bürgerkriegsflüchtlinge in Polen

von Roma Szczocarz


„Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten“ Bertolt Brecht.

Griechische Ankömmlinge


Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Polen auf Geheiß der Sowjetunion einige Tausend Flüchtlinge aus dem Griechischen Bürgerkrieg aufgenommen. Ende der 19er Jahre kamen nach Polen zahlreiche griechische und makedonische Flüchtlinge - kommunistische Partisanen, Angehörige der mazedonischen Minderheit und viele Kinder, die von ihren Eltern getrennt worden waren. Die Migrationswelle verlief in einigen Etappen.

Zuerst per Schiff


Am 29. August 1949 landeten in Swinemünde ganz geheim die schwerverletzten Partisanen, die zunächst nach Dievenow (Insel Wolin) transportiert wurden. Dort wurde im ehemaligen deutschen Ausflugsschiff-Hafen ein Krankenhaus errichtet.

Dann per Bahn


Andere Gruppen der griechischen Exilanten kamen über den Schienenweg. Sie flohen zunächst in die Nachbarländer: Albanien, Jugoslawien und Bulgarien. Die Gruppen aus Albanien und Bulgarien wurden auf die sozialistischen Bruderländer verteilt. Mit diesen Gruppen kamen auch etwa. 3.000 Kinder, die während der Kämpfe aus den umkämpften Gebieten herausgeholt und in andere Staaten geschickt wurden.

Einquartierungen


Die Ankömmlinge wurden in Stettin, Police, Görlitz und in Niederschlesien angesiedelt. In Görlitz befanden sich die Auffanglager für Erwachsene, aber dort wurde auch das staatliche Erziehungszentrum für Kinder und Jugendliche mit Grundschule, Lyzeum und Internat eingerichtet. Zgorzelec/ Görlitz nannte man damals unter den Griechen und Makedoniern Kinderstadt/Paidopolis oder Detski Grad.

Auffanglager für Flüchtlinge


Ihre ersten Jahre in einem fremden Land waren schwer, traumatisch. Nein, es geht hier nicht um Feindlichkeit, aber um schwerverletzte Menschen, ihre Familien, meist ohne Zukunft, ohne Arbeit und Bildung oder Schulung. Es geht um die Kinder mit den traumatischen Schicksalen, meist ohne Eltern, nur mit der Sehnsucht. Die erwachsenen Flüchtlinge wurden in der Mehrheit in Zgorzelec/ Görlitz und auf die umliegenden Städte und Betriebe verteilt. Görlitz wurde zum Zentrum des griechischen Exils in Polen. Dort gründeten die Migranten den Demokratischen Verein der politischen Exilanten aus Griechenland „Freies Griechenland“
Damals haben in Polen zahlreiche Solidaritätsaktionen mit dem “Freien Griechenland“ stattgefunden. Beispielweise: Die Breslauer Polizisten aus dem “Frauen Kreis“ haben ihre Prämien für die Kinder aus Griechenland gespendet. Die Gesellschaft war damals empathisch und herzlich, obwohl noch im ganzen Land die Nachkriegsarmut überwog.

Alltag der Exilanten


Anfangs war das Leben im Ausland, also Polen, sehr schwer, aber zum Glück wohnten die Griechen zusammen. Die griechische Gemeinde wurde in Niederschlesien und Westpommern gegründet. Sie funktionierte wie ein militärischer Truppenteil, sowohl bei der Arbeit oder im Betrieb als auch sonst. Ihr Leben wurde die ganze Zeit durch die Kommunistische Partei kontrolliert, privates und berufliches Leben, alles. Aber paradoxer Weise gab dies den Exilanten ein Gefühl der Sicherheit und auch das Gemeinschaftsgefühl wurde gefestigt.

Staatenlose


Meist lebten die ehemaligen griechischen und makedonischen Partisanen als Staatenlose in ihrer neuen Heimat. Sie wurden als Ausländer mit vorübergehender  Aufenthaltsgenehmigung behandelt. So wollten die Vertreter der Kommunistischen Partei in den Griechen die Hoffnung wachhalten, eines Tages die Volksdemokratie daheim zu verwirklichen. Aber die schwindende Aussicht auf Erfolg bewog immer mehr Griechen, sich zu integrieren. Wie es immer verläuft, zuerst durch die Kinder und Jugendlichen, die polnische Schulen besuchten. Es bildeten sich freundschaftliche Kontakte. Es wurden Freunde gefunden, Ehen geschlossen und man arbeitete zusammen. Diese Faktoren haben bei der Assimilierung sehr geholfen. Gute Arbeit machte auch der „Verband der politischen Flüchtlinge aus Griechenland“ und die Exil-Zeitung “Demokratie“. Der Griechen-Verband aktivierte die Exilanten, die eigene Tradition und das Brauchtum zu pflegen und zu kultivieren.

Zurückkehren


Nach dem Ende der Obristendiktatur 1974 konnten die Griechen die Rückkehr in ihr Heimatland beantragen. Heute zählen in Zgorzelec noch etwa 50 Familien zu deren Nachkommen.

Weitere Information:

https://en.wikipedia.org/wiki/Greeks_in_Poland
und
Artikel von Andrzej Krajewski“ Wunder untolerant“  aus der Zeitschrift „Politik“ Nr 49(2015)
www.polityka.pl

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