"Talent zu Reisen" Ida Pfeiffer, eine österreichische Weltreisende

von Roma Szczocarz

Puppen hatten für sie keinerlei Reiz. Schon als Kind las sie mit Vorliebe Reiseberichte und träumte davon, an Expeditionen teilzunehmen und ferne Länder zu sehen.

 

Sorglose Kindheit und Jugend

Ida Pfeiffer wurde als Ida Reyer am 14. Oktober 1797 in Wien geboren. Ihr Vater Aloys Reyer – Textilfabrikant starb als sie 9 Jahre alt war. Ida erhielt die gleiche, strenge Erziehung wie ihre fünf Brüder. Dazu kleidete sie sich wie ihre Brüder und nahm an deren Spielen teil. Ida war aktiv, sportlich und unternehmungslustig. Erst nach dem Tod des Vaters bemühte sich die Mutter, die bisherige männlich orientierte Erziehung der Tochter rückgängig zu machen. Und so musste Ida sich nach dem Willen ihrer Mutter wie ein Mädchen benehmen: Röcke tragen, Klavierunterricht nehmen und am wichtigsten: gemessene Schritte machen. Ida hat selbst über diese“ Revolution“ geschrieben:“ wie lächerlich musste ich in den langen Kleidern aussehen, als ich dabei noch immer lief und sprang und mich in allem benahm wie ein wilder Junge!“ Erst ein junger Hauslehrer überzeugte Ida nach und nach, ihre Rolle als Mädchen zu akzeptieren. Ehrlich gesagt, erfolgreich, denn beide verliebten sich ineinander. Leider ohne Zustimmung der Mutter.

 

Vernunftehe

1820 geht Ida mit dem 24 Jahre älteren Rechtsanwalt Mark Anton Pfeiffer eine Vernunftehe ein. Ida bekommt zwei Söhne, dann lebte das Paar getrennt, Herr Pfeiffer in Lemberg, Ida in Wien. Das Paar ließ sich aber nie scheiden.

 

Lebenswende

Bild: Ida_Laura_Reyer_Pfeiffer.jpg

Die Erbschaft nach dem Tod ihrer Mutter 1837 befreite Ida von den drückenden Alltagssorgen und ermöglichte ihr, die Söhne nach ihren Vorstellungen erziehen zu lassen. Erst im Alter von 45 Jahren, als sie die Mutter erwachsener Söhne war, erwachte bei ihr eine unbezähmbare Lust zu weiteren, fernen Reisen. Zunächst angeregt durch eine Reise nach Triest, wo sie zum ersten Mal das Meer gesehen hat. Ihre finanziellen Mittel waren aber sehr begrenzt, um ferne Reise zu organisieren. Dennoch hat Ida ihr Ziel erreicht, und konnte weite Reisen machen.

 

Die Reisen

Bild: Ida_Pfeiffer_ Dauthage.jpg

Am März 1842, im Alter von 45 Jahren verlässt Ida Pfeiffer mit nur geringem Geld ihre Heimatstadt Wien auf einem Dampfer in Richtung Konstantinopel. Aber ihr eigentliches Ziel waren Palästina und weiter nach Syrien und Ägypten. Zu einer Zeit, als der Orient von bewaffneten Expeditionen eben erkundet wurde, war es ganz undenkbar, dass sich eine Frau ohne männlichen Begleitschutz auf eine abenteuerliche Reise einließ. Ihre Reise ging über die Donau und das Schwarze Meer nach Konstantinopel durch Jerusalem zum Toten Meer, nach Damaskus und Alexandria bis nach Kairo, von dort nach einem Kamelritt durch die Wüste zur Landenge von Suez zurück nach Wien. Nach neun Monaten kehrte Globetrotterin Ida heim. Auf Betreiben ihrer Freunde veröffentlichte sie ihr Reisetagebuch mit dem Titel “Reise einer Wienerin in das Heilige Land“. Das Reisetagebuch erschien 1843, zuerst anonym. Erst mit der vierten Auflage, nach dem großen Erfolg 1856, erklärte sich Ida als Autorin


