Sultan Süleymans Helvamacher

von Erna Subklew

Heute dürfte es nicht mehr schwerfallen die Legende vom Helvamacher zu erzählen, ohne vorher  erklären zu müssen, was Helva ist. Viele der bei uns lebenden Migranten haben diese Süßspeise aus ihrer früheren Heimat mitgebracht und sie bei uns bekannt gemacht.

Hululi Dede, der Helvamacher

Zur Zeit von Sultan Süleyman dem Prächtigen lebte in Stambul, heute Istanbul, der berühmte Helvamacher Hululi Dede. Er war ein sehr frommer Mann und verrichtete alle Tage mit großer Inbrunst seine Gebete. Das gefiel Allah sehr und er belohnte ihn dafür, indem er ihm die Gabe verlieh, das beste Helva von Stambul zu machen.
Der Sultan Süleyman hörte davon und da er ein großer Feinschmecker war, holte er Hululi Dede an seinen Hof. Dieser musste ihm nun immer, wenn er danach Gelüste hatte, diese Speise zubereiten.

Bau der Prinzenmoschee

die Prinzenmoschee

Als die heute unter dem Namen Prinzenmoschee bekannte Moschee gebaut wurde, ging Sultan Süleyman jeden Tag hinaus, um durch seine Anwesenheit den Fortgang des Baus zu beschleunigen. Es ging ihm alles nicht schnell genug voran. Der Helvamacher Hululi musste immer mitkommen.
Eines Tages überkam tatsächlich Süleyman den Prächtigen auf der Baustelle das Verlangen nach Helva, und er teilte seinen Wunsch Hululi Dede mit. Der hatte nun weder Geräte noch Sesam und eine Sesammühle bei sich. Doch Allah, der ihn liebte, ließ ihn aus dem Nichts Helva machen. Dieses war noch köstlicher als alles Helva, das er bisher gegessen hatte. Voller Genuss ließ er es auf seiner Zunge zergehen. Zu Hululi Dede aber sagte er, dass er für dieses Helva ihm einen besonderen Wunsch erfüllen würde.

Hululi Dedes Wunsch

Hululi Dede, der zu dieser Zeit schon ein alter Mann war und müde vom langen Leben, verbeugte sich vor seinem Herrn, wies auf den Boden und bat den Sultan, sich hier niederzulegen und schlafen zu dürfen. Der Sultan wunderte sich über den kleinen unbedeutenden Wunsch. Der Helvamacher aber spürte, dass er nicht mehr lange zu leben hatte und starb schon am nächsten Tag. Jetzt verstand der Sultan was sein Helvamacher gemeint hatte und ließ ihn an der bezeichneten Stelle begraben. Als Dank für all das gute Helva, das Hululi Dede ihm bereitet hatte, ließ er über das Grab eine Türbe (Mausoleum) errichten. Die Gläubigen pilgerten zu seinem Grab und Hululi Dede wirkte viele Wunder.
Die Platane, unter der die offene Türbe von Hululi Dede stand, gibt es immer noch im Umkreis der Moschee.

Quelle: Legenden aus Byzans und Stambul, Slavisches Institut München 1964

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