Warum reise ich?

von Maja Prée

Reisen – sich fortbewegen. Neues kennenlernen, Erinnerungen nachspüren, Zeit verbringen oder einmal ausreißen.

Wie in jedem Jahr wird Anfang des Jahres ein Urlaubsplan erstellt. Ich versuche meinen Urlaub übers Jahr zu verteilen. Früher hatte ich oft lange Urlaubsreisen geplant. Zwischenzeitlich mache ich lieber öfter mal eine kleine Pause, denn die Zeit zwischen den Urlauben war sehr lang. Es heißt natürlich Rücksicht nehmen auf betriebliche Belange und man nimmt Rücksicht auf Kollegen mit Familie und kleinen Kindern.

Planungen

Nun hatte ich mir für fünf Tage ein Quartier gesucht und wollte mich bewegen – Laufen, Wandern, Spazieren gehen. Planen ist das eine …  die Gegebenheiten vor Ort und das Wetter das andere. Ich fuhr ins Land der Tausend Teiche, nach Plothen.



Umgebung kennenlernen

Immer wenn ich angekommen bin, mache ich einen ersten Gang durch den Ort bzw. die Umgebung. Hier führte mich mein Weg zum Hausteich mit einer Fläche von 28 ha und einem auf Pfählen erbauten Teichhaus – Inzwischen ca. 300 Jahre alt. Leider außerhalb der Saison nur am Wochenende zugänglich. Es ist als Museum eingerichtet und hat sicherlich einiges interessantes zu erzählen.
Mein Weg sollte mich um den Teich herumführen. Leider hatte ich mich nicht dazu entschließen könne, die festen Wanderschuhe anzuziehen, was sich dann als großer Fehler erwies. Zwar schien an diesem Tag die Sonne, aber die Niederschläge der vorangegangen Wochen hatten viel Nässe hinterlassen die auf dem für diese Region typischen Bodenverhältnissen nicht einfach so versickern konnte.

Natürliche Gegebenheiten

Die Bodenverhältnisse in dieser Region haben die Bildung der Teichlandschaft begünstigt. Bodenwellen, Geländemulden mit Senken die sich mit Oberflächenwasser gefüllt haben sowie Grauwacke 1) und Schiefer, die an der Oberfläche anstehen und zu Ton verwitterten führten zu wasserundurchlässigen Schichten.
Benediktinermönche erwarben im 11. und 12. Jahrhundert Eigentumsrechte. Sie waren es auch, die die Teiche anlegten/anlegen ließen und Fischzucht betrieben. Fische – gerade in der Fastenzeit ein begehrtes Lebensmittel. So entstanden hier unzählige Teiche. 2)

Mein Handy half mir wieder auf den richtigen Weg

Foto: Autorin
Nach der Wanderung

Mein Ziel, den Hausteich nur zu umrunden und dann wieder in meine Unterkunft zu gelangen, war nicht erfolgreich. Mit dem falschen Schuhwerk ausgerüstet, hatte ich Probleme über die Wiesen und Wege zu kommen, die voller Wasser standen. So wurde aus dem kurzen geplanten Spaziergang eine vierstündige Wanderung die mir zwar die Schönheit dieser Landschaft vor Augen führte, aber mir auch zeigte, dass es gar nicht so einfach sein kann sich in unbekanntem Terrain zu bewegen. Herrlich die Ruhe, die nur in der Ferne ab und zu von einem Autogeräusch unterbrochen wurde, in der ansonsten  aber die Wasser- und Singvögel den Ton angaben. Das Fazit des ersten Tages – immer auf die richtige Fußbekleidung achten

Was macht man bei „schlechtem“ Wetter?

Etwas geschafft nach der Wanderung die mich zum Teil mitten durch den Wald geführt hatte beschloss ich an den darauf folgenden Tagen, auch auf Grund des regnerischen Wetters, die guten Vorsätze des „Nur Wanderurlaub machen“ über den Haufen zu werfen und erkundete die Umgebung mittels Auto. Es gibt etliche Burgen wie auch Technische Denkmale in der Nähe und alle haben ihre ganz eigenen Geschichten zu erzählen.

Wasserkraftmuseum Ziegenrück

Foto: Autorin
Wasserkraftmuseum Ziegenrück

Technische Denkmale üben auf mich eine besondere Faszination aus. Im ältesten noch im Original vorhandenem Laufwasser-Kraftwerk Deutschlands hat mich die Entwicklung der Technik wieder beeindruckt. Fotos zeigen, wie gewaltig die Natur in das Leben der Menschen Eingriff nehmen kann, z. B. bei extremen Eiswintern. Nicht nur für Kinder interessant sind die verschiedenen Modelle über die Nutzung der Wasserkraft. Und die verschiedenen Typen der ausgestellten Turbinenräder machen Respekt vor den Konstrukteuren und den Menschen die diese Teile geschaffen haben. Es sind noch viele andere Dinge wie zum Beispiel Hochspannungswandler mit Lichtbogen - zu sehen. 3)

Schloss Burgk

Foto: Autorin
Schloß Burgk

Die einstige Reußische Residenz 4) Schloss Burgk beherbergte zu meinem Besuch neben den regulären Ausstellungen eine Kinder- und Jugendkunstausstellung. Mir gefiel diese Ausstellung weil sie einen Kontrast bildete zu dem, was sonst in Museen zu sehen ist. Neben Portraits alter Meister hing eben auch mal eine neuzeitliche Bleistiftzeichnung als Portrait. Ein Raum mit von Jugendlichen gestalteten Ex-Libris war beeindruckend, ebenso wie selbstgestaltete Leporellos zu verschiedenen Themen. Für Freunde alter Wehranlagen gibt es ebenso einiges zu sehen, zum Beispiel wurde eine Zugbrücke funktionstüchtig wieder nachgebaut.
Foto: Schloß Burgk

Leuchtenburg bei Kahla

Foto: Autorin
Archiv der Wünsche

Fakt ist, dass die Museen Wege suchen, sich von anderen abzuheben, neugierig zu machen, Interesse zu wecken. So fuhr ich am letzten meiner Urlaubstage auf die Leuchtenburg 5) bei Kahla. Bei herrlichem Wetter konnte ich den kleinen Aufstieg auf die Burg vom neu angelegten Parkplatz mit weitem Blick in die Landschaft genießen. Dort erwartete mich neben den älteren Gebäuden ein modernes Empfangsgebäude in dem ich alle notwendigen Informationen bekam. Da gerade der Tag des Porzellans begangen wurde, kamen wir Gäste noch in den Genuss einer Führung durch die Burg. Wenn möglich sollte man dieses Angebot nutzen und vielleicht im Anschluss noch einmal gesondert durch die Ausstellung schlendern und alles in Ruhe auf sich wirken lassen. Im Flyer steht „Mystik, Rätselhaftes und Weißes Gold“. Und genau das war es auch, was den Reiz dieser Ausstellung ausmacht. Und last not least gibt es eine Burgschänke mit schmackhaften Gerichten, dem Ambiente entsprechend serviert und angerichtet.
Bild: Archiv der Wünsche

Epilog

So ging dann mein erster Urlaub in diesem Jahr wieder zu Ende. Ich habe einiges in meiner weiteren Heimat Thüringen kennengelernt. Dem grauen Wetter zu trotzen fiel mir nicht immer leicht. Aber ich habe Orte entdeckt, zu denen es lohnt wieder zu kommen. In diesem Sinne bleibe ich neugierig, für neue Reisen!

 

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