Geschichte und Entwicklung der Tafeln

von Horst Glameyer

Seit Mitte der 80er Jahre gibt es in europäischen Ländern Tafeln. Sie wurden von Frauen und Männern freiwillig zur weitgehend kostenlosen Unterstützung notleidender Menschen mit Lebensmitteln gegründet

Die ersten deutschen Tafeln

Im Jahre 1993 gründete Frau Sabine Werth mit den Berliner Frauen e.V. die erste deutsche Tafel in Berlin. Ihrem Beispiel folgten über 900 Tafelgründungen in deutschen Städten. Freiwillige Helferinnen und Helfer sammeln in Supermärkten und kleineren Geschäften noch zum Verzehr geeignete Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Herstellerfirmen geben überschüssige Waren ab, um sie nicht kostenträchtig entsorgen zu müssen. Ehrenamtliche Helferinnen verteilen diese Lebensmittel kostenlos oder gegen einen geringen Betrag an die Bedürftigen. In manchen Tafeln werden auch Suppen zum Mitnehmen gekocht. Seit 1995 gehören sehr viele Tafeln dem Bundesverband Deutsche Tafel e.V. an.

Wer sind die Bedürftigen?

Überwiegend sind es Hartz IV-Empfänger, deren staatliche Unterstützung nur knapp zum Lebensunterhalt reicht. Aber auch verarmte Rentner und Studierende nehmen die Tafeln in Anspruch. Kinder und Jugendliche stellen ungefähr ein Viertel der Bedürftigen, die auf die Hilfe der Tafeln angewiesen sind. Von allen Tafeln im Bundesgebiet wurden im Jahr 2009 etwa anderthalb Millionen Menschen versorgt. Sie erhielten einmal wöchentlich Lebensmittel im Gewicht von ungefähr dreieinhalb Kilogramm.

Tafelgründungen in anderen Ländern

Bereits 1963 entstand in den USA die erste Food Bank. Zwanzig Jahre später gab es in New York eine entsprechende Organisation, die sich City Harvest nannte. In Frankreich existiert seit 1985 eine Tafel, die als „Restaurant des Herzens“ bekannt ist. Die Wiener Tafel wurde 1999 in Österreich gegründet.

Andere Tafeln in Deutschland

Die von Claudia Hollm im Jahre 2006 gegründete Tiertafel Deutschland e.V. kümmert sich um die Haustiere der Bedürftigen und gibt unter anderem. Tierfutter kostenlos ab. Von einer 2010 gegründeten Medikamententafel können Bedürftige verschreibungsfreie Arzneimittel erhalten.

Kritik an der Tafel

Einerseits wird der Tafel vorgeworfen, sie trage nicht dazu bei, die Armut in Deutschland zu verringern, sondern verstärke andererseits das Gefühl der Hilflosigkeit bei den Bedürftigen. Infolgedessen werden sie bequem und von der Tafel abhängig. Sie entwickeln nicht die nötige Eigeninitiative, um sich von ihr zu befreien.

Kritik an der Politik

Der Deutsche Caritas-Verband stellte im Dezember 2008 in seinem Eckpunktepapier fest: „Es wäre fatal, wenn die politischerseits gern gesehene Tafelbewegung dazu beiträgt, dass sich der Staat mit Hinweis auf die Bürgergesellschaft aus der Daseinsvorsorge seiner Bürger sukzessive zurückzieht.“

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