Fasten in den Religionen

von Erdmute Dietmann-Beckert

„Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen“ (Die Bibel: Matthäus 6, 16)

Zum Begriff ‚Fasten‘

Das Wort kommt aus dem althochdeutschen und bedeutet, „an den Geboten der Enthaltsamkeit festhalten“. Gemeint ist ein völliger oder teilweiser Verzicht auf Speisen.

Wer fastet?

Ich denke, nur Menschen sind in der Lage, freiwillig auf Nahrung zu verzichten.
In meinem Text befasse ich mich mit der jüdisch-christlichen Überlieferung.

Warum wird gefastet?

Im Alten Testament sagt der Prophet Jesaja dem Volk, was Gott von ihrem Fasten hält. Sie hatten gefragt, warum ihr Fasten nicht anerkannt werde. Darauf antwortet der Prophet, dass sie mit dem Fasten aufhören sollen zu streiten und Untergebene zu unterdrücken, was sie wohl nicht unterlassen hatten. Gott gefällt es auch nicht, wenn die Fastenden den Kopf hängen lassen. Richtiges Fasten, sagt der Prophet, bedeutet Veränderung des Lebens. Gefangene sollen losgelassen, den Hungernden Brot und den Heimatlosen Obdach gegeben werden.
Im Neuen Testament antwortet Jesus auf die Frage der Jünger, wie sie Teufel austreiben könnten: „Nur durch fasten und beten.“ Jesus empfiehlt, beim Fasten keine Leidensmine aufzusetzen und sich damit vor den Leuten zu zeigen. (Luk. 6,16ff)
Während die Anhänger Johannes des Täufers und die Pharisäer regelmäßig fasteten, aßen und tranken die Jünger. Jesus rechtfertigt sie und sagt sinngemäß: “Solange ich bei ihnen bin gibt es keinen Grund zu fasten. Erst wenn ich nicht mehr unter ihnen bin, müssen sie trauern und fasten.“ (Luk. 5,33)
Als Angehörige einer Glaubensgemeinschaft verzichten heute Menschen zu bestimmten Zeiten auf Nahrung, um Gott zu gefallen, offener für sein Wort zu sein oder sie enthalten sich der Nahrung, weil sie damit empfänglicher werden wollen für das Wort Gottes.

Festgelegte Fastenzeiten

Im Alten Testament wird immer wieder von Menschen berichtet, die zu bestimmten Anlässen fasteten. Bei den späteren Juden wurde an besonderen Gedenktagen gefastet, zum Beispiel an nationalen Unglückstagen. Der höchste Feiertag der Juden heute ist Jom Kippur, das heißt „Tag der Sühne“. Es ist ein Feier- und Fastentag. An diesem Tag wird nicht gearbeitet. Auch angestellte Nicht-Juden, die für Juden arbeiten, sollen an diesem Tag nicht arbeiten. Jom Kippur wird bis heute, auch von nicht gläubigen Juden gefeiert.
Im Neuen Testament wird berichtet, dass Jesus in der Wüste vierzig Tage fastete und betete, aber dann vom Teufel versucht wurde, sich jedoch nicht beirren ließ. (Matth. 4,2f) Die Apostel fasteten, bevor sie zu ihren Missionsreisen aufbrachen. (Apostelgeschichte 13,2ff)
Martin Luther lehnte die Vorstellung ab, dass durch Fasten Gott gnädig gestimmt werde. Er hielt das Fasten für eine „feine äußerliche Zucht“, aber nicht als Garantie für den Himmel. Der schweizerische Reformator Ulrich Zwingli hielt überhaupt nichts vom Fasten. Seine Anhänger veranstalteten sogar ein demonstratives „Wurstessen“ in der Zeit vor Ostern. Zwingli nahm allerdings nicht daran teil.

