„Nicht nur vom Brot allein "

von S. Blüm/ C.Stadelhofer

„Den Planeten ernähren, Energie für das Leben (Nutrire il pianeta, energia per la vita)“ ist das Thema der Expo 2015, die noch bis 31. Oktober in Mailand zu sehen ist.


Pavillon des Vatikans auf der Expo in Mailand

Neben vielen die Welt beherrschenden Giganten der Lebensmittelindustrie wie Coca-Cola, Monsanto, Nestlé und Unilever trägt auch der Papst zur Weltausstellung bei: Der Pavillon des „Heiligen Stuhls“ (Santa Sede) steht unter dem Motto „Non solo di pane“ – „Nicht vom Brot allein – Am Tisch Gottes mit den Menschen“. Die Bibelzitate „Nicht vom Brot allein“ und „Unser tägliches Brot gibt uns heute“ zieren in vielen Sprachen die schneeweißen Außenwände. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes geht“, wird Jesus bei Matthäus zitiert. Diesem Thema können sich die Besucher/-innen des Pavillons unter vier Aspekten nähern ‑ ökologisch, wirtschaftlich, religiös-theologisch sowie unter dem Aspekt der Bildung und Erziehung.

Weltweites Grundnahrungsmittel

Nicht zum ersten Mal ist ein Pavillon des Papstes auf einer Expo vertreten – gilt es doch, die Anliegen der katholischen Kirche einer Menschheit nahe zu bringen, deren „Entscheider“ hauptsächlich in wirtschaftlichen und machtpolitischen Kategorien denken. Das Brot als weltweites Grundnahrungsmittel entfaltet hohe Symbolkraft auch im Sinn geistig-seelischer „Nahrung“. Ernährung und die Verarbeitung von Nahrungsmitteln als identitätsbildende Tätigkeiten sind Themen, denen sich jeder Mensch gleichermaßen leicht annähern kann.

Mit der Welt verbunden

So sieht der Vatikan das Brot als universelles Bild für Nahrung, die dem eigenen Körper zugeführt wird und gleichzeitig den ganzen Menschen mit anderen Menschen, mit der Welt, der gesamten Schöpfung, der Zeit und der Geschichte eng verbindet. Brot ist mehr als Nahrung für jeden Einzelnen, es wird nicht nur in der Christengemeinschaft zum kulturellen Zeichen, das von der Entwicklung des Menschen erzählt. Es spielt eine soziale und kollektive Rolle, als geteiltes Brot führt es Menschen freundschaftlich zusammen.

Brot und Macht

Der Mangel an Brot – in Krisenzeiten und Hungersnöten – klagt bestehende Machtverhältnisse in ihrer Ungerechtigkeit an. Filmdokumentationen im Pavillon zeigen Elendsviertel und Kriegsszenen. Auch die Auswirkungen von Lebensmittelspekulation werden sichtbar: Ganze Regionen hungern, während einige Mächtige Getreide horten und auf einen Preisanstieg warten, um es teuer verkaufen zu können.

Würde nicht verkaufen

Papst Franziskus hatte kürzlich verkündet: „Es ist ein Skandal, dass es immer noch Hunger und Mangelernährung in der Welt gibt! Wir sollten nicht nur Soforthilfe leisten, sondern uns in unserem Gewissen und auf allen Ebenen bewusst werden, dass eine gerechte und dauerhafte Lösung der Probleme gefunden werden muss. Denn diese haben nicht nur eine wirtschaftliche und wissenschaftliche, sondern vor allem eine ethische und anthropologische Dimension. Erziehung zur Solidarität bedeutet Erziehung zur Menschlichkeit: Eine Gesellschaft, die sich als wirklich menschlich bezeichnet, bedeutet, immer die einzelne Person und ihre Würde in den Mittelpunkt zu stellen und sie nicht an die Logik des Profits zu verkaufen.“ In der Kommunion, im Brechen und Teilen des Brotes habe Gott gezeigt, dass es auf die Gemeinschaft der Menschen ankomme und der Mensch in der Gemeinsamkeit zum ewigen Leben finde.

„Nicht nur vom Brot allein“

Die Multimedia-Installation im Inneren des Gebäudes – eine bebilderte Reise über die fünf Kontinente der Welt – schlägt verschiedenste Saiten des Themas an. Dazu präzisierte Giovanni Pietro Dal Toso vom Päpstlichen Rat Cor Unum: „Es geht uns nicht nur um Ernährung im materiellen, sondern auch im spirituellen Sinn. Wir wollten nicht nur die große Armut der Dritten Welt in den Blick nehmen, sondern auch die vielen neuen Formen der Armut unserer Welt, die nicht nur einfach Hunger nach Nahrung sind: Die Rede ist von Spielsucht, Alkoholismus… von zahlreichen Formen der Abwesenheit Gottes.“

Interreligiöse Begegnung und nachhaltiger Tourismus

Passend zum Thema findet sich im Pavillon multimediale Kunst, darunter ein elf Meter langer „Interaktiver Tisch“, auf dem junge Künstler/-innen die Essenszubereitung in vielen Ländern als Videomontage zeigen.
Im Eventprogramm finden sich Vorträge und Konferenzen mit Themen von interkulturellem Interesse, wie „Das Recht auf Essen und Lebensmittelsicherheit“, „Nahrung und Religion – Interreligiöse Begegnungen“, „Nahrungsmittel und Stoffwechselkrankheiten“, „Nachhaltiger Tourismus – Junge Leute zur Bewahrung der Schöpfung ausbilden“.
Der Kulturrat des Vatikans richtet das Projekt zusammen mit der Italienischen Bischofskonferenz und dem Erzbistum Mailand aus. „Die Präsenz und die Botschaft des Heiligen Stuhls auf der Expo 2015 sind ein Appell an die Millionen von Ausstellungsbesuchern, die Dimension der Solidarität und Brüderlichkeit wiederzuentdecken, um gemeinsam zu lernen, den Planeten zu hüten und der Menschheit eine Zukunft der Hoffnung zu geben.“

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