Gastronomie am Niederrhein

von Lore Wagener

„Wie schön ist doch mein Niederrhein“. Das ruft meine Duisburger Freundin regelmäßig aus, wenn wir auf unseren Ausflügen an den nördlichen Niederrhein kommen.

Der Niederrhein

Der Niederrhein ist im Norden recht reizvoll und von ruhiger Schönheit, mit seinen grünen Wäldern und Auen, den fruchtbaren Feldern und den oft geschichtsträchtigen alten Städtchen und Dörfern. Hier fühlten sich schon die antiken Römer wohl. Mein Niederrhein liegt etwas südlicher und kann da nicht konkurrieren, denn ich komme aus dem rheinischen Braunkohlenrevier mit seinen riesigen Tagebauen, der zerwühlten Erde und den verlorenen Dörfern. Mithalten kann eher unsere Düsseldorfer Freundin, denn um Düsseldorf gibt es mit dem Bergischen Land und der Rheinschiene ebenfalls viele schöne Fleckchen mit guter Gastronomie - und die Neandertaler waren ja weit vor den antiken Römern da.

Unser Gourmetkreis

Weil unsere Ausflüge zu dritt uns gut gefielen, beschlossen wir, uns regelmäßiger zu treffen. Die Idee kam uns nach einem guten Spargelessen in Walbeck. Wir wollten abwechselnd einladen und organisieren und das Gastronomische auch mit einem kleinen kulturhistorischen Erlebnis verbinden. Am Ende sollte die Einladende eine Power Point Folie über den Ausflug machen. Wir haben inzwischen eine stattliche Präsentation mit mehr als 80 Folien. Unseren Kreis tauften wir „Gourmettref“, eine etwas hochtrabende Bezeichnung, denn wir trafen uns meist in renommierten bürgerlichen Lokalen.

Walbeck

Einmal im Jahr fahren wir im Frühling an unseren Gründungsort Walbeck, um dort in der alten Bürgermeisterei den leckeren Spargel zu genießen. Dort gibt es den besten Spargel der Gegend. Die alte Bürgermeisterei ist eine historische Gaststätte mit altem Mobiliar. Walbeck nennt sich selbst „das Spargeldorf“ und kürt sogar in jedem Jahr eine Spargelkönigin. Das Dorf liegt in der flachen nördlichen Niederrheinlandschaft inmitten fruchtbarer Felder. Im Frühjahr sieht man hier große weiße Flächen. Das sind große Folien, mit denen die Bauern ihr „wei0es Gold“ schützen. Man sieht aber auch feldergroße Glashäuser, in denen feines Obst und Gemüse wachsen. Von Walbeck, das nah an der holländischen Grenze liegt, kann man interessante Orte erreichen. Wir besichtigten unter anderem die Steprather Mühle aus dem 16. Jahrhundert, die noch ein intaktes Mahlwerk hat. Wir fuhren nach Kevelaer, dem bekannten Wallfahrtsort mit der Gnadenkapelle oder nach Kalkar, das in seiner Pfarrkirche mehrere schöne Schnitzaltäre beherbergt, die dort vor den calvinistischen Bilderstürmern in Sicherheit gebracht wurden.

Op de Poort in Rees

Etwas weiter rheinabwärts liegt das Städtchen Rees. Dort hat das Haus Op de Poort eine wohlbekannte gute Küche und seine Terrasse hat einen zauberhaften Rheinblick. Rees ist ein altes Städtchen mit einer interessanten Stadtmauer. Hoch oben auf der Mauer liegt der alte jüdische Friedhof mit seiner interessanten Geschichte. Jüdische Einwohner  durften im Mittelalter nicht innerhalb der Stadtmauern beerdigt werden. Im Vorland vor  Rees überschwemmte aber der Rhein oft den Friedhof. So verlegte man den Friedhof auf die Stadtmauer. Damit lag er nicht innerhalb der Mauern und war dennoch geschützt. Von Rees aus machten wir als Kulturerlebnis einen Abstecher nach Schloss Moyland, das damals gerade renoviert wurde. Heute ist es ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst und ein internationales Forschungszentrum zu Joseph Beuys