Fasten heute

Die Katholische Kirche kennt die Fastenzeit zwischen Fasnacht und Ostern. In diesen vierzig Tagen sollen die Gläubigen täglich nur eine volle Mahlzeit zu sich nehmen. Weiter wird empfohlen auf Alkohol, Süßigkeiten und Dinge, die sonst lieb und wichtig sind, zu verzichten. Außerdem sollte freitags kein Fleisch gegessen werden.
Die evangelischen Christen haben keine Vorschriften. Sie nennen die Zeit zwischen Fasnacht und Ostern „Passionszeit“ zum Gedenken an das Leiden Jesu. In dieser Zeit können sie freiwillig auf Fleisch und Süßigkeiten verzichten. Seit einiger Zeit gibt es die Bewegung „Sieben Wochen Ohne“. Das ist ein freiwilliger Verzicht auf liebgewordene Genüsse.

Eine Stadt überlebt, weil…

Die Stadt Ninive, lebte in Saus und Braus und vergaß darüber Gott. Das missfiel ihm sehr. Deshalb gab er dem Prophet Jona den Auftrag, die Menschen in der Stadt zu warnen. Sie sollten ihr liederliches Leben verlassen und sich auf Gott und sein Wort besinnen, sonst werde die Stadt untergehen. Jona aber war nicht bereit, den Menschen in der Stadt diese schlechte Botschaft mitzuteilen. Deshalb nahm er die Straße nach Japho, der schönen Stadt am Mittelmeer. Er fand ein Schiff nach Tarsus, das ist eine Stadt im Südosten der heutigen Türkei und heuerte an. Unterwegs kam das Schiff in einen starken Sturm und drohte unterzugehen. Die Schiffsleute warfen die schwere Ladung ins Meer und hofften, dass sich das Wetter beruhigte. Aber der Sturm tobte noch wilder. Da fiel dem Kapitän ein, dass der fremde Passagier in aller Ruhe unten im Schiff schlief. Er schüttelte ihn und forderte ihn auf, zu seinem Gott zu beten, damit sich der Sturm legte. Jetzt wurde Jona klar, dass er und sein Verhalten der Grund für dieses schwere Unwetter waren. Er bat die Matrosen, ihn ins Meer zu werfen. So geschah es und nach kurzem Zögern, o Wunder, das Meer beruhigte sich. Jona ertrank nicht, sondern landete im Bauch eines riesigen Wals. Drei Tage und Nächte verbrachte er dort. In seiner großen Angst betete er zu Gott und gelobte, nach Ninive zu gehen und die Menschen dort zur Umkehr von ihren lästerlichen Wegen aufzurufen. Der Fisch spuckte Jona an Land, und er machte sich auf den Weg in die Stadt. Dort predigte er und rief die Menschen zur Umkehr auf, weil Gott sie sonst vernichten würde. Das bewegte die Bürger Ninives. Die hörten auf Jona, den Prophet, was er ihnen zu sagen hatte. Ein demonstratives Fasten als Buße für ihr bisheriges Leben wurde ausgerufen, und die Menschen änderten ihr Leben. Da erbarmte sich Gott, und er verschonte die Stadt vor ihrem Untergang.

Quellen und Links

Quellen
Die Bibel. Das Buch Jona im Alten Testament. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Stuttgart 2006.
Zum Begriff Fasten
https://de.wikipedia.org/wiki/Fasten 22.7.15.
Fastensonntag
http://www.gotquestions.org/Deutsch/ 22.7.15.
Fasten in der Bibel
http://www.//ruhr-uni-bochum.de
/imperia/md/content/nt/biblisches_mahl_fastenzeit.pdf 22.7.15.
Fasten in den Religionen
http://www.ruhr-uni-bochum.de/imperia/md/content/nt/biblisches_mahl_fastenzeit.pdf 22.7.15.
http://www.ekhn.de/glaube/kirchenjahr/passion/geschichte.html 22.7.15.
http://www.katholisch.de/glaube/unser-kirchenjahr/40-tage-ohne 22.7.15.
Fasten allgemein
http://www.t-online.de/ratgeber/gesundheit/abnehmen/id_52598488/40-tage-fasten-tradition-religioesen-ursprungs.html 22.7.25.
Fasten in den Religionen
http://www.interkultureller-rat.de/wp-content/uploads/Fastenpapier-web4.pdf 22.7. 15.
Fastenzeit
http://www.ojc.de/brennpunkt-seelsorge/2010/fasten/beten-fasten-bibel-kirchengeschichte-bps-1-2010/ 22.7.15.

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