„Ey! Wie schmeckt der Coffee süße“

von Ute Lenke

Johann Sebastian Bach schrieb seine berühmte Kaffeekantate 1734; er lobte damit ein Getränk, dass schon damals ein beliebtes Genussmittel war. Was sich zu Bachs Zeiten allerdings nur Wenige leisten konnten, ist seitdem zum Lieblingsgetränk der Deutschen geworden.

Die Kantate

Notenblatt der Kaffeekantate

J.S. Bach ist bekannt als Thomas-Kantor und Schöpfer unsterblicher, meist geistlicher Musik wie der Matthäus-Passion oder dem Weihnachtsoratorium. Dass er auch „weltliche“ Musik geschrieben hat – und das mit dem größeren Vergnügen – ist weniger bekannt. Eines dieser Werke ist die „Kaffee-Kantate“ (BWV 211), die um 1734/35 entstand. Bach beschreibt darin auf humorvolle Weise den zeitgenössischen Streit um das Modegetränk Kaffee. Der Inhalt der Kantate ist schon fast ein kleines Opern-Drama:

Liesgen, die Tochter des Herrn Schlendrian frönt ihrer Leidenschaft zum Kaffeegenuss; ihr Vater ist dagegen und droht ihr, dass sie niemals heiraten darf, wenn sie nicht von diesem Laster lässt. Sie gibt nach, verspricht den Verzicht, ihr Vater begibt sich auf die Suche nach einem Bräutigam. Inzwischen ist Liesgen aber auch nicht untätig: sie lässt verbreiten, dass sie nur jemanden heiraten wird, der ihr den täglichen Kaffee erlaubt und ihr das auch im Ehevertrag garantiert. Die Kantate schließt mit den Worten:

„Die Katze lässt das Mausen nicht,

die Jungfern bleiben Kaffeeschwestern.

Die Mutter liebt den Coffeebrauch,

die Großmama trank solchen auch,

Wer will nun auf die Töchter lästern?“

Kleine Geschichte des Kaffees

Eingangsbereich des Cafés "Zum arabischen Coffebaum" in Leipzig

Nur 2 Jahre bevor Bach (1685-1750) geboren wurde kam man in Wien als Folge der Türkenbelagerung auf den Kaffeegeschmack. In Leipzig entstanden 10 Jahre später erste Kaffeehäuser, wie das heute noch existierende „Zum arabischen Coffebaum“ und das „Café Zimmermann“, in dem Bach seine Kaffee-Kantate und andere seiner weltlichen Werke aufführte. Man sagte, dass der Erfolg der Kaffee-Kantate den Kaffeeumsatz des Wirtes erheblich förderte.

Bekannt ist Kaffee als Genussmittel aber schon länger. „Entdeckt“ wurde Kaffee vermutlich in Äthiopien; von dort verbreitete er sich seit dem 14. Jahrhundert in Europa. Als „Türkentrank“ war er jedoch geächtet, bis Papst Clemens VIII ihn um 1600 auch  Christen erlaubte. Seit dem 17. Jahrhundert wurde Kaffee bevorzugt in den holländischen Kolonien angebaut und sicherte den holländischen Kaufleuten eine Vormachtstellung im Kaffeehandel.

Zubereitung

Zu Bachs Zeiten wurde Kaffee anders zubereitet als heute: die Bohnen wurden geröstet, grob gemahlen oder zerstampft, mit Wasser und Zucker in einem bauchigen Tonkrug aufgekocht und in kleinen Schalen serviert. Diese Art der Zubereitung ist zum Teil noch heute zum Beispiel in Bosnien als „Türkischer Kaffee“ verbreitet.

Von Johann Wolfgang von Goethe, der Kaffee nur schlecht vertrug, stammte schließlich die Idee, den Kaffee zu destillieren, wobei der Chemiker F.F. Runge das Koffein entdeckte.
Heute gibt es so viele Arten der Zubereitung wie es unterschiedliche Kaffeesorten gibt. Jeder Liebhaber schwört dabei auf seine Sorte und seine Art der Zubereitung – ja selbst das Wasser und die Kanne sind Gegenstände hitziger Debatten.

Koffein – Gift oder Heilmittel?