 

Ida Pfeiffer unterwegs

April 1845 brach Ida Pfeiffer nach Island, Norwegen, Schweden auf. Als Vorbereitung auf zukünftige Reisen lernte sie Englisch und Dänisch, dazu erlangte sie die notwendigen Kenntnisse über Fotografie, die man damals nur als Daguerreotypie kannte. Islands Landschaften faszinierten sie, sie begeisterte sich an der Natur, Schwefelquellen, Geysiren, Grotten und Vulkanen. Sie stellte sich Island als “das wahre Arkadien“, als perfektes Idyll des Landlebens vor. Dieses Mal erschien ihre Beschreibung unter dem Titel „Reise nach dem skandinavischen Norden“.

Erste Weltreise

Ida Pfeiffer reiste Mitte des 19. Jahrhunderts als eine der ersten Frauen allein um die Welt. Und so brach sie schon im Mai 1846 zu ihrer Ersten Weltreise auf. Diesmal reiste Ida über Hamburg nach Brasilien (Rio de Janeiro), von da nach Chile, Tahiti, China, Singapur, Ceylon, Madras, durch das Ganges Land nach Bombay, weiter nach Mesopotamien, und über Urmia nach Täbris. Durch Transkaukasien und Südrussland kehrte sie nach Wien zurück“. 1850 wurde ihr Reisetagebuch “Eine Frauenfahrt um die Welt“ publiziert. Kurz nach der Publikation ihrer Weltreise -Notizen, war sie wieder unterwegs.

Zweite Weltreise

Im Alter von 54 Jahren machte Ida Pfeiffer eine Zweite Weltreise. Im Mai 1851 abermals von Wien, um über London nach Südafrika zu reisen. Unterwegs: Australien, Indonesien und Borneo, Java und Sumatra. Dann weiter von Nordamerika nach Südamerika und den Amazonas von der Quelle bis zur Mündung. Endlich landete sie wieder auf europäischem Boden im November 1855. Als Reise- Dokumentation hatte sie selbstverständlich die Reisebeschreibung“ Meine zweite Weltreise“ vorbereitet, die im Jahr 1856 publiziert wurde.
Gleichzeitig hat sie eine ganz neue Reise organisiert, diesmal wollte sie Madagaskar und Mauritius besuchen. Sie plante auch noch weiter nach Australien zu reisen.

Reiseabbruch

Leider musste Ida Pfeiffer die Reise auf Mauritius abbrechen, weil sie am Madagaskar- Fieber erkrankt war. Sie kehrt geschwächt nach Wien zurück und stirbt in der Nacht von 27. auf den 28. Oktober 1858. 1861 wurden von ihrem Sohn Oscar die zwei Bände der “Reise nach Madagaskar“ herausgegeben.

 

Popularität und Ehre

Ida Pfeiffers “Talent zu reisen“ war so groß wie ihre Reiselust. Sie verbrachte viele Jahre ihres Lebens auf höchst unkonventionelle Art, aber sie hatte über die eigentliche Rolle der Frau in der Gesellschaft absolut konventionelle Ansichten: “wie eine tüchtige Hausfrau, die über ihre häuslichen Angelegenheiten nie hinausgekommen war“.

Heute kann man ihre Beschreibung als schlicht, oft naiv, ohne jeden Anspruch auf Wissenschaftlichkeit betrachten, aber der finanzielle Erfolg dieser ersten Reise und ihrer Reisenotizen sollte Idas nächste Reisen ermöglichen.
Durch die Verbreitung ihrer Reiseberichte wurde Ida weltweit bekannt. Alexander von Humboldt verschaffte ihr eine Einladung an den preußischen Hof, von König Friedrich Wilhelm IV erhielt sie 1856 die“ Goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst“. Zusammen mit dem Geografen Carl Ritter setzte sich Humboldt dafür ein, dass die “Berliner Ethnographische Gesellschaft“ Ida Pfeiffer als erste Frau zum Ehrenmitglied ernannte.

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