Van Bebbern in Xanten

Xanten nennt sich Römer-,Dom- und Siegfried- Stadt und wird alljährlich von etwa 800.000 Touristen besucht. Anziehungspunkte sind unter anderem der archäologische Park, der an die antike Römerzeit erinnert, sowie der gotische Dom und das Stiftsmuseum. Wir besuchten den Dom mit seinen schönen Kreuzgang oder das Dommuseum und sahen uns das überschaubare Dommuseum an, in dem fein verzierte liturgische Geräte und schöne Messgewänder zu bewundern waren,
Danach erholten wir uns bei einem leckeren Mittagessen im Hotel van Bebbern, das unmittelbar am Domplatz liegt. Das "Hotel van Bebbern", ist ein historisches Haus mit 230-jähriger Tradition und hatte ein anerkannt gutes Restaurant, das inzwischen leider geschlossen ist.

Zur Linde in Repelen

Ein schöner Ausflug war auch der Besuch des Romantik-Hotels “zur Linde“ in Repelen. Man konnte sich dort wohl fühlen und gut essen .Repelen  ist schwer auf Landkarten zu finden. Es ist ein Ortsteil von Moers-Rheinpamp und war ursprünglich eine Bergarbeitersiedlung. Das Hotel zur Linde sieht seine Ursprünge aber lange vor dem Bergbau.
Am so genannten Repeler Meer besuchten wir einen Miniatur-Kurpark mit einer „Barfußanlage“ und anderen Einrichtungen für Naturheilkundige. Dieser Park nennt sich „Jungbornpark“. Er wurde ab Anfang des 20. Jahrhunderts als Kurgelände bekannt. Der evangelische Pfarrer Emanuel Felke wirkte dort. Er entwickelte die nach ihm benannte Felke Kur. Diese wurde aber nicht populär, denn Sitzbäder in naturkaltem Wasser oder 3,5 km Barfußlaufen sind wohl nicht jedermanns Sache.

Schloss Anholt

Auch rechts des Rheins, in der Grenzregion zu Holland, wo die Niederrheinlandschaft ins Westfälische übergeht, gibt es schöne Ausflugsziele. An erster Stelle steht hier für mich das Parkhotel Wasserburg Anholt. Es wurde 1968 durch den damaligen Fürsten und Eigentümer Nicolaus Leopold zu Salm-Salm eröffnet. Dort gibt es eine wunderbare Küche, sehr zuvorkommende Bedienung und ein schönes Ambiente im Wasserpavillon mit großen Fenstern und einem schönen Ausblick. Krönung des Essens waren die Nachtischvariationen, von denen meine Freundinnen noch heute schwärmen. Die Besichtigung des wunderbaren Schlossparks war dort unser Kulturerlebnis.

Haus Elmer in Marienthal

Auch im Hotel Haus Elmer im idyllischen Marienthal gab es kulinarische Köstlichkeiten. Das Hotel liegt am Klosterkirchplatz. Die alte Klosterkirche ist sehenswert. Ein besonderes High light  ist hier der alte Friedhof, auf dem man neben uralten Grabsteinen auch Arbeiten avantgardistischer Kunst des 20. Jahrhunderts sieht. Sie stammen von Bildhauerinnen, die sogar während der Nazi-Zeit dort arbeiten konnten. Dies wurde von den Karmeliterinnen aus dem
Kloster ermöglicht.
In Marienthal konnte man auch einen Einkaufsbummel machen. Dort gibt es in der „alten Molkerei“ nette Boutiquen.

Restaurant ART in Wesel

Wesel ist die Kreisstadt der Region. Die Stadt war während der Preußenzeit eine große preußische Garnison. Davon zeugt auch das interessante Preußen-Museum.
Das Restaurant ART liegt etwas außerhalb von Wesel. Hier findet man eine kreative frische Küche. Kreatives findet man aber nicht nur auf den Tellern: Künstler der Umgebung haben wird dort ein Forum für ihre Werke geboten, sodass jeder Raum des interessanten Gebäudes auch selbst schon ein Kunsterlebnis ist.
Da wir hier schon unser Kunsterlebnis hatten, fuhren wir anschließend nach Schloss Raesfeld, dessen Remise eine Filiale des eleganten Modegeschäfts Hetkamp beherbergt. Dort bewunderten wir die neuen Modetrends und konnten der Versuchung nicht widerstehen, hier auch je ein teures Stück für unsere Garderobe mitzunehmen.

Bilder

Alle Bilder: I.D. Winterscheidt mit freundlicher Genehmigung

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