Was Liesgen Schlendrian so kaffeesüchtig machte, ist heute wissenschaftlich bewiesen: das Koffein, ein Wirkstoff, der auch in Tee und Schokolade enthalten ist, die als Getränke ebenfalls seit dem 18. Jahrhundert einen Siegeszug antraten.  Gegner versuchten seitdem immer wieder zu beweisen, dass der Genuss giftig sei. So gibt es vom schwedischen König Gustav III. die Anekdote, dass 2 zum Tode verurteilte Häftlinge als Strafe täglich Kaffee bzw. Tee trinken mussten: beide sollen König und Leibarzt überlebt haben.
Auch für Kaffee gilt, was Paracelsus schon wusste: die Dosis macht´s. Zuviel Kaffee ist ungesund: es kann zu Herzrasen, Unruhe, Schlaflosigkeit, ja Angstzuständen kommen. Von „Zuviel“ spricht man ab einer Dosis von einem Gramm Koffein (1 Tasse mit ca. 125 ml enthält ca. 80-120 mg Koffein).  Manche Menschen reagieren aber schon auf 1 Tasse mit Magen-Darm-Beschwerden, Unruhe oder ähnlichem. Bei regelmäßigem Kaffeegenuss gewöhnt sich der Körper auch an die tägliche Dosis, er verlangt nach mehr und schlimmstenfalls kann man süchtig werden. Die Sorgen von Liesgens Vater waren also nicht ganz unberechtigt.

Kaffee als Anregungs- und Genussmittel

Für viele Menschen beginnt der Tag mit dem Frühstückskaffee (oder –tee, der ja auch Koffein enthält), nach dem Mittagessen hilft er die Schläfrigkeit zu vertreiben, nachmittags muss wieder ein toter Punkt überwunden werden und kreislaufschwachen Menschen hilft er sogar beim Einschlafen, denn anfangs beruhigt Koffein, was aber ziemlich schnell wieder nachlässt und dann anregt.
Koffein wirkt kurzfristig - weshalb Autofahrern abzuraten ist, sich bei langen Fahrten mit Kaffee oder anderen koffeinhaltigen Getränken wach zu halten.
In Maßen genossen ist Kaffee aufmunternd, konzentrationsfördernd und hat positive Auswirkungen auf Psyche, Atmung, Herz und Kreislauf.
Von all den heute nachgewiesenen Wirkungen und Nebenwirkungen wusste Liesgen noch nichts. Wahrscheinlich hatte sie nur die anregende Wirkung  am eigenen Leib erfahren, er schmeckte ihr einfach  „süße“ und viel besser „als 1000 Küsse“. Das mag auch auf die sächsische Gewohnheit zurückzuführen sein, den Kaffee mit viel Zucker zu trinken. Der Kaffee wurde jedenfalls Modegetränk: die Damen genossen ihn im privaten Kreis beim Kaffeekränzchen, die Herren gingen in die zahlreichen Kaffeehäuser.

Die Kaffeehäuser

historische Ansicht von Zimmermanns Kaffeehaus in Leipzig

Die ersten Kaffeehäuser zu Bachs Zeiten waren noch als „Lasterhöhlen“ berüchtigt, vielleicht weil die anregende Wirkung sich nicht nur auf die geistigen Höhenflüge beschränkte.

Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der Kaffeehäuser rapide an. Der Höhepunkt war im 19. Jahrhundert, aber auch heute existieren noch einige der traditionellen Kaffeehäuser besonders in Wien.
Um 1900 gab es in Wien 600 Kaffeehäuser, die außer Kaffee in vielen Variationen auch Spiel- und Rauchsalons boten. Damen war der Zutritt allenfalls in Begleitung von Männern erlaubt.
Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts erlebten die Kaffeehäuser ihre Blütezeit: sie waren Treffpunkt von Künstlern, Literaten, Wissenschaftlern und Politikern ihrer Zeit; hier konnte man stundenlang bei einer „Schale Kaffee“ Zeitungen studieren, diskutieren, schreiben, dichten oder Karten spielen. Manches literarische Werk, mancher revolutionäre Gedanke ist im Kaffeehaus in Wien, Leipzig, Berlin, Paris, Triest, London entstanden.

Ein ganzes Orchester wie das „Zimmermannsche Kaffeehaus“ in Leipzig beherbergte allerdings kein Kaffeehaus jemals wieder. 